ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2000Ebola-Virusinfektion: Impfstoff in Sicht

AKTUELL: Akut

Ebola-Virusinfektion: Impfstoff in Sicht

Dtsch Arztebl 2000; 97(50): A-3377 / B-2841 / C-2525

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Nur langsam gelingt es den Behörden in Uganda, die Ebola-Epidemie einzudämmen. Vor allem die von Bürgerkriegen heimgesuchten Regionen Zentralafrikas bieten dem tödlichen Erreger immer wieder die Gelegenheit zu erneuten Ausbrüchen. Zwar könnten einfache Hygieneschutzmaßnahmen die Ausbreitung eindämmen, doch die politischen Voraussetzungen hierfür lassen sich nur schwer herstellen. Eine Alternative wäre eine Impfung gegen Ebola. Einen wichtigen Teilerfolg auf dem Weg hierhin ist jetzt Forschern des amerikanischen National Institute of Health gelungen. Mit einem neuartigen Impfstoff verhinderte die Arbeitsgruppe um Gary Nabel erstmals bei Menschenaffen einen Ausbruch der Erkrankung. Vier Makaken blieben nach einer Inokulation mit den Viren gesund, während vier weitere ungeimpfte Tiere nach Exposition mit der gleichen Virenmenge innerhalb einer Woche verendeten (Nature 2000; 408: 605).

Bei dem Impfstoff handelte es sich um eine Kombination aus einer DNA-Vakzine und einem gentechnischen Impfstoff. Die Bestandteile des tödlichen Virus (Gene und äußere Hülle) wurden dabei getrennt verabreicht. Zunächst erhielten die Tiere im Abstand von vier Wochen dreimal nackte Virusgene (ohne Hüllprotein) injiziert, zwölf Wochen später erfolgte ein Booster mit einem rekombinanten Adenovirus, den die Forscher mit dem Hüllprotein GP(Z) des Ebolavirus versehen hatten. Die geimpften Tiere entwickelten etwa einen Monat nach der letzten DNA-Injektion eine antigen-spezifische Antikörperantwort, die durch den Booster weiter verstärkt wurde. Der Schutz setzt also erst langsam ein, und zur Eindämmung einer frischen Epidemie, die sich bei Ebola innerhalb weniger Tage ausbreitet, käme der Impfstoff wohl zu spät. Die wirtschaftlich desolaten Volkswirtschaften könnten sich den Impfstoff vermutlich noch weniger leisten als Latexhandschuhe und Schutzkleidung.

Am ehesten würden Forscher und Tropenmediziner, die den Ländern im Fall einer Epidemie zur Hilfe eilen, von dem Impfstoff profitieren. In einem Kommentar der gleichen Ausgabe (Seite 527) warnen Dennis Burton und Paul Parren vom Scripps Research Institute in La Jolla (Kalifornien) jedoch vor übertriebenen Erwartungen. Noch sei unklar, ob der Impfstoff auch bei hohen Virusmengen wirkt, wie sie während einer Epidemie auftreten. Weitere Tierversuche werden deshalb notwendig sein, bevor der Impfstoff frühestens in einigen Jahren verfügbar sein wird. Rüdiger Meyer
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