ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2000Götter, Menschen und Verrückte

VARIA: Schlusspunkt

Götter, Menschen und Verrückte

Dtsch Arztebl 2000; 97(47): [80]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Die Welt ist verrückt, die Schachwelt nicht minder. Vor kurzem ging in London zwischen den Russen Kasparow und Kramnik ein Match über die Bühne, welches sich „Braingames-Schach-WM“ nannte. Am 25. November beginnt in Neu Delhi in Indien, dem Ursprungsland des Schachs, die offizielle WM des Weltschachbundes, die dann in Teheran zu Ende gehen wird. Der Westdeutsche Rundfunk wird in neun Extrasendungen ab Anfang Dezember berichten.
Ausgerechnet im Lande Khomeinis, der sich wegen der Namensgleichheit von Schah und Schach wie Rumpelstilzchen zerreißen wollte und das „Königliche (= Schah) Spiel“ lange verbieten ließ.
Weiterhin hat ein gewisser Herr Karpow den Weltschachbund verklagt und fordert seinen WM-Titel zurück. Schlussendlich gibts da noch den alten Knaben Bobby Fischer, der sich nach wie vor als einzig rechtmäßigen Weltmeister betrachtet, hingegen alle Herren, deren Name mit „K“ beginnt, als Scharlatane, und der auf der ewigen Flucht vor sich selbst und den US-Behörden in wechselnden Verstecken dieser Erde untertaucht.
Brave new world! – Früher wars genauso.
Der Schachlegende nach wollte der erste Weltmeister Wilhelm Steinitz am Ende seiner Karriere unbedingt gegen Gott spielen. Um Gott die Partie schmackhafter zu machen, bot Steinitz ihm einen Bauern als Vorgabe an. Hienieden kam das Match nicht mehr zustande, weil Steinitz bald darauf in geistiger Umnachtung starb. Verlässliches über die Partie da oben ist nicht bekannt. Sehr wohl aber über die Homepage des Unix-Schöpfers Ken Thompson (http://cm.bell-labs.com/cm/cs/who/ken), bei der jedermann unter der Rubrik „Play with God – Chess Endgames“ (laut Ch. Donninger in der Zeitschrift „Kaissiber“) seinen Traum verwirklichen kann. Allerdings kann der Thompson-Gott alias das Rechenmonster erst mit insgesamt sechs Steinen unfehlbar spielen.
Davon ist auch der geniale indische Schnelldenker Viswanathan Anand, der nicht nur des Heimvorteils wegen bei der jetzigen WM als Favorit gilt, noch etwas entfernt.
Allerdings sein Schlussspiel als Weißer gegen den Chilenen Morovic, welches sogar zum Matt führt, war unübertrefflich. Wie kams?

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