VARIA: Schlusspunkt

2001: Tiefe Finsternis

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Ein ganz bestimmtes Weihnachtsgeschenk hatten die meisten Börsianer mit heißem Herzen auf ihren Wunschzettel geschrieben: bitte eine anständige Jahresendhausse zum Ausgleich der aufgelaufenen Verluste.
Der Gabentisch hielt diesem Begehren gleichwohl nicht stand. Die Aktienmärkte enttäuschten auf der ganzen Linie. Die großen DAX-Aktien verloren enorm, und beim Neuen Markt für Wachstumstitel stürzten manche Werte um bis zu 80 Prozent von ihren März-Höchstständen.
Warum aber gab es eigentlich nicht die übliche Jahresendhausse? Dass sich der deutsche Aktienmarkt im Gleichschritt mit den anderen Weltbörsen Dow Jones, Nikkei und Nasdaq so schwer tat, hat vielfältige Ursachen. Erste schwerwiegende Zweifel, dass die Sache zum Dezemberultimo nicht gut gehen könnte, keimten zum Frühherbst, als die fulminante Ölpreishausse Inflationsängste weltweit schürte.
Das quälende Auszählungsszenario um die US-Präsidentschaft verunsicherte die Kapitalmärkte zudem. Gewinnwarnungen vieler Unternehmen sorgten bei den Anlegern erst recht für Dauerstress, wie die jüngst reduzierten Umsatzerwartungen bei Microsoft und die Bekanntgabe der rabenschwarzen Ertragszahlen für DaimlerChrysler. Das übliche Window-Dressing der Fonds, um die Kurse etwas nach oben zu „pflegen“, blieb aus.
Aber was bringt uns das nächste Jahr? Werden die Kurse sich wieder erholen oder noch weiter absacken, fragen sich viele Anleger. Eine aussagekräftige Prognose hier anzubringen, halte ich für ein recht gewagtes Unterfangen.
Auch die Tatsache, dass das alte Jahr schlecht abschnitt, ist eher ein düsterer Indikator für steigende Kurse zum Jahresbeginn. Es sieht auch ganz danach aus, dass die US-Wirtschaft nicht nur einer Konjunkturabschwächung entgegensieht, sondern möglicherweise vor einer harten Landung steht.
Mit anderen Worten: eine Rezession droht weltweit. Kommt sie wirklich, werden die Unternehmen die Börsen mit noch mehr Gewinnwarnungen als jetzt schon erschrecken. Anderseits ist auch die Zeit für selektive Kaufchancen gekommen. Nie war die Börsenwahrheit richtiger als heute, dass weder zum Einstieg geklingelt wird noch zum Ausstieg. Risikoscheue Anleger halten sich also klugerweise zurück und beschreiten den Garten der sicheren Rentenmärkte.
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