ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1996Psychotherapie: Binsenweisheit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Psychotherapie: Binsenweisheit

Kruttke-Rüping, Monika

Zu dem Leserbrief "Zusammenhänge" von Dr. med. Alexander Boroffka in Heft 23/1996
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LNSLNS Herr Boroffka warnt vor dem "Schreckgespenst" Psychotherapeutengesetz mit realitätsfremden Argumenten. Ihn schert offenbar weder das Wohl des Patienten noch der Sicherstellungsauftrag in der kassenärztlichen Versorgung. Mit erfrischend ungenierter Offenheit setzt er sich ausschließlich für die Sicherung von Pfründen seines Berufsstandes ein.
Er läßt außer acht, daß durch die Engpässe in der psychotherapeutischen Versorgung gegenwärtig kaum 50 Prozent der durchgeführten Psychotherapien von der kassenärztlichen Versorgung abgedeckt werden können, die restlichen 50 Prozent versickern unkontrolliert im grauen Erstattungsmarkt, für den keine gesetzlich festgelegten Ausbildungskriterien gelten. Das Psychotherapeutengesetz strebt hier eine dringend erforderliche Qualitätskontrolle an.
Zudem: Bei den Richtlinientherapeuten handelt es sich lediglich zur knappen Hälfte um ärztliche Psychotherapeuten, das heißt, sie decken – unter Berücksichtigung der Erstattungsleistungen – lediglich 25 Prozent der heute von den Kassen insgesamt finanzierten Psychotherapien ab. Der Sicherstellungsauftrag in der kassenärztlichen Versorgung wäre mithin ohne die Integration qualifizierter Diplompsychologen Makulatur. Selbstverständlich gilt die Panicksche Binsenweisheit heute noch genauso wie vor 40 Jahren, als Parkinson für alle staatlich reglementierten Wirtschaftsbereiche feststellte, daß dort das Angebot mühsam seine Nachfrage selber schafft (Parkinsons Gesetz). Herr Boroffka ent-deckt diese Gesetzmäßigkeit jetzt zum dritten Mal. Warum aber sollte sie nur einseitig auf Psychologen angewendet werden?
Was die von Herrn Boroffka errechnete Kostenlawine infolge der Integration psychologischer Psychotherapeuten betrifft: Die Gesamtsumme der in der Richtlinienpsychotherapie erbrachten Leistungen beläuft sich auf weit unter 2 Prozent vom Gesamtbudget für ärztliche Leistungen, obwohl sie 13 Prozent der Leistungserbringer erstellen. Diese Zahlen dürften wohl kaum Grund zur Pani(c)k sein.
Monika Kruttke-Rüping, Gottorpstraße 61, 22605 Hamburg, Regina Buhl, Schleemer Ring 15, 22117 Hamburg
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