BRIEFE

BSE: Schlichte Sauerei

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-28 / B-24 / C-26

Martin, Wolfgang

Zu dem „Seite eins“-Beitrag „Hochmut vor dem Fall“ von Dr. med. Vera Zylka-Menhorn in Heft 48/2000:
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LNSLNS Als vielleicht etwas naiver Kollege (Folge der humanistischen Erziehung?) hatte ich mir eigentlich nie konkrete Gedanken über Tiermehl-Fütterung gemacht, zumal dies weit entfernt von meinem Tätigkeitsbereich liegt. Schlimmstenfalls hätte ich mir noch vorstellen können, dass in dem besagten Tierfutter sich in Teilen noch das verstrahlte Milchpulver von 1986 wiederfinden würde.
Völlig unfassbar und neu ist für mich, dass man auch in Deutschland nicht nur frische Schlachtreste, sondern schon regelrecht verwesende Kadaver von verendeten und kranken Tieren jeglicher Spezies zu Tierfutter verarbeitet hat. Da fragt sich schon, wo hier, trotz unserer hoch entwickelten Wissenschaft, noch der Unterschied besteht zu mittelalterlichen Zeiten, als die Leute ihre Notdurft neben den Brunnen verrichteten und die Pathologen nach der Leichensektion zur Entbindung schwangerer Frauen eilten. Auch wenn heute mit 130 Grad bei Überdruck gearbeitet wird.
Meines Erachtens reichen hier die „Warnungen der Wissenschaftler“ nicht. Es hätte eine Aufklärung der Verbraucher auch von ärztlicher Seite über diese Sauereien erfolgen müssen. Fühlen sich unsere ärztlichen und tiermedizinischen Repräsentanten für das Volkswohl überhaupt nicht mehr zuständig, nur noch für die Behandlung von Krankheiten? Oder ist es die Gesetzgebung, die uns Ärzten zunehmend das Maul verbietet? Nach dem Motto: Alles ist rechtlich erlaubt, solange ein Nachteil nicht erwiesen ist. Von den seuchenhygienischen Gesichtspunkten einmal abgesehen, wird der Mensch durch solche Praktiken auch immer mehr zum würdelosen Aasfresser degradiert, der nur noch zu funktionieren hat. Es wird allmählich Zeit, dass die Ärzte sich wieder mehr in die Politik einschalten und sich nicht umgekehrt ständig von dieser gängeln lassen. Dazu gehört aber auch, dass die Kollegen von ihrer Standesorganisation aufgeklärt werden, auch im „Deutschen Ärzteblatt“. Die Volksgesundheit betreffend brauchen wir den Machtkampf nicht zu scheuen. Den Verbraucher haben wir hier immer hinter uns. Und dieser ist der einzige, den die Profitgeier in unserer Gesellschaft wirklich fürchten.
Dr. med. Wolfgang Martin, Prinzregentenstraße 154, 81677 München
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