ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Vitamin A, C und E: Doch kein Nutzen?

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Vitamin A, C und E: Doch kein Nutzen?

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LNSLNS Bei mehreren epidemiologischen Studien zeigen sich erniedrigte Risiken für Karzinomentstehung und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Menschen mit hohem Verzehr von Obst und Gemüse. Als mögliche Erklärung hierfür wird ein protektiver Effekt der in dieser Nahrung vorkommenden antioxidativen Vitamine postuliert, die durch passive Schutzmechanismen die oxidative Zerstörung von DNA und Lipoproteinen hemmen.
In drei jeweils randomisiert und kontrolliert durchgeführten Studien aus den USA, die in der Mai-Ausgabe des New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, konnte ein protektiver Effekt antioxidativer Vitamine jedoch nicht nachgewiesen werden.
Die erste Studie untersuchte von 1982 bis 1995 bei 22 071 Männern im Alter von 40 bis 84 Jahren (Studienteilnehmer der "Physicians Heart Study") den Einfluß der Gabe von 50 mg Beta-Carotin alle zwei Tage. Dabei konnte in der zwölfjährigen Nachbeobachtungsdauer keinen Unterschied in dem Auftreten von Malignomen, kardiovaskulären Erkrankungen oder der Gesamtmortalität festgestellt werden.
In der zweiten Studie wurde von 1985 bis 1995 bei 18 314 Männern (Raucher, Exraucher, berufliche Asbestexposition) der Effekt einer täglichen Einnahme einer Kombination aus 30 mg Beta-Carotin und 25 000 Einheiten Retinol auf das Auftreten eines Bronchialkarzinoms überprüft. Dabei zeigte sich in der VerumGruppe nach einer im Mittel vier Jahre dauernden Gabe oben genannter Vitamine ein 1,28fach erhöhtes relatives Risiko für das Auftreten eines Bronchialkarzinoms, ein relatives Risiko von 1,46 für den Tod an einem Bronchialkarzinom sowie ein 1,26fach erhöhtes relatives Risiko für das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen. Aufgrund dieser überraschenden Ergebnisse wurde die Studie bereits 21 Monate vor geplantem Studienende abgebrochen.
Die dritte Studie überprüfte den Effekt von diätetischen sowie supplementär zugeführten Vitaminen A, E und C bei postmenopausalen Frauen im Hinblick auf die Mortalität kardiovaskulärer Erkrankungen. 34 486 Frauen konnten von 1986 bis 1992 in die Studie eingeschlossen werden, die tägliche Vitaminzufuhr wurde aufgrund von Fragebögen ermittelt. Nur für die Menge des mit der normalen Ernährung zugeführten Vitamin E ergab sich eine inverse Korrelation mit der KHE-Mortalität (Relatives Risiko auf maximal 0,42 abgesenkt). Die zusätzliche Einnahme von Vitamin E bewirkte darüber hinaus ebensowenig wie die Zufuhr der Vitamin A und C einen protektiven Effekt bezüglich der KHE.
Die Autoren der drei Studien kommen aufgrund ihrer Ergebnisse zu dem Schluß, daß der zusätzlichen Einnahme der untersuchten Vitamine kein protektiver Einfluß auf die Entstehung von Tumor- oder kardiovaskulären Erkrankungen zugesprochen werden kann, im Gegenteil sogar negative Auswirkungen befürchtet werden müssen. Andere, bislang nicht näher untersuchte Nahrungsbestandteile werden daher für die eingangs erwähnten Beobachtungen verantwortlich gemacht und bedürfen der weiteren Unterschung. acc


Hennekens CH, et al.: Lack of effect of long-term supplementation with beta carotene on the incidence of malignant neoplasms and cardiovascular disease. N Engl J Med 1996; 334: 1145-9
Dr. Hennekens, 900 Commonwealth Ave. E., Boston, MA 02215, USA
Omenn GS et al.: Effects of a combination of beta carotene and vitamin A on lung cancer and cardiovascular disease. N Engl J Med 1996; 334: 1150-5
Dr. Omenn, Fred Hutchinson Cancer Research Center, Division of Public Health Scienes, 1124 Columbia-MP 859, Seattle, WA 98104, USA
Kushi LH et al.: Dietary antioxidant vitamins and death from coronary heart
disease in postmenopausal women. N Engl J Med 1996; 334: 1156-62
Dr. Kushi, Division of Epidemiology, University of Minnesota School of Public Health, 1300 Second St., Suite 300, Minneapolis, MN 55454-1015, USA

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