ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2000Leitlinien: Eigenreflexion angebracht

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Leitlinien: Eigenreflexion angebracht

Dtsch Arztebl 2000; 97(48): A-3253 / B-2736 / C-2423

Schmitz, Andreas

Zu den Leitlinien der Bundes­ärzte­kammer zur Qualitätssicherung der Magnetresonanztomographie:
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LNSLNS Die neuen Leitlinien der BÄK zur Magnetresonanztomographie sind wieder mal ein unverhältnismäßiger Eingriff der Ärztekammer in die sinnvolle ambulante Diagnostik.
Die Mindestanforderungen zum Beispiel für die Matrix im Gelenkbereich werden derzeit noch nicht einmal von fünf Prozent der Radiologen in Deutschland betrieben oder als notwendig betrachtet und widersprechen der gesamten angelsächsischen Literatur. Hier und in Deutschland sind Gelenkuntersuchungen mit einer Auflösung von 1 zu 1 mm als hochauflösende Ausnahmeuntersuchungen publiziert. Keines der deutschen Lehrbücher enthält größeres Material mit diesen Matrizen. Diese Leitlinien sind klar missbräuchlich für politische Ziele geschrieben und von einer Siemens-Philips-Mafia mit Hochfeldtomographen diktiert. Es wäre an der Zeit, diese Kriterien unter Einbezug der Basis und nicht nur der selbst ernannten Kernspin-Qualitätssicherer zu entwickeln.
Allein schon der Weg im Gelenkbereich verhindert die Pluralität und die wirtschaftlich sinnvolle Entwicklung in Deutschland. Er wird vorm Europäischen Gerichtshof keinen Bestand haben, und die MR ist keinesfalls kritischer als die CT. Selbst die Universitäten haben in den letzten drei Jahren viele 0.5T-Geräte angeschafft, um die Kosten zu erniedrigen. Es ist nicht zu glauben, dass hier alle auf dem Holzweg sind.
Die KV gibt an, dass man mit vier Serien im Gelenkbereich auskommen muss. Die Kosten für ein Gelenk betragen durchschnittlich 240 DM. Hier kann nicht in den Endbereich der Qualitätssicherung gegangen werden!
Ich habe für eine ausländische Großgerätefirma einen kompletten Basissatz für MR-Untersuchungen publiziert, der an Phantomen und in der Praxis validiert ist, und kenne die Materie sehr gut. Diese Leitlinien sind nicht wirtschaftlich durchführbar und in vielen weiteren Punkten äußerst problematisch. Es wird Zeit, dass die Bundes­ärzte­kammer durch Publikationen wie diese zur kritischen Eigenreflexion gebracht wird.
Dr. med. Andreas Schmitz, Dechant-Deckers-Straße 5-7, 52249 Eschweiler
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