ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Barmer: Budget reicht – angeblich

POLITIK

Barmer: Budget reicht – angeblich

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-16 / B-11 / C-11

Rieser, Sabine

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LNSLNS Die größte Krankenkasse in Deutschland hat 65 Millionen Verordnungen analysiert und meint, es sei genug Geld da.
Der Kollektivregress für Ärzte sollte abgeschafft werden, weil er undifferenziert auch diejenigen trifft, die wirtschaftlich verordnen. Das hat Dr. med. Eckart Fiedler Mitte Dezember bei einem Arzneimittel-Symposium der Barmer in Berlin gefordert. Der Vorstandsvorsitzende sagte, stattdessen solle man das Verordnungsverhalten über arztgruppenbezogene Richtgrößen prüfen und im Einzelfall Regresse verhängen.
Fiedler bewertete eine Analyse von 65 Millionen Arzneimittelverordnungen für Versicherte der Barmer im Wert von 4,8 Milliarden DM. Sie stammen aus der Zeit von August 1999 bis Juli 2000. Ergebnis: „Bei einer rationalen und effizienten Verordnungsweise aller Ärzte reicht das Budget aus, um auch innovative Arzneimittel verordnen zu können.“ Unter dem Strich ließen sich rund 15 Prozent der Ausgaben einsparen, also etwa 800 Millionen DM. Die „Problemfelder“:
- Die Ärzte verschreiben noch zu wenig Generika. „100 Prozent wer-
den nicht erreichbar sein, aber 90 Prozent wäre ein realistisches Ziel“, glaubt er. Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen sah das ähnlich. Omeprazol zum Beispiel sei nach den Humaninsulinen der umsatzstärkste Wirkstoff unter allen Präparaten, die Barmer-Versicherte einnahmen. Dafür wurden 68,5 Millionen DM aufgewendet. 64 Prozent der Omeprazol-Verordnungen entfielen auf Generika. Betrüge ihr Anteil 90 Prozent, ließen sich 12 Millionen DM sparen.
- Für Medikamente, die nach den Arzneimittel-Richtlinien nicht mehr zulasten der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) verschrieben werden dürfen, hat die Barmer im entsprechenden Zeitraum rund 110 Millionen DM ausgegeben.
- Durch eine stärkere Zurückhaltung bei Me-too-Präparaten ließen sich 260 bis 320 Millionen DM sparen, ebenso bei „fraglich wirksamen, unnötigen, aber teuren Medikamenten“. Glaeske führte als ein Beispiel Beloc Zok an. Hier werde eine Salzvariante genutzt, um über ein neues Patent die Festbetragsregelung für den Wirkstoff Metoprolol zu unterlaufen. Diese Marketingstrategie sei erfolgreich. Nur ein Drittel des gesamten GKV-Umsatzes von 387 Millionen DM mit diesem Wirkstoff entfalle auf Generika.
Druck durch Innovationen
Dr. med. Jürgen Bausch hingegen lobte, das Bemühen der Ärzte um eine rationale Arzneimittelversorgung sei ablesbar, zum Beispiel am jüngsten „Arzneiverordnungs-Report“ (von Schwabe und Paffrath herausgegeben). Gerade der Kollektivregress hindere Ärztinnen und Ärzte jedoch an einer rationalen Medikation. „Es gibt nicht nur stille Rationierung, sondern offene“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen mit Hinweis auf eine Studie über den dortigen Budgetverlauf 1999. Manches errechnete Einsparvolumen sei zudem rein virtuell. Es ändere auch nichts daran, dass durch neue Präparate ein unerhörter Druck auf den Budgets liege. Als ein Beispiel nannte Bausch die Tumornekrosefaktor-Inhibitoren. Rie


Egal woher eine Studie stammt – rein rechnerisch scheinen die Arzneimittelbudgets ausreichend. Das ergab auch eine Untersuchung der Barmer. Die Ärzte halten das für Theorie.
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