ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Krankenhäuser: Weichenstellung

POLITIK

Krankenhäuser: Weichenstellung

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-15 / B-13 / C-13

Clade, Harald

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LNSLNS Die Ist-Kosten des Jahres 2001 dienen als Kalkulationsbasis für die diagnosebezogenen Fallpauschalen.


Für Krankenhäuser und Klinikärzte kann das Jahr 2001 zum entscheidenden vor Einführung des durchgängigen, leistungsorientierten und pauschalierenden Vergütungssystems (diagnosebezogene Fallpauschalen) werden, das für alle Krankenhäuser und Abteilungen (mit Ausnahme der Psychiatrie) frühestens ab 1. Januar 2003 obligatorisch werden soll. Termingerecht zum 27. Juni 2000 vereinbarten die Selbstverwaltungspartner, das pauschalierende Vergütungssystem auf der Grundlage der Australian Refined Diagnosis Related Groups (DRGs) einzuführen. Dieses soll allerdings so differenziert werden, dass es die deutschen Strukturen und Leistungsvoraussetzung kostengerecht abbildet.
So zügig die Detailarbeiten für die Umsetzungsphase vorangetrieben wurden, so sind doch einige im Gesetz festgelegte Termine für die einzelnen Etappen bereits überschritten worden. Die Krankenhausträger, die Bundes­ärzte­kammer und der Marburger Bund drängen deshalb darauf, die „Konvergenzphase“ im Zusammenhang mit der Einführung des DRG-Entgeltsystems um mindestens drei Jahre zu verlängern, die sektoralen Klinikbudgets würden vorerst fortbestehen. Allerdings erfordert eine solche Fristverlängerung – sie wurde bereits von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer in Aussicht gestellt – eine Gesetzesänderung. Ohnedies ist es erforderlich, sowohl das Krankenhausfinanzierungsgesetz als auch die neue Bundesentgeltverordnung (anstelle der bisher geltenden Bundespflegesatzverordnung) schon im Jahr 2001 zu novellieren. Die ordnungspolitischen/finanziellen Rahmenbedingungen für die Systemumstellung und die Konvergenzphase müssen geschaffen werden. Entsprechende Vorbereitungen im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) haben bereits begonnen.
Das Jahr der Dokumentation
Das Jahr 2001 dürfte das „Jahr der Dokumentation“ werden. Denn als Kalkulationsbasis dienen ausschließlich die im Jahr 2001 dokumentierten Ist-Kosten. So müssen die rund 50 Millionen unentgeltlich geleisteten Überstunden der Krankenhausmitarbeiter (Kosten: rund zwei Milliarden DM jährlich) bezahlt und aufgeschrieben werden. Sonst wird diese geldwerte Dauersubvention der Klinikbudgets zum Dauergeschenk der Mitarbeiter zugunsten der Krankenkassen und des Staates. Unter den Interessenten ist noch umstritten, ob die Tatbestände der Zu- und Abschläge breit oder rigide und eng gefasst werden sollen. Für eine Begrenzung der Tatbestände plädieren zum Beispiel die Privatkliniken und die Fischer-Administration. Die Krankenhäuser der Schwerpunkt- und Zentralversorgung beanspruchen kostengerechte Zuschläge, damit sie ihrer Sonderversorgungsrolle gerecht werden können und nicht wegrationalisiert werden.
Vordringliche Aufgabe ist also die Vereinbarung von Grundstrukturen über das Vergütungssystem und des Verfahrens zur Ermittlung der Bewertungsrelationen. Bis zum 31. Dezember 2001 sind die Bewertungsrelationen vertraglich festzulegen. Bisher noch umstritten ist, ob Fest-, Höchst-, Richt- oder gar individuelle Preise zum Zuge kommen sollen. In jedem Fall muss ausreichend differenziert und auf die unterschiedlichen Versorgungsaufträge der Krankenhäuser Rücksicht genommen werden. Es dürfe jedoch kein Entgeltsystem geben, das mit einer landesweiten Budgetierung und floatenden Punktwerten einhergeht, sagte Ministerin Andrea Fischer vor dem 23. Deutschen Krankenhaustag. Das BMG und die Krankenkassen pochen auf eine budgetneutrale Umstellung zumindest im Startjahr sowie auf eine Kontrolle und Begrenzung der Leistungsmengen. Von den Kassen-Spitzenverbänden und der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist eine Formel in den Vertragsentwurf aufgenommen worden, der darauf hinausläuft, das im Gesetz vorgesehene DRG-System zunächst umzusetzen. Soweit Korrekturbedarf besteht, soll dieser spätestens zum 30. Juni 2001 vertraglich berücksichtigt werden. Dr. rer. pol. Harald Clade


´Tabelle  
Auswirkungen der DRG-Einführung zur Abrechnung von Krankenhausleistungen in europäischen Ländern
Land Umfang Zeitraum Ø Verweil- Fallzahl Kosten Kosten
dauer je Fall je Tag
Schweden Bezirk Stockholm 1990–1993 –23% +5% – –
Norwegen Norwegen 1994–1998 –5,2% +9,8% – –
Italien 1 Krankenhaus, 1994–1998 –57,9% – –31,5% +62,1%
hpts. Dermatologie 1997–1998 – – +5% –
Österreich Burgenland 1996–1997 –2,8% +1,1% +3,9% +8,2%
Italien 1 Krankenhaus 1997–1998 –26% +1,8% – –
Quelle: Arnold, Litsch, Schellschmidt (Hrsg.): Krankenhausreport 2000, Schattauer-Verlag, Stuttgart, New York
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