ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2000Restless Legs Syndrom: Erstes Medikament wurde jetzt zugelassen

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Restless Legs Syndrom: Erstes Medikament wurde jetzt zugelassen

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Patienten haben Probleme, die quälenden und teilweise wechselnden Symptome zu beschreiben, Ärzte erkennen – nicht nur deshalb – die Erkrankung häufig nicht: Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist gekennzeichnet durch Missempfindungen in den Beinen, die verstärkt abends und nachts auftreten und einen Bewegungszwang auslösen, was die Beschwerden aber nur vorübergehend bessert. Die Folge sind je nach Ausprägung Schlafstörungen und entsprechend verminderte Lebensqualität.
Betroffen sind nach zurückhaltenden Schätzungen rund zwei Prozent der Bevölkerung, nach einer Haus-zu-Haus-Befragung in Augsburg jedoch 9,7 Prozent der über 65-Jährigen – hochgerechnet im Schnitt jeder Zwanzigste. Bevorzugt trifft die Erkrankung Frauen; in der Hälfte der Fälle sei eine positive Familienanamnese zu erheben, so Prof. Wolfgang Oertel (Marburg) bei einer Veranstaltung der Roche Pharma in Frankfurt. Rund ein Prozent der Betroffenen ist dringend therapiebedürftig; viele haben bereits einen jahrelangen Leidensweg und unterschiedliche Behandlungsversuche hinter sich, bis endlich die richtige Diagnose gestellt und eine effiziente Therapie eingeleitet wird.
Während bei leichten Formen des idiopathischen RLS physikalische Maßnahmen (Massagen, Fußduschen usw.) sowie die Gabe von Eisen (etwa bei Vegetariern) und Magnesium Linderung bringen, ist dies bei mittelgradig und schweren Formen nur kurzzeitig der Fall. Empirisch hat sich in diesen Fällen das Kombinationspräparat L-Dopa/ Benserazid aus der Parkinsontherapie als wirksam erwiesen, das nach Zulassungsstudien inzwischen unter dem Namen Restex® als erstes Medikament zur Behandlung des RLS zugelassen ist und bei 80 bis 90 Prozent der Patienten die gewünschte Wirkung zeigt.
Eine Indikation besteht, wenn eine wesentliche Einschränkung von Lebensqualität und Leistungsfähigkeit vorliegt. Für Betroffene, die Beschwerden am Abend und der frühen Nacht angeben, reichen ein bis zwei Tabletten eine Stunde vor dem Schlafengehen meist aus; bestehen jedoch Durchschlafstörungen, ist die Kombination mit dem retardierten Präparat sinnvoll. Bei sehr schweren Formen empfiehlt Dr. Ralf Warmuth (Berlin) eine kombinierte oder alternative Therapie mit Dopamin-Agonisten, bei ausbleibender Wirkung oder Kontraindikationen eine Opiatbehandlung.
RLS treten häufig bei Niereninsuffizienz (20 bis 40 Prozent), rheumatoider Arthritis (20 Prozent), Eisenmangelanämie und auch in der Schwangerschaft auf – können aber auch medikamenteninduziert sein (Neuroleptika, Antidepressiva). Differenzialdiagnostisch sind ne-ben Polyneuropathie (Um-hergehen lindert Beschwerden kaum) eine Akathisie (keine zirkadiane Rhythmik), Wurzelreizsyndrom, Kompressionssyndrome peripherer Nerven, venöse Insuffizienz und eine periphere arterielle Verschlusskrankheit sowie Wadenkrämpfe auszuschließen.
Warmuth empfiehlt als notwendige Untersuchungen deshalb die Bestimmung von Serumeisen und Ferritin, Kreatinin und Harnstoff, zusätzlich eine TSH-Kontrolle – nur in Einzelfällen sei eine Polysomnographie erforderlich. Dr. Renate Leinmüller


Minimalkriterien zur Diagnose des RLS
- Sensible Symptome
Kribbeln, Ziehen, Jucken, Reißen oder Ähnliches in den Beinen, Lokalisation kann wechseln
- Bewegungsdrang
Ruhelosigkeit, Umhergehen, Drehen und Wenden imBett oder Massieren der Beine
- Auftreten oder Verstärkung der Symptome in Ruhe
Bewegung reduziert die Beschwerden vorübergehend
- Zirkadiane Rhythmik
Verstärkung gegen Abend oder in der Nacht
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