ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2000Euthanasie: Objektivität vermisst

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Euthanasie: Objektivität vermisst

Dtsch Arztebl 2000; 97(49): A-3334 / B-2802 / C-2487

Woude, Fokko Johannes van der

Zu dem „Seite eins“-Beitrag „Sterbehilfe für Demente“ von Gisela Klinkhammer in Heft 45/2000:
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LNSLNS Frau Klinkhammer berichtet über Euthanasie in den Niederlanden. Obwohl es für mich als Niederländer in Deutschland manchmal lustig ist zu beobachten, wie hier die Niederlande wahrgenommen werden als Freistatt der sexuellen Handlungen, Drogensucht und hemmungsloser Toleranz, darf man im Deutschen Ärzteblatt doch eine gewisse Objektivität erwarten. Folgende Tatsachen fehlen in der Nachricht:
- Bei dementen Menschen darf in den Niederlanden keine Euthanasie durchgeführt werden.
- Der Fall Brongersma (der 86-jährige, körperlich gesunde Mann, der durch Sterbehilfe starb) hat in den Niederlanden große Wellen geschlagen; der Staatsanwalt hat Berufung eingelegt. Herr Brongersma war mehrere Jahre Mitglied im niederländischen Senat („eerste kamer“) und vertrat Meinungen, die auch in den Niederlanden sehr umstritten sind. Er hat im Laufe seines Lebens versucht zu erreichen, dass die Pädophilie gesellschaftlich akzeptiert wird. Seine Depressivität wurde mit verursacht durch die Tatsache, dass diese Akzeptanz in der niederländischen Gesellschaft nicht entstanden ist. Nach seinem Tod wurde seine Bibliothek von der niederländischen Polizei beschlagnahmt.
! Bei todkranken Babys oder Menschen im Koma darf in den Niederlanden keine aktive Euthanasie geleistet werden. Aktive Euthanasie wird in den Niederlanden relativ wenig durchgeführt, ein zweiter unabhängiger Arzt soll immer mit eingebunden werden.
Es ist sicherlich wahr, dass die Praxis der aktiven Euthanasie in den Niederlanden weltweit gesehen eine Ausnahme ist. Publikationen in Zeitschriften wie „The Lancet“ oder „The New England Journal of Medicine“ zeigen, dass man das Thema auch seriös diskutieren kann. Das Deutsche Ärzteblatt hätte zu diesem Thema Besseres verdient.
Prof. Dr. med. Fokko Johannes van der Woude, V. Medizinische Universitätsklinik, Klinikum Mannheim, Theodor-Kutzer-Ufer 1–3, 68135 Mannheim
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