ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2000Kassenärztliche Selbstverwaltung: Strukturwandel aus eigener Kraft

POLITIK

Kassenärztliche Selbstverwaltung: Strukturwandel aus eigener Kraft

Dtsch Arztebl 2000; 97(50): A-3394 / B-2858 / C-2654

Maus, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dr. med. Helmut Klemm, der Vorsitzende der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung, möchte die KVen stärker als Dienstleister sehen.


Die Sitzung im Kölner Maritim Hotel war die letzte Delegiertenversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in der seit 1997 laufenden 11. Amtsperiode. Im März kommenden Jahres findet in Berlin die konstituierende Sitzung der neuen Ver­tre­ter­ver­samm­lung statt. Dr. med. Helmut Klemm nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Rückblick und zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der künftigen Rolle der Kassenärztlichen Vereinigungen.
Der Vorsitzende der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung erinnerte an die Arbeitsschwerpunkte der letzten vier Jahre, die hauptsächlich von der Bewältigung verschiedener Gesundheitsgesetze bestimmt waren. Seit dem Regierungswechsel im Oktober 1998 musste sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung in schneller Folge mit dem Psychotherapeutengesetz, dem GKV-Solidaritätsstärkungsgesetz und schließlich mit dem Gesundheitsreformgesetz 2000 auseinander setzen.
Daraus abgeleitet, teilweise aber auch aus eigenem Antrieb waren die Labor-Reform und die Gliederung in eine hausärztliche und fachärztliche Versorgung zu bewältigen. Zugleich befasste sich die Ver­tre­ter­ver­samm­lung mit einer neuerlichen EBM-Reform, die auch auf der Tagesordnung der aktuellen Sitzung stand.
Ein außergewöhnliches Ereignis in der zu Ende gehenden Amtsperiode war der überraschende Rücktritt des KBV-Vorsitzenden Dr. med. Winfried Schorre im Dezember 1999. Schorre hatte aus persönlichen Gründen sein Amt niedergelegt. Seine Nachfolge trat
Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm an. Von Schorre über Richter-Reichhelm sei es gelungen, die stille Rationierung als Folge einer verschärften Budgetierungspolitik der rot-grünen Koalition bewusst zu machen, sagte Klemm. Zugleich seien aber die Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Verteilung des finanziellen Mangels zu „einer Knautschzone zwischen ihren Mitgliedern, den Krankenkassen und der Politik“ geworden.
„Wenn wir als KVen für unsere Mitglieder wieder die Meinungsführerschaft erlangen wollen“, appellierte der VV-Vorsitzende an die Delegierten, „dann wird uns dies nicht mit Appeasementpolitik gelingen, sondern einzig und allein durch harte Verhandlungen im Sinne unserer Mitglieder.“ Die KVen müssten zudem aus eigener Kraft einen Strukturwandel hin zum Dienstleistungsunternehmen bewältigen.
Klemm forderte die Delegierten auf, die Integration der nichtärztlichen Psychotherapeuten voranzutreiben. Mit der finanziellen Anbindung an den fachärztlichen Honorartopf habe der Gesetzgeber neues Konfliktpotenzial in die Ärzteschaft getragen. Ein Problem, das die Ärzteschaft nach Überzeugung Klemms nur gemeinsam mit den Psychotherapeuten lösen kann. JM


Appell an die Delegierten: Dr. med. Helmut Klemm
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema