ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Brustkrebs und andere Sekundärkarzinome nach Morbus Hodgkin

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Brustkrebs und andere Sekundärkarzinome nach Morbus Hodgkin

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LNSLNS Die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten des Hodgkin-Lymphoms gehen mit einer längeren Überlebenszeit der Patienten einher. Aus diesem Grunde wurden in einer amerikanischen Kohortenstudie 1 380 Langzeitüberlebende durchschnittlich 11,4 Jahre nachbeobachtet. Menschen, die als Kind ein Hodgkin-Lymphom überlebten, haben ein erhöhtes Risiko für neoplastische Zweiterkrankungen.
In der Beobachtungsperiode traten in dem erfaßten Patientenkollektiv 88 Zweitneoplasien auf, im Vergleich zu den erwarteten 4.4 Fällen, die der standardisierten Bevölkerungsinzidenzrate von Leukämien und soliden Tumoren entsprechen würden. Mit 24 Fällen war die akute myeloische Leukämie die häufigste maligne Zweiterkrankung bei Langzeitüberlebenden nach Morbus Hodgkin. Bei den soliden Tumoren traten Brustkrebs und Schilddrüsenkarzinome mit jeweils 17 und 10 Fällen deutlich häufiger auf als in der übrigen Bevölkerung. Die geschätzte Inzidenz dieser Gruppe für Brustkrebs lag bei Frauen im Alter von 40 Jahren bei etwa 35 Prozent. Ein höheres Alter zwischen 10 und 16 Jahren beim Auftreten des Lymphoms, ein fortgeschritteneres Stadium des Morbus Hodgkin, höhere Dosen der Strahlentherapie sowie eine hochdosierte Chemotherapie mit alkylierenden Substanzen waren die stärksten Risikofaktoren für Zweitneoplasien.
Besonders hervorzuheben ist, daß die Strahlentherapie das Risiko für solide Tumoren stark erhöht. So trat die Mehrzahl der Mammakarzinome innerhalb der bestrahlten Thoraxregion auf – was die Theorie des stärkeren karzinogenen Effekts radioaktiver Strahlung auf proliferierendes Brustgewebe bestärkt. Alkylantien wie Doxorubicin oder Vincristin scheinen dagegen eher Leukämien oder sekundäre Non-Hodgkin-Lymphome auszulösen. Eine Splenektomie als unabhängiger Risikofaktor für Leukämie bestätigte sich nicht. Während die Inzidenz einer sekundären Leukämie 14 Jahre nach der Therapie des Hodgkin-Lymphoms
ein Plateau bei 2,8 Prozent erreichte, stiegen die Inzidenzraten der soliden Tumoren weiterhin an und näherten sich nach 30 Jahren etwa 30 Prozent. Besonders im Hinblick auf das erhöhte Brustkrebsrisiko sollten
für Langzeitüberlebende individuelle Screeningprogramme entwickelt werden. Auch die Möglichkeit einer Chemoprävention sollte diskutiert werden. silk
Bhatia S, Robinson LL et al.: Breast cancer an other second neoplasms after childhood Hodgkin’s disease. N Engl J Med 1996; 334: 745–752
Dr. Robinson, Division of Pediatric Epidemiology and Clinical Research, University of Minnesota, Box 422 UMHC, Minneapolis, MN 55455, USA

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