ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Studie der Universität Leipzig: Soziale Befindlichkeiten in Ost und West

THEMEN DER ZEIT: Aufsätze

Studie der Universität Leipzig: Soziale Befindlichkeiten in Ost und West

Planko, Tanja

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auch im sechsten Jahr nach der Wiedervereinigung gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen, beruhend auf unterschiedlichen Lebensweisen, Erfahrungen und sozialen Bedingungen. Das hat die Studie "Soziale Befindlichkeiten in Ost und West" der Universität Leipzig – durchgeführt von Prof. Dr. Elmar Brähler, Prof. Dr. Michael Geyer, Dr. med. Aike Hessel und Dipl.-Soz. Yvonne Richter – ergeben. Im Rahmen dieser Studie wurden 1 017 Ost- und 1 040 Westdeutsche zu verschiedenen Aspekten des sozialen Lebens befragt.
Die Auswertung der Fragebogen ergab, daß die Ostdeutschen zwischenmenschliche Unterstützung signifikant stärker erfahren als Westdeutsche. Während die Ostdeutschen äußerten, genügend Menschen zu kennen, zu denen sie ein gutes Verhältnis haben, gaben die Westdeutschen relativ häufiger an, daß sie sich oft als Außenseiter fühlen. Erhebungen zum subjektiven Familienbild erbrachten, daß die Ostdeutschen sich positiver erleben als die Westdeutschen und auch höhere Ansprüche an sich selbst haben. Bei ihnen zeigt sich auch eine neue Entwicklung zu größerem Selbstbewußtsein, nachdem bis zum vergangenen Jahr eher negative Selbstbeschreibungen dominierten. Die Ostdeutschen beurteilen die Beziehungen zu ihren Eltern rückblickend frappierend positiver als die Westdeutschen. Diese Ergebnisse führen die Wissenschaftler darauf zurück, daß die Mütter im Osten überwiegend berufstätig waren, wodurch ihre Selbständigkeit gefördert wurde, so daß sie auch von ihren Kindern als selbständig wahrgenommen wurden. Die Berufstätigkeit der Mütter habe es auch den Vätern ermöglicht, eine stärkere Bindung zu ihren Kindern aufzubauen. Obwohl Ost- und Westdeutsche gleichermaßen stark angaben, auf ihre Gesundheit zu achten, beschreiben Ostdeutsche ihren Gesundheitszustand signifikant schlechter als Westdeutsche. So geben Ostdeutsche häufiger als Westdeutsche an, unter Erkrankungen zu leiden wie zum Beispiel Angina pectoris, Herzinfarkt oder Bluthochdruck. Eine Erklärung für diese Krankheitshäufung sehen die Wissenschaftler zum einen in der schlechteren Ernährung, zum anderen aber auch in den Auswirkungen der Wende. Unterschiede ergeben sich auch hinsichtlich des täglichen Medikamentenverbrauchs: Ostdeutsche nehmen dreimal häufiger Herz-/Kreislauf- und Schmerzmittel als Westdeutsche und ungefähr doppelt so häufig Mittel zur Senkung des Blutzuckerspiegels, Rheumamittel sowie Mittel für Lungen und Bronchien. Folgende Symptome werden jedoch häufiger von Westdeutschen genannt: Darmentzündung und Durchfall, Verstopfung, Muskelverspannung und Kopfschmerzen. Tanja Planko
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote