ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1996Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: Erstmals Therapieempfehlungen

POLITIK: Kommentar

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: Erstmals Therapieempfehlungen

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LNSLNSLNSLNS Der Ausgabe A (für niedergelassene Ärzte) dieses Deutschen Ärzteblattes (Heft 5) liegt erstmalig eine Therapieempfehlung der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, hier zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen, bei1). Weitere Empfehlungen zur Therapie wichtiger Erkrankungen in der Praxis des niedergelassenen Arztes werden folgen. Die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft betrachtete es schon immer als eine ihrer ureigensten Aufgaben, Information und Wegweisung zu einer rationalen Therapie zu geben. Mit der zunehmenden Informationsfülle über vermeintliche und tatsächliche innovative Vorteile von Arzneimitteln oder Therapieprinzipien, durch die ständige Präsentation der Ergebnisse neuester Untersuchungen, zum Beispiel klinischer Studien, und bei der Vielzahl therapeutischer Empfehlungen verschiedenster Provenienz wird die Orientierung des niedergelassenen Arztes sehr erschwert, da er einfach nicht die Zeit hat, jede Studie im Original dahingehend zu prüfen, welche der propagierten Behandlungsmöglichkeiten wirklich wissenschaftlich belegt sind.

Information und Entscheidungshilfe
In dieser schwierigen Situation Information und Entscheidungshilfe zu bieten, auch unter Berücksichtigung kassenärztlich reglementierender Vorgaben, ist Aufgabe der "Therapieempfehlungen" der Arznei­mittel­kommission. Der Hinweis in Nr. 14 der Arzneimittel-Richtlinien des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen, insbesondere die Therapieempfehlungen der Arznei­mittel­kommission "zu berücksichtigen", als auch der zum Beispiel in einem Positionspapier der Lan­des­ärz­te­kam­mer Sachsen artikulierte Wunsch nach "wissenschaftlich begründeten Therapieempfehlungen, die in Zusammenarbeit von Ärzten mit Pharmakologen erarbeitet werden sollten", unterstreichen die Bedeutung dieser Empfehlungen. Ausdrücklich sei hier ihr Empfehlungscharakter betont. Die Therapieempfehlungen sind keine starren Standards, sondern Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann und muß!
Die einzelnen Themen werden im Rahmen eines Konsensusverfahrens von Experten verschiedener Fachgebiete unter Einbeziehung eines Panels niedergelassener Kollegen, bestehend insbesondere aus Allgemeinmedizinern, und in Abstimmung mit wissenschaftlichen Fachgesellschaften erstellt. Diesem Verfahren kommt die interdisziplinäre Struktur der Arznei­mittel­kommission entgegen.
Alle Therapieempfehlungen der Arznei­mittel­kommission unterliegen einem gleichen Gliederungsschema und gleicher graphischer Gestaltung. In der vorliegenden Ausführlichkeit wird nicht nur dargestellt, was, sondern auch warum wir etwas empfehlen. Neben der Beschreibung des therapeutischen Stellenwertes der verschiedenen Wirkstoffe kann auch auf die Problematik bestimmter Therapiemöglichkeiten, wie zum Beispiel Kombinationsbehandlung mit Lipidsenkern oder Indikationsstellung zu weiterführenden therapeutischen Verfahren (Lipidapherese), eingegangen werden. Die zusätzlich beigefügte Kurzfassung ("Handlungsleitlinie") nimmt in ihrer Gestaltung auf die Therapieempfehlung Bezug. Sie soll der raschen Verfügbarkeit und Repetition wichtiger Inhalte der Therapieempfehlung am Praxisschreibtisch dienen.
Mit den vorliegenden Empfehlungen haben wir versucht, den gegenwärtigen Stand der Therapie auf dem Gebiet der Fettstoffwechselstörungen als Orientierungshilfe für die Praxis zusammenzufassen. Da wir uns bewußt sind, daß der beste Prüfstein und Motor für die Verbesserung derartiger Empfehlungen ihre Bewährung in der ärztlichen Tätigkeit darstellt, sind wir für Anregungen und Kritik dankbar.


Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft

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