ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2000Haftpflichtversicherung: Bonus für Fortbildung

POLITIK

Haftpflichtversicherung: Bonus für Fortbildung

Dtsch Arztebl 2000; 97(48): A-3230 / B-2730 / C-2538

Loch, Ernst-Gerhard

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LNSLNS In Hessen läuft ein einjähriges Pilotprojekt der Landes-
ärztekammer und von zwei Versicherungsunternehmen.


Die weitaus meisten Lan­des­ärz­te­kam­mern sind derzeit dabei, im Rahmen von Modellversuchen Fortbildungszertifikate zu etablieren, um die freiwilligen Fortbildungsbemühungen ihrer Mitglieder zu würdigen. Dazu hat sie im vergangenen Jahr der Deutsche Ärztetag aufgefordert. Er beauftragte zugleich den Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung, einen Fachausschuss der Bundes­ärzte­kammer, diese Modellprojekte zu evaluieren und für das Jahr 2003 eine bundeseinheitliche Empfehlung zum Fortbildungszertifikat vorzulegen. Im September 2000 haben sich der Senat für ärztliche Fortbildung, die Akademien der Lan­des­ärz­te­kam­mern, wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsverbände auf Kriterien für ein einheitliches Fortbildungszertifikat geeinigt.
Zu den Lan­des­ärz­te­kam­mern, die sich schon länger des Themas annehmen, zählen die in Bayern, Thüringen und Hessen. Die Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen hat inzwischen Kontakt zu Haftpflichtversicherungen aufgenommen. Ziel war es, die freiwilligen Bemühungen der Ärzte um ihre Fortbildung – sei es über die Kammer, sei es über die Kassenärztliche Vereinigung – mit einem Bonussystem des Versicherers zu verknüpfen.
Die Versicherer erläuterten, dass sie die Ärzte und Ärztinnen entsprechend ihrer Tätigkeit/ihrem Fachgebiet in
verschiedene Risikogruppen einteilen. Außerdem gewähren sie jungen Ärzten beim Einstieg in die eigene Praxis häufig einen Rabatt, weil sie davon ausgehen, dass die Qualität ihrer Leistung weniger stark vom aktuellen Wissensstand abgekoppelt ist als bei älteren Ärzten.
Ergebnis der Gespräche war die Zusage der Versicherungen Allianz/Vereinte und der DBV-Winterthur, denjenigen Ärzten einen Bonus einzuräumen, die das Fortbildungszertifikat der Kammer nachweisen können. Die DBV-Winterthur gewährt dabei allen Fachärzten einen Nachlass von zehn Prozent auf die tarifliche Hauptprämie. Allianz/Vereinte räumen demgegenüber einen Bonus von 25 Prozent auf die Jahresprämie ein, jedoch nur den niedergelassenen Fachärzten für Allgemeinmedizin, Augenheilkunde, HNO-Krankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin (mit allen Zusatzbezeichnungen außer Kardiologie), Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Radiologische Diagnostik.
Rabatt wird für drei Jahre eingeräumt
Dabei wurde Folgendes vereinbart: Der betroffene Kollege meldet seiner Versicherung, dass er an der zertifizierten Fortbildung teilnimmt. Danach erhält er zunächst für drei Jahre den eingeräumten Rabatt. Anschließend muss er das Zertifikat vorlegen. Anderenfalls werden die erstatteten Beiträge nachgefordert.
Gegen die freiwillige zertifizierte Fortbildung bestehen nach wie vor Vorbehalte. Wir meinen jedoch, dass Bonussysteme für die Ärzte günstig sind. Der erhebliche Zeitaufwand, den die Fortbildung in Anspruch nimmt, wird wenigstens etwas anerkannt. Das Motto bleibt: „Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein.“

Prof. Dr. med. Ernst-Gerhard Loch
Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung
Postfach 1740, 61217 Bad Nauheim
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