ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Telemonitoring: Chance für die Versorgung chronisch Kranker

POLITIK

Telemonitoring: Chance für die Versorgung chronisch Kranker

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-18 / B-13 / C-13

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die telemedizinische Betreuung von Patienten mit Diabetes mellitus und Asthma ist erfolgreich.

Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus haben häufig Probleme mit der regelmäßigen Messung der Blutzuckerwerte und der Insulindosierung. Eine optimale Stoffwechseleinstellung dieser Patienten ist schwierig. Das Projekt „Telemedizinische Beratung und Schulung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus“ – kurz „Teddi“ – geht hier neue Wege (Internet: www.aok.de/rlpf). Wie die Auswertung
des Mitte 1998 in Rheinland-Pfalz begonnenen Projektes ergab, kann die Versorgung Typ-1-diabetischer Kinder und Jugendlicher mithilfe von „Teddi“ verbessert werden: Die Blutzuckerschwankungen werden geringer, die Zahl der Hypoglykämien geht zurück. Dadurch lassen sich Kranken­haus­auf­enthalte vermeiden: Bei „Teddi“-Patienten sind durchschnittlich nur 1,3 stationäre Aufenthalte pro Patient und Jahr gegenüber sonst 4,1 stationären Aufenthalten notwendig. Versorgung und Lebensqualität vor allem von Patienten im ländlichen Raum können durch das Telemonitoring erheblich verbessert werden.
Elektronisches Tagebuch
Das Projekt, das noch bis Ende Juni 2001 läuft, ist eine Kooperation zwischen dem Diabeteszentrum am Klinikum München-Bogenhausen und der AOK Rheinland-Pfalz. Das technische Equipment kommt von der Firma Roche Diagnostics. Rund 150 junge Patienten wurden bislang betreut.
Der Ablauf: Jeder „Teddi“-Patient erhält ein elektronisches Blutzuckermessgerät mit integriertem Speicher und ein Spezialmodem zur Datenübertragung. Der Patient misst seine Blutzuckerwerte und gibt zusätzliche Informationen in das Messgerät ein. Notiert werden Angaben wie die gespritzte Insulinmenge, Broteinheiten, sportliche Aktivitäten und Krankheiten. Die Daten werden zum Diabeteszentrum übertragen, wo sie von Fachärzten ausgewertet und grafisch aufbereitet werden. Nach Terminabsprache werden die Ergebnisse in regelmäßigen telefonischen Sprechstunden (etwa alle ein bis zwei Wochen) über einen Zeitraum von drei bis fünf Monaten mit den Patienten besprochen. Dabei kann direkt geklärt werden, wo Probleme in der Therapie auftreten. Dr. med. Rolf Renner vom Münchner Diabeteszentrum wies darauf hin, dass die häufigsten Fehler bei der Diabetestherapie die Blutzuckerselbstkontrolle sowie Art und Zeitpunkt der Insulinapplikation sind – hier seien relativ einfach Verbesserungen bei der Behandlung zu erzielen. Auch der Hausarzt wird mit einbezogen und beispielsweise über Therapieänderungen informiert. Die Behandlung durch den Hausarzt wird nur ergänzt – nicht ersetzt. Ziel ist es, durch die kurzzeitige Intervention die Blutzuckereinstellung im häuslichen Umfeld zu optimieren, Therapiefehler zu beseitigen und dadurch langfristig eine bessere Versorgung zu erreichen.
Geplant ist, das „Teddi“-Modell auszubauen und bundesweit – eventuell auch für Erwachsene – anzuwenden, da es eine kostengünstige Möglichkeit darstellt, die Betreuung von Diabetes-Patienten zu verbessern.
Beispiel Asthma
Auch die Behandlung von Asthma lässt sich durch den Einsatz von Telematik verbessern. Rund fünf bis sechs Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder leiden in Deutschland an Asthma. Seit August 1999 erprobt die AOK Rheinland-Pfalz (Eisenberg) gemeinsam mit der Boehringer Ingelheim Pharma KG in Rheinhessen ein integriertes Managementkonzept für Asthmatiker.
120 Patienten nehmen an dem Projekt teil. Nach einer strukturierten Schulung durch „Case Manager“ erhalten die Patienten einen elektronischen Asthma-Monitor, mit dem sie ihre gemessenen Lungenfunktionswerte und zusätzliche Informationen zu Symptomen per Modem an den behandelnden Arzt übermitteln. Verschlechterungen des Gesundheitszustandes sind dadurch frühzeitig erkennbar und behandelbar.
Schon vor dem Projektende im Mai 2001 und der abschließenden Evaluation steht fest, dass sich Therapie und Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessert haben: Die Anwendung von Dosieraerosolen wegen Atemnot nahm im Vergleich zur Kontrollgruppe ab, ebenso wie Husten, nächtliche Atembeschwerden und Atemnot. Die Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte wurde verringert.
Heike E. Krüger-Brand


Beispiel für die grafische Aufbereitung der übermittelten Diabetes-Werte durch das Diabeteszentrum
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