ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2000Freie Berufe: Richter leben im Elfenbeinturm

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Freie Berufe: Richter leben im Elfenbeinturm

Dtsch Arztebl 2000; 97(51-52): A-3490 / B-2934 / C-2612

Wettmann, Ulrich

Zu dem Beitrag „Allmähliche Strangulierung“ von Thomas Gerst in Heft 45/2000:
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LNSLNS Die in diesem Artikel zitierten Äußerungen von Frau Renate Jaeger, Richterin am Bundesverfassungsgericht, zur Inpflichtnahme der Kassenärzte für den Sozialstaat bei garantiertem Einkommen zeigen, in welchem Elfenbeinturm Richter höchster deutscher Gerichte in Unkenntnis der wirklichen Realität leben. Im Jahre 1990 wurde mir meine Arbeit als Facharzt im Rahmen der GKV mit einem Fallwert pro Quartal von 114 DM vergütet, wobei die Praxisunkosten etwa 50 Prozent betrugen. Zehn Jahre später im ersten und zweiten Quartal 2000 beträgt bei identischer Fallzahl der Fallwert 106 DM bei Praxisunkosten, berechnet für den kassenärztlichen Bereich, von annähernd 80 Prozent. Das heißt, mein Einkommen aus kassenärztlicher Arbeit vor Steuern hat sich in den letzten Jahren um nominell 30 Prozent verringert, unter Einbeziehung der Inflationsrate um 40 Prozent.
Im Gegensatz hierzu erhöht der sich immer weiter verschuldende Staat regelmäßig die Beamtengehälter, auch das Gehalt von Frau Jaeger, ermöglicht immer mehr Beamten die Frühpensionierung, Regierungsmitglieder und Abgeordnete erhöhen regelmäßig per Handzeichen ihre Bezüge, Diäten und ihre Altersversorgung.
Mein Einkommen aus fachärztlicher Tätigkeit im Rahmen der GKV liegt derzeit deutlich unter dem Einkommen eines Studienrates, limitiert durch Budgetierung und Fallzahlbegrenzung.
Diese Entwicklung führt in absehbarer Zeit zu einem Niedergang der qualifizierten fachärztlichen Krankenversorgung im Rahmen der GKV, obwohl Staat und Gesellschaft, nach Aussage von Frau Jaeger, dies nicht wünschen, da diese von den freien Berufen, dazu gehören auch Fachärzte, profitieren würden.
Dr. med. Ulrich Wettmann, Hochstraße 74 a, 58511 Lüdenscheid
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