ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2000Acne fulminans: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Acne fulminans: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(51-52): A-3510

Romiti, Ricardo

zu dem Beitrag von Dr. med. Thomas Jansen Dr. med. Ricardo Romiti Prof. Dr. med. Gerd Plewig in Heft 22/2000
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LNSLNS Zu Herrn Schilling
Die ursprüngliche Absicht für das Konzept des SAPHO-Syndroms war die Erarbeitung eines gemeinsamen pathogenetischen Zusammenhangs zwischen pustulösen Hauterkrankungen und osteoartikulären Veränderungen. Die zum Teil sehr weit gefassten Kriterien, die zur Diagnose eines SAPHO-Syndroms führen sollen, sind Gegenstand einer von verschiedenen Fachdisziplinen geäußerten Kritik. Manche Autoren lehnen ein zusammenfassendes Akronym als Syndrom aus guten Gründen ab. Weder ist bislang eine gemeinsame ätiopathogenetische Grundlage für die verschiedenen Manifestationsformen des SAPHO-Syndroms ersichtlich, noch kommen sie regelmäßig übereinstimmend gemeinsam vor. Somit ist das SAPHO-Syndrom am ehesten als Überbegriff anzusehen, der allenfalls als vorläufige Einordnung dienen kann, jedoch einer weiteren Aufarbeitung bedarf, um zu einer Enddiagnose zu kommen.
In diesem Zusammenhang verdient das Bemühen von Herrn Schilling, ei-
nem klinischen Rheumatologen, um das SAPHO-Syndrom eine Anerkennung. Auch wenn wir die deutsche Fachliteratur nicht vergessen wollen, gibt es doch im angloamerikanischen Schrifttum zeitlich früher Hinweise auf Skelettveränderungen bei der Acne fulminans, die sehr gut dem SAPHO-Syndrom zuzuordnen sind (1).
Zu Herrn Cornelius
Bei der Hapten- und Nosodentherapie handelt es sich um einen homöopathischen Ansatz, der bislang den im klassischen Sinne geforderten Wirksamkeitsnachweis schuldig geblieben ist. Das vorgeschlagene Konzept zur Pathogenese der Acne fulminans ist rein spekulativ und kann in keinster Weise begründet werden. Uns ist kein Patient bekannt geworden, bei dem eine homöopathische Behandlung nachweislich zu einer sofortigen Besserung der schweren, Besorgnis erregenden Erkrankung oder zu einer Heilung der Acne fulminans geführt hätte. Letztendlich würde nur eine Doppelblindstudie mit Haptenen und Nosoden zu einem verwertbaren Ergebnis führen. Es ist jedoch zweifelhaft, ob sich ein Patient mit Acne fulminans einer solchen Studie unterziehen wollte, wenn er Gefahr laufen würde, bei bestehender Erkrankung mit bislang als nicht wirksam betrachteten Mitteln behandelt zu werden. Außerdem wäre eine solche Studie bei dem Leiden, welches die Acne fulminans als stärkste Ausprägung der entzündlichen Akne verursacht, ethisch nicht vertretbar, zumal es eine hochwirksame Kombinationstherapie mit Retinoiden und Glucocorticosteroiden gibt. Nur eine frühzeitig eingeleitete, intensiv durchgeführte Therapie kann das Ausmaß der Narbenbildung gering halten.
Zu Herrn Thrull
Bei der Therapie mit Auto- (Eigen-)vakzine handelt es sich um eine alternative oder unkonventionelle Methode, deren Wirksamkeit nicht bewiesen ist. Die Anwendungen entsprechen nicht den üblichen Qualitätskriterien kontrollierter klinischer Studien, die normalerweise unerlässlich sind, bis ein Medikament oder eine Methode ihre Wirksamkeit bewiesen haben. Erfolg oder Misserfolg oder auch Nebenwirkungen der Vakzinetherapie können derzeit nicht beurteilt werden. Eine Sepsis ließ sich bei keinem der Patienten mit Acne fulminans nachweisen (2). Außerdem sind die Ergebnisse der bakteriologischen Abstrichuntersuchungen von Acne-fulminans-Pusteln variabel. In den Effloreszenzen findet sich die übliche Keimflora, nur gelegentlich ist Staphylococcus aureus nachweisbar. Daher ist es fraglich, ob es einen Nutzen bringt, wenn man aus angezüchteten Bakterien einen Impfstoff herstellt, der den Patienten in steigender Keimdichte verabreicht wird, um die humorale und zelluläre körpereigene Abwehrfunktion zu aktivieren. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich bei der Herstellung von Autovakzinen um eine genehmigungspflichtige Laborleistung nach Kapitel 03 der EBM-Richtlinien handelt.

Literatur
1. Kelly AP, Burns RE: Acute febrile ulcerative conglobate acne with polyarthralgia. Arch Dermatol 1971; 104: 182–187.
2. Plewig G, Kligman AM: Acne and Rosacea. 3rd edn.
Berlin: Springer 2000; 342–353.

Dr. med. Thomas Jansen
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Ruhr-Universität Bochum
St.-Josef-Hospital
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum

Dr. med. Ricardo Romiti

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