ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2000Acne fulminans: Therapieversuch mit Haptenen

MEDIZIN: Diskussion

Acne fulminans: Therapieversuch mit Haptenen

Dtsch Arztebl 2000; 97(51-52): A-3509 / B-2950 / C-2628

Cornelius, Peter

zu dem Beitrag von Dr. med. Thomas Jansen Dr. med. Ricardo Romiti Prof. Dr. med. Gerd Plewig in Heft 22/2000
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LNSLNS Wahrscheinlich ist es bei den Patienten mit Acne fulminans zu einer Besiedlung der oberen Luftwege durch eine an das Feuchtmilieu des Nasenraums angepasste Subspezies des Propionibacterium acnes (Corynebacterium parvum) gekommen. Solche Bakterien können dann in den Verdauungstrakt gelangen. Aus den antibiotisch oder durch die Magensäure abgetöteten Bakterien werden die konjugierten Antigene freigesetzt. Durch Einwirkung der polysaccharidspaltenden Enzyme des Pankreas wird der polysaccharidartige Hapten-Anteil dieser konjugierten Antigene zerstört, sodass die isolierten Träger der antigenen Eigenschaften (Carrier) resorbiert werden können. Haptene (1) verfügen über zwei Bindungsvalenzen, von denen im konjugierten Antigen jeweils die eine mit dem Carrier verbunden ist. Sind diese konjugierten Antigene in den Körper gelangt, kann die andere Valenz nur an die Rezeptoren der B-Zellen (BCR) angelagert werden (2). Die Carrier können dagegen nur von Rezeptoren der T-Zellen (TCR) gebunden werden. Nur wenn ein konjugiertes Antigen gleichzeitig mit seinem Carrieranteil an einen TCR und mit seinem Haptenanteil an einen BCR angebunden ist, kann die B-Zelle die spezifischen Antikörper bilden und abgeben. Fehlen die Haptene, so werden zwar die freien Carrier auch von TCR gebunden, was Entzündungsreaktionen induziert, die Bindung an BCR ist aber so nicht möglich, weshalb die Bildung und Ausschüttung von Antikörpern nicht stattfinden kann. Somit unterbleibt die zweite Hälfte der Immunantwort. Falls diese Carrier-TCR-Komplexe nicht enzymatisch aufgelöst werden können, bleibt die Entzündung in dieser ersten Phase stecken und wird primär chronisch. Im Falle der Acne fulminans ist vermutlich der Körper mit freien Carriern des Propionibakteriums überschwemmt worden, weshalb es an allen Punkten, welche von diesen angreifbar sind, zu aseptischen Entzündungen kommen kann. Dies erklärt zwanglos, dass gleichzeitig Haut, Darmschleimhaut und Gelenke befallen sein können. Bevor man zu den nebenwirkungsträchtigen Retinoiden und Steroiden greift, sollte man daher erst einen, gegebenenfalls wirklich kausalen Therapieversuch mit der Substitution der vermutlich verlorengegangenen Haptene aus Propionibacterium acnes machen. Da diese Haptene bekanntlich atoxisch sind, ist ein solcher Versuch mit keinem Risiko verbunden. Nach 25 Jahren Erfahrung mit der Haptentherapie empfehle ich 0,1 mg von diesem Hapten intramuskulär oder subkutan zu geben (eine Ampulle Haptenovacuna aus Argentinien oder zehn Ampullen Sanukehl Acne D 5). Falls eine solche Injektion eine Besserung bewirkt haben sollte, könnte bei Bedarf eine gleiche am zweiten Tag wiederholt werden. Patienten, für die eine Haptentherapie indiziert ist, berichten bereits wenige Stunden nach der Injektion, manchmal sogar schon nach Minuten, über eine positive Wirkung. Nur ein derartiger Therapieversuch kann, je nach Erfolg oder Misserfolg, die oben ausgeführte Theorie bestätigen oder widerlegen (zur endgültigen Heilung können allerdings auch noch andere Haptene, und falls die Carrier sich mit ihren Haptenkontaktstellen schon fest an Gewebestrukturen angelagert haben, im Wechsel mit Nosoden (1) erforderlich sein). Da man beim Einsatz solcher Mittel auf ein funktionierendes Immunsystem angewiesen ist, kann ihre Wirksamkeit bei gleichzeitiger Gabe von Retinoiden, Steroiden oder anderen immunsuppressiven Medikamenten nicht erwartet werden. Tropflösungen der Haptene können perkutan angewendet werden.

Literatur
1. Cornelius P: Nosoden und Begleittherapie. 3. Auflage, München: Pflaum Verlag 1999; 23–31.
2. Klein Jan: Immunologie. Weinheim, New York, Basel, Cambridge: VCH 1991; 281, 371.

Peter Cornelius
Wiesenstraße 4, 82269 Geltendorf

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