ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2000Post Scriptum: Selige Torheit à deux

VARIA: Schlusspunkt

Post Scriptum: Selige Torheit à deux

Dtsch Arztebl 2000; 97(51-52): [76]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Vor kurzem war bei uns der bewegende Film „Eugen Puschkin“ nach einer Novelle Alexander Puschkins zu sehen. Puschkin liebte das Schachspiel, gründete in Moskau die „Gesellschaft der Liebhaber des Schachspiels“ und spielte sogar noch kurz vor seinem frühen Tod im Duell Schach. Zwar gestand er nicht wie Tolstoi seiner zukünftigen Frau beim Schachspiel seine Liebe, doch schrieb er ihr: „Ich danke Dir, mein Herz, dass Du Schach spielen lernst. Das braucht man in jeder gu-
ten Familie.“
So ist das also – doch wie steht es damit vor der Fami-
liengründung, jenem seligen Zustand der folie à deux? Ist Liebesverwirung dem nötigen kühlen Kalkül des Schachspielers zuträglich? In Ermangelung empirischer Fakten nehmen wir wieder Zuflucht bei der Literatur – und siehe da, die Frauen scheinen im Zweifelsfall das eine vom anderen besser trennen zu können.
In „1001 Nacht“ lesen wir, wie der verliebte Kalifensohn Scherr-Khan gegen eine junge Schönheit spielt. Doch wenn er ihr ins Gesicht schaut, stellt er den Springer auf den Platz des Läufers und umgekehrt. Natürlich verliert er mehrfach, worauf sie ihm bedeutet, dass er sehr schlecht spiele. „Oh Herrin“, erwidert er entwaffnet und entwaffnend, „wie kann derjenige nicht besiegt werden, der gegen dich spielt?“
Und nun zurück zu „Eugen Onegin“. Auch dort verbringen Olga und Lenski in Erwartung ewiger Eheseligkeit glückliche Stunden beim Schachspiel.

„Sie sitzen fern von allen
Und schaun, die Stirne in der Hand,
Aufs Schachbrett nieder unverwandt,
In tiefes Nachdenken verfallen,
Bis Lenski einen Bauern führt
Und seinen eignen Turm kassiert.“

Nun wollen es Schachspieler gerne genau wissen. Wie war die Stellung? Bei einem Wettbewerb der Zeitschrift „Wsemirnaja Iljustrazia“ gewann diese Auflösung den Preis:
Hier spielte Lenski als Weißer liebesverwirrt den unmöglichen Zug 1. exf6?!?, nahm also den eigenen Turm. Jetzt ist es an Ihnen, verliebt oder nicht, mit Olga als Schwarzer in wenigen Zügen matt zu setzen. Wie?

Lösung:
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema