ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Fehlbelegung: Sind wir Deutschen wirklich so anders?

BRIEFE

Fehlbelegung: Sind wir Deutschen wirklich so anders?

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-27 / B-24 / C-24

Schweins, M.

Zu der Glosse „Präzise Fehlbelegung“ in Heft 46/2000:
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LNSLNS Es stellt sich mir die Frage, was der Autor unter systemimmanenter stationärer Versorgung versteht. Ist damit der selbst verwirklichte – weil offiziell allein lebende – Patient mit Leistenbruch gemeint, der sich 12,7 Tage (1977) ins Krankenhaus legt, dort Ressourcen unseres Gesundheitssystems verbraucht, gleichzeitig 140 DM Tagegeld pro Krankenhaustag kassiert und nach Entlassung weiter drei bis vier Wochen (bei Bürojob) krankgeschrieben ist? Kann und darf dies Sinn und Zweck unseres Solidarsystems sein?
Wenn Beurteilungskriterien, wie die „Appropriate Evaluation protocols (AEP)“, in vielen Ländern der Welt schon eingeführt, erprobt und validiert sind, diese weiterhin schon auf europäische Maßstäbe angepasst wurden, stellt sich schon die Frage, ob Deutschland hier wieder einen Sonderweg gehen muss. Sind wir Deutschen wirklich so anders als unsere europäischen Nachbarn, oder haben wir uns nicht nur in den vergangenen Jahrzehnten in unserem Gesundheitssystem mollig warm eingerichtet, dieses auf allen Ebenen bis zur jetzt sichtbaren Erschöpfung ausgenutzt?
Der OECD-Bericht von 1997 hat hierzu eine klare Analyse vorgelegt: Wir Deutschen haben doppelt so viele Krankenhausbetten pro 10 000 Einwohner wie unsere europäischen Nachbarn, liegen bei den gleichen Krankheitsbildern in diesen doppelt so lange wie unsere europäischen Nachbarn und sind dabei, was die Gesundheit betrifft, nur im unteren Mittelfeld angeordnet. Wenn unsere Gesellschaft sich diese Form der Gesundheitsplanung weiter leisten will, dann bitte schön, muss man dieser Gesellschaft auch sagen, was das in der Zukunft kosten wird, vor allen Dingen bei unserer Bevölkerungsstruktur und nur vagen Hoffnungen auf Vollbeschäftigung.
Dr. med. M. Schweins, Frankfurter Straße 589, 51107 Köln
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