ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/200125 Jahre „Forum“: Patientenbezogene Medizin

THEMEN DER ZEIT

25 Jahre „Forum“: Patientenbezogene Medizin

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-21 / B-18 / C-18

Odenbach, P. Erwin

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LNSLNS „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ –
die interdisziplinäre Veranstaltung der Bundes­ärzte­kammer
und wie sie weiterzuentwickeln wäre


Das Interdisziplinäre Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“, das vom 11. bis 13. Januar 2001 von der Bundes­ärzte­kammer ausgerichtet wird, hat Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde diese neuartige Fortbildungsveranstaltung ins Leben gerufen. Unverändert ist es Ziel des „Forums“, im interdisziplinären Gespräch den wissenschaftlichen Fortschritt auf seine Anwendbarkeit in der Praxis zu überprüfen.
Die Wissenschaftlichen Gesellschaften werden jährlich um Themenvorschläge gebeten, die dann geprüft werden, welche über das interdisziplinäre Forum von den für die Fortbildung Verantwortlichen auf ihre Bedeutung für die Fortbildung als Schwerpunkte herausgehoben und über die Fortbildung an alle Kolleginnen und Kollegen weitervermittelt werden müssten. Eingebunden sind zudem die Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats sowie des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung, zwei Institutionen der Bundes­ärzte­kammer, mit denen von Anfang an gut kooperiert wurde. Ohne die spontane Zustimmung und intensive Förderung des damaligen Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates (Prof. Dr. Loew), des damaligen Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer (Prof. Dr. Sewering) und des damaligen Hauptgeschäftsführers (Prof. Deneke) wäre das Forum nicht zustande gekommen.
Die Bitte der Bundes­ärzte­kammer an die Medizinisch-Wissenschaftlichen Gesellschaften um Themenvorschläge wurde von diesen zuerst sehr zurückhaltend aufgenommen. Manche sahen im Interdiszplinären Forum eine denkbare Konkurrenz zu ihren jährlichen Fachkongressen. Nach eingehenden Gesprächen kam es dann zu einer intensiven und fruchtbaren Diskussion und zu einer Zusammenarbeit, sodass das erste Interdisziplinäre Forum vom 13. bis 16. Oktober 1976 in Köln stattfinden konnte.
Wesentlich für das Interdisziplinäre Forum ist der Fragenkatalog, der bei der Themenfindung zugrunde gelegt wird.
1. Was ist neu ?
2. Was hiervon ist für die praktische Medizin wichtig?
3. Ist Prävention möglich?
4. Welche Methoden sind diagnostisch/therapeutisch obsolet?
5. Welche alten Methoden sind zu Unrecht vergessen?
6. Welche Fehler werden erfahrungsgemäß häufig gemacht?
7. Möglichkeiten (Stand) der Qualitätssicherung?
8. Über welche nicht praxisrelevanten neuen Entwicklungen muss der niedergelassene Arzt trotzdem informiert werden?
9. Wie ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis der empfohlenen beziehungsweise verglichenen Diagnostik- und Therapie-Verfahren?
10. Was muss deshalb dringend über die Fortbildung weitergegeben werden?
Die Diskussion, die den Referaten mit dem Plenum folgte, hat sich als wichtig erwiesen. Die von den Fortbildungsverantwortlichen – die wesentliche Zielgruppe des Interdisziplinären Forums – sowie von den interessierten Ärzten aller Fachrichtungen gestellten Fragen tragen zur Klärung oder aber zur Relevanz bei, aber auch zur Frage der Kosten. Die Prüfärzte der Kassenärztlichen Vereinigungen sind deshalb immer eingeladen und zahlreich präsent.
In dem jährlich erscheinenden Berichtband über das Interdiszplinäre Forum sind deshalb nicht nur die Referate, sondern auch die Diskussionen enthalten, wobei die Zusammenfassungen der Themenbehandlung durch die Moderatoren von besonderer Bedeutung sind.
Immer wieder ist dem Autor negativ aufgefallen, wie sehr Aufgaben und Ablauf der Deutschen Ärztetage von der Öffentlichkeit, von der Presse aber auch von Politikern missverstanden werden. Erwartet werden meist wesentliche Anstöße für eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung und Fortschritte in der Medizin. Debatten über Einzelheiten der Berufsordnung, der Weiter­bildungs­ordnung, der Gebührenordnung und viele Interna, die für den Kenner aufgrund der Aufgaben der Kammern auf deren „Haupt­ver­samm­lung“, dem Deutschen Ärztetag, notwendig sind, werden von Außenstehenden kaum verstanden.
Das Interdisziplinäre Forum „Fortschritt und und Fortbildung in der Medizin“ ist bedeutsamer Kontrapunkt zum Deutschen Ärztetag. Beim Forum überprüft die Bundes­ärzte­kammer unabhängig von jedem „Eigeninteresse“ der Ärzte eine patientenbezogene, medizinische Thematik nach dem genannten Fragenkatalog auf wichtige neue Erkenntnisse, um sie dann über die Fortbildung den Patienten zugute kommen zu lassen. Dazu hat die Beteiligung der Medizinjournalisten, die von Anfang an zum Forum eingeladen werden, eine wesentliche Bedeutung gehabt. Im Verlauf eines jeden Jahres wird von vielen Medien laufend aus dem Interdisziplinären Forum „Fortschritt und und Fortbildung in der Medizin“ berichtet und zitiert.
Was könnte nach 25 Jahren geändert werden?
Nach 25 Jahren werden folgende Fragen gestellt:
1. Was ist nach 25 Jahren unbedingt beim Forum zu erneuern?
2. Welche ursprünglichen, aber „vergessenen“ Formen im Ablauf des Forums sind wieder zu erneuern?
3. Was hat sich inzwischen geändert?
4. Wie wird die Unabhängigkeit des Forums und nicht zuletzt dessen Bedeutung für die Bundes­ärzte­kammer und die Fortbildung gesichert?
Stärker sollte wieder sowohl in den Referaten als auch am Ende der Moderation auf die Fragen eingegangen werden, die das Forum beantworten will.
Ob in Zukunft für akut wichtige „Neueste Erkenntnisse“ eine Extra-Stunde sinnvoll wäre, ist zu überlegen.
Bewährt hat sich das Interdisziplinäre Forum als systematische fachübergreifende Ermittlung des Fortbildungsbedarfs. Dafür ist den vielen Mitwirkenden und nicht zuletzt den Wissenschaftlich-Medizinischen Gesellschaften bei Vorbereitung und Durchführung besonders zu danken.
Dr. med. P. Erwin Odenbach

Der Verfasser wurde 1975 Leiter der Abteilung Fortbildung und Wissenschaft der Bundes­ärzte­kammer und war im selben Jahr Initiant des „Forums“.


Podium beim ersten „Forum“, hier aus dem Themenkreis Nervenheilkunde/
Psychiatrie. Seit Bestehen des Forums wurden insgesamt 167 Themen behandelt, 750 Referenten und 169 Moderatoren konnten dafür gewonnen werden – rechts im Bild der Autor des Beitrages.
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