ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2000Krankenhäuser: Höhere Leistungsdichte

POLITIK

Krankenhäuser: Höhere Leistungsdichte

Dtsch Arztebl 2000; 97(48): A-3229 / B-2729 / C-2537

Clade, Harald

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LNSLNS Ergebnisse des „Krankenhaus-Barometers“
des Deutschen Krankenhausinstituts e.V.


Die Beanspruchung der Krankenhäuser ist infolge der Leistungsverdichtung weiter gewachsen: Mehr als 15,5 Millionen Patienten wurden in rund 2 260 Akutkrankenhäusern mit mehr als einer Million Beschäftigten behandelt und versorgt. Mehr als 170 Millionen Pflegetage wurden registriert. Die Gesamtverweildauer in Akutkrankenhäusern sank im Jahr 1999 von 11 auf 9,3 Tage. Dies ergab eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts e.V. bei 400 Kliniken im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft, des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte und des Verbandes der Krankenhausdirektoren („Krankenhaus-Barometer“).
Rund zwei Drittel der stationär behandelten Patienten wurden von niedergelassenen Ärzten eingewiesen, davon rund 13 Prozent als Notfälle. Die übrigen Aufnahmen resultierten aus Überweisungen von anderen Kliniken und aus so genannten Selbsteinweisungen. 24 Prozent aller Krankenhäuser gaben an, im vergangenen Jahr die internen Schwerpunkte einzelner Fachabteilungen infolge der Leistungsverlagerungen geändert zu haben. Jeweils ein Viertel der befragten Kliniken hat das Leistungsspektrum der Fallpauschalen und Sonderentgelte beziehungsweise das Leistungsspektrum des Budgetbereichs ausgeweitet.
Neuland DRGs
Berichtet wird über Engpässe bei den Personalkosten. Der BAT ist im Krankenhaussektor nach wie vor das dominierende Tarifwerk; die Verwaltungsleiter klagen allerdings zunehmend darüber, dass die bisherige relativ inflexible Ausgestaltung zu einer zunehmenden Kostenbelastung werde. Viele Krankenhäuser hatten im Jahr 1999 Fachpersonal abgebaut, offene Planstellen nur zeitweise oder überhaupt nicht besetzt und Stellen in der Aus- und Weiterbildung gestrichen. Ein Viertel der Krankenhäuser führte Änderungen in der Ablauforganisation und bei den Arbeitsbedingungen ein. Am häufigsten genannt wurden die Einführung flexibler Arbeitszeiten, eine Optimierung der Dienstplanung und eine weitere Leistungsverdichtung. Die Klinikarbeitgeber schließen daraus, dass eine Flexibilisierung des BAT notwendig ist.
Große Unsicherheiten bei der Betriebsführung der Krankenhäuser gibt es zurzeit im Hinblick auf die Umstellung des differenzierten Finanzierungs- und Abrechnungssystems auf durchgängige und obligatorische diagnosebezogene Fallpauschalen (DRGs) nach australischem Muster – für alle Patientengruppen, außer der Psychiatrie. Diese Umstellung in der Finanzierung werde tiefe Eingriffe bewirken.
Jeweils mehr als drei Viertel gehen davon aus, dass das neue DRG-System zu einer stärkeren Spezialisierung sowie zu einer stärkeren Konzentration und zur Fusion von Krankenhäusern führen werde. Fast 80 Prozent der in die Befragung einbezogenen Krankenhäuser meinen, dass die diagnosebezogenen Fallpauschalen (Preissystem) einen ver-
schärften Wettbewerb in der Krankenhauswirtschaft auslösen werden. Etwa zwei Drittel der Befragten erwarten, dass das neue Entgeltsystem zu einer verstärkten Patientenselektion führen wird; fast drei Viertel rechnen damit, dass der Einfluss und die Verhandlungsmacht der Krankenkassen zunehmen wird. Andererseits wird im neuen Entgeltsystem auch eine Chance gesehen, die Effizienz, die Transparenz und die Leistungserbringung zu verbessern. Knapp 62 Prozent der befragten Krankenhausmanager erwarten, dass die interne Betriebssteuerung durch das DRG-System verbessert wird.
Als „dringendsten Handlungsbedarf“ bezeichneten die Führungskräfte der Krankenhäuser die Vorbereitung auf die Umstellung auf DRGs, die Verbesserung der Arbeitsabläufe, der Kostenstrukturen und der medizinischen Prozesse, und – ganz wesentlich – eine Verbesserung der Dokumentation und Kodierung. Dr. rer. pol. Harald Clade


Seit Jahren wird behauptet, die Schließung von Krankenhäusern, der Abbau von Krankenhausbetten und die Reduzierung der Verweildauer würden die Ausgaben der Krankenkassen für Krankenhausbehandlung senken. Die Entwicklung der Kosten seit 1991 liefert dafür keinen Beweis. Obwohl beispielsweise in den neuen Bundesländern die Zahl der Krankenhäuser um 17, der Betten um 24 und die Verweildauer um 34 Prozent zurückgegangen sind, haben sich die Zahl der Fälle um 29, die Kosten pro Fall um 50 und die Gesamtkosten um 86 Prozent erhöht.
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