ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Genitale Infektionen: Aktuelle Daten zur Epidemiologie

AKTUELL: Akut

Genitale Infektionen: Aktuelle Daten zur Epidemiologie

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-5 / B-5 / C-5

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die klassischen Geschlechtskrankheiten (STD) sind in Deutschland – mit Ausnahme von Hamburg – auf dem Rückzug; bei Hepatitis B und HIV sind die Infektionszahlen stabil. Weltweit zunehmend sind dagegen genitale Herpes-simplex-Infektionen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zur Prävention sexuell übertragbarer Erkrankungen sind Gonorrhöen bei Männern weitaus häufiger als bei Frauen. Als auffällig werteten die Experten eine starke Zunahme der Infektionen in Hamburg; die Hafenstadt weist auch die höchste Rate an Syphilis-Fällen auf. Seit der „Wende“ sind in den neuen Bundesländern mehr Fälle als in den alten gemeldet. HIV-Infektionen bei jüngeren Menschen sind entgegen anderslautenden Vermutungen nicht häufiger geworden. Wie Osamah Hamouda (Berlin) auf der Jahrestagung der Gesellschaft in Offenbach weiter ausführte, soll in Zukunft ein zentrales STD-Surveillance-Programm aufgebaut werden, in das die Daten von Gesundheitsämtern, Kliniken und niedergelassenen Ärzten mit Schwerpunkt STD einfließen sollen.

Sorgen macht den Experten die weltweite Zunahme genitaler Herpes-simplex-Infektionen, bei denen die Transmission durch asymptomatische Träger eine relevante Rolle spielt. Schätzungsweise drei Viertel der Fälle werden nicht diagnostiziert, da die HSV-2-Infektion überwiegend asymptomatisch verläuft. Aus diesem Grund sei in Zukunft mit einer nicht unbeträchtlichen Zunahme bei Neugeborenen zu rechnen, so Dr. S. Friederike Hadlich (Berlin). Da genitale Herpes-Ulcera die Transmission einer HIV-Infektion erleichtern, appellierte die Referentin dafür, HSV-Infektionen zu therapieren. Die Seroprävalenz des HSV-2 liegt in Deutschland in Niedrigrisikogruppen bei Männern um zehn Prozent, bei Frauen um 15 Prozent; in Hochrisikokollektiven sind 40 Prozent der Männer und 66 Prozent der Frauen infiziert. Bei einer retrospektiven Untersuchung von mehr als 12 000 Serumproben auf HSV-spezifische IgG-Antikörper in Frankfurt wurde bei Männern mit 16,2 Prozent eine höhere Durchseuchung erhoben als bei Frauen (11,8 Prozent; Prostituierte: 78 Prozent). In Thüringen wurde bei Blutspendern und hospitalisierten Patienten eine ähnliche Verteilung erhoben, zu 81 Prozent lag hier eine Ko-Infektion mit HSV-1 vor.

Wie Dr. Holger Rabenau (Frankfurt) weiter ausführte, steigt die Prävalenz mit dem Alter an. Die Prävention besteht daher in der Identifikation der Infektionsträger. Nach der Erfahrung von Dr. Marc Alexander Ebisch (Rostock) sind subklinische Läsionen mithilfe eines Essigsäure-Tests (fünf Prozent) schnell, billig und einfach zu detektieren. Die positive Reaktion tritt allerdings auch bei entzündlichen Läsionen auf. In diesen Fällen könne das optische Bild helfen, da die Papeln bei genitalen HSV-Infektionen gruppiert stehen. Dr. Renate Leinmüller
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