ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Soziale Ungleichheit und Gesundheit

BÜCHER

Soziale Ungleichheit und Gesundheit

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-31 / B-21 / C-18

Mielck, Andreas

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Andreas Mielck: Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse, Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten. Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen u a., 2000, 489 Seiten, 35 Abbildungen, 139 Tabellen, kartoniert, 49,80 DM
Dass jeder Mensch unabhängig von seiner Ausbildung, seinem Berufsstatus und seinem Einkommen die gleiche Chance erhalten sollte, gesund zu bleiben beziehungsweise wieder gesund zu werden, ist hierzulande eine weitgehend konsensfähige Forderung. Wie weit diese Forderung noch von der Wirklichkeit entfernt ist und was zu unternehmen wäre, um diesem Ziel näher zu kommen, davon handelt das Buch des Medizinsoziologen Mielck.
Mielck konzentriert sich auf Phänomene vertikaler Ungleichheit und argumentiert mit den in den Sozialwissenschaften gängigen Indikatoren Bildung, Berufsstatus und Einkommen oder den daraus konstruierten Sozialschichten, auf die auch die meisten der von ihm referierten Studien Bezug nehmen. Horizontale Ungleichheit wie etwa Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder zwischen Deutschen und Ausländern werden nicht behandelt.
Ein besonderes Verdienst des Autors ist es, dass er es nicht bei der bloßen Beschreibung der Ungleichheitsphänomene belässt, wie viele vor ihm, sondern ihren Erklärungsansätzen fast die Hälfte seines Buches widmet. In diesem Zusammenhang geht es unter anderem um Arbeitsbedingungen, Ernährung, soziale Unterstützung in Problemlagen, Verständnis für Aufklärungsmaßnahmen, Inanspruchnahme von Früherkennung, Wahrnehmung früher Krankheitssymptome, ärztliche Versorgungsqualität und Zuzahlungen beim Erwerb von Gesundheitsgütern. Die Liste der potenziellen Erklärungsansätze ist nahezu unbegrenzt, die dazu vorliegenden empirischen Befunde sind hingegen alles andere als überzeugend.
Ein umfassendes, erklärungskräftiges Theoriemodell zur gesundheitlichen Ungleichheit fehlt ohnehin. Unbekannt ist auch, bis zu welchem Grad die in Gesellschaften vorfindbare soziale Ungleichheit verringert werden müsste, damit man auf diese Weise das Gesundheitsniveau der Bevölkerung wirksam beeinflussen könnte. Die spannendsten Fragen zum Thema dieses Buches scheinen weiterhin unbeantwortet, die Medizinsoziologen werden also noch eine Weile damit beschäftigt sein. Ingbert Weber
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