MEDIZIN: Diskussion

Acne fulminans: Behandlung mit Autovakzinen

Dtsch Arztebl 2000; 97(51-52): A-3510

Thrull, Ralf

zu dem Beitrag von Dr. med. Thomas Jansen Dr. med. Ricardo Romiti Prof. Dr. med. Gerd Plewig in Heft 22/2000
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Aufgrund der Feststellung, dass man den mikrobiologischen Befunden der in diesen Fällen durchgeführten Hautabstriche „keine Bedeutung schenken darf“ und der Wertung des koinzidenten Auftretens einer Acne fulminans „durch oder unter initialer systemischer Isotretinoinbehandlung“ als paradox, möchte ich dem Beitrag eine diagnostische und therapeutische Alternative aus labormedizinischer und mikrobiologischer Sicht entgegenstellen. Sämtliche referierten klinischen und labordiagnostischen Befunde sprechen für eine klassisch verlaufende bakterielle Infektionskrankheit: Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) bis 160 mm nach Westerngren, Leukozytose bis 40 000/µl, CRP-Anstieg (CRP, C-reaktives Protein), toxische Granulation, Linksverschiebung, durch relativen Eisenmangel bedingte Mikrozytose mit Hypochromasie, Komplementabfall und Auftreten von Immunkomplexen.
Gerade das zuletzt genannte Phänomen ist ein wichtiger Bestandteil der physiologischen Abwehrreaktion, die zu einer effektiven Zerstörung und Beseitigung der Fremdantigene unter Komplementverbrauch führt. Der negative Ausfall von Blutkulturen ist hierbei kein schlüssiger Beweis gegen ein septisch verlaufendes Krankheitsbild, zumal wir wissen, dass bei exzessiv aktivem Immunsystem bakterielles Wachstum in vitro noch nach ein bis zwei Wochen einsetzen kann. „Normale“ Blutkulturen werden im Labor nach wenigen Tagen abgesetzt und mit dem Ergebnis „kein Wachstum“ abgeschlossen!
Gefördert wird diese foudroyant verlaufende Infektion durch Retinoide, die als Derivate des Vitamins A (Retinol) bei Aknepatienten die Mitoserate der Epidermiszellen erhöhen. Gleichzeitig greifen die Retinoide auch in die Keratinbildung ein, was zu einer Auflockerung der Hornschicht führt, sodass oberflächliche Zellen leichter abgeschilfert werden. Diese Auflockerung der ersten und wichtigsten Barriere gegen Infektionen ist scheinbar der Wegbereiter einer systemischen Ausbreitung bakterieller Erreger, die in hoher Zahl in den infizierten Hautanteilen bereits vorliegen. Ich kann deswegen nicht nachvollziehen, wieso die Autoren die Koinzidenz mit dem Einsatz von Retinoiden als paradox klassifizieren.
Aus diesen theoretischen Fakten ergibt sich ein therapeutisches Prinzip, das die Bekämpfung der follikulären Inflammation in den Mittelpunkt stellen müsste. Dabei scheint es wichtig, die residente, schützende bakterielle Flora nicht negativ zu beeinflussen (etwa durch systemische oder topische Gabe von Antibiotika oder Chemotherapeutika). Vielmehr ist eine möglichst gezielte Bekämpfung der die Inflammation verursachenden Erreger erstrebenswert (1). Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, ist die Immunisierung des Patienten mit seinen (homologen) Erregern (2) im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe.
Da die pathogenetischen Mechanismen der Acne vulgaris im Einzelnen nicht bekannt sind, gilt es, die davon betroffenen Patienten über die „Akne-Phase“ möglichst hautunbeschädigt zu begleiten. Das trifft auch für die Acne fulminans zu, der immer eine Acne vulgaris vorausgeht. Daher haben wir den aus geeigneten Hautabstrichen angezüchteten Bakterien unser Hauptinteresse gewidmet, aus denen wir Suspensionen vorsichtig abgetöteter Keime unterschiedlicher Konzentration herstellen. Diese sterilen homologen Autovakzinen werden sodann verteilt über einen Zeitraum von circa sechs Monaten in steigenden Dosierungen und Impfabständen parenteral angewandt. Die Erfolge sind verblüffend. Bei über 100 mit individuellen Impfpräparationen behandelten Akne-Patienten haben wir keine Nebenwirkungen beobachtet, aber in den meisten Fällen eine frappante Besserung registriert. Infektionen nehmen, wenn der „richtige Keim“ bei der Probengewinnung erfasst worden ist, in Zahl und Stärke garantiert ab. Keiner der so behandelten Patienten zeigte eine Zunahme infizierter Follikel und schon gar nicht eine Acne fulminans!

Literatur
1. Harth V: Autovakzinetherapie bei chronischen Infektionskrankheiten. In: Zimmermann, W ed.: Grenzen und Möglichkeiten der Naturheilweisen. Band 12. Regensburg: Biologische Fachbuchreihe 1985.
2. Rusch V: Zur Bedeutung der Autovakzinen in der Medizin von heute. Arzneim Forsch Drug Res 1986; 36 (2): 1290.

Dr. med. Ralf Thrull
Lise-Meitner-Straße 21, 25524 Itzehoe
E-Mail: rthrull@t-online.de

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