ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2000Reform des Medizinstudiums: Höchste Zeit für Taten

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Reform des Medizinstudiums: Höchste Zeit für Taten

Dtsch Arztebl 2000; 97(51-52): A-3453 / B-2901 / C-2581

Henke, Rudolf

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LNSLNS Am 17. Dezember war es drei Jahre her, dass die Bundesregierung – 1997 – eine neue Approbationsordnung für Ärzte beschlossen hat. Dieses Reformkonzept der Ausbildung zum Arzt – parteipolitisch nicht umstritten – sieht vor, den theoretischen und klinischen Unterricht zu verzahnen, den Unterricht stärker flächenübergreifend und gegenstandsbezogen zu gestalten, die allgemeinmedizinische Kompetenz der Studienabsolventen zu verbessern, die Gruppengrößen für den Unterricht am Krankenbett verbindlich zu verringern, den Praxisbezug durch Blockpraktika zu steigern und den Medizinischen Fakultäten mehr Einfluss auf die Festlegung der Unterrichtsformen und auf die Gestaltung des Prüfungswesens zu geben.
Die Verordnung ist offen für weitere Strukturveränderungen wie zum Beispiel die verstärkte Einbeziehung außeruniversitärer Krankenhäuser und ärztlicher Praxen. Sie soll die ärztliche Ausbildung so entwickeln, dass die AiP-Phase abgeschafft werden kann.
Die Ärzteschaft steht hinter dieser Reform, sie ist sich darin ei-
nig mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer, mit den Ge­sund­heits­mi­nis­tern der Länder, auch mit dem Fakultätentag. Dennoch kommt das Reformprojekt nicht weiter. Die Wissenschaftsminister legen sich quer, weil sie wissen, wie sinnlich ihre Kollegen Finanzminister werden, wenn es um Geld geht. Die rechnen mit finanziellen und personellen Einbußen, wenn die verringerte Gruppengröße beim Unterricht am Krankenbett zu verringerten Studentenzahlen in den Kapazitätsermittlungen führt. Der Abzug finanzieller und personeller Ressourcen aus den Fakultäten wegen verringerter Studentenzahlen würde das Ziel der Reform, die Qualität der Ausbildung zu verbessern, konterkarieren.
Es wäre falsch, den Finanzministern Gleichgültigkeit gegenüber einer verbesserten Ausbildung künftiger Ärzte vorzuwerfen, den Wissenschaftsministern fehlende Durchsetzungskraft gegenüber den Finanzministern, den Ge­sund­heits­mi­nis­tern mangelnden Einfluss auf die Wissenschaft und Ministerpräsidenten fehlende Entscheidungsfreude anzukreiden. Bestimmt ist jetzt auch auf der Seite der Länder höchste Zeit für Taten. Rudolf Henke
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