ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Sportmedizinische Aspekte beim Windsurfen

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Sportmedizinische Aspekte beim Windsurfen

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-39 / B-35 / C-35

Rieckert, Hans; Siewers, Michael

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LNSLNS Zusammenfassung
Das Windsurfen auf Verdrängerboards ist eine olympische Sportart und erstreckt sich auf alle Windbereiche unterhalb der Sturmstärke. Das moderne Funboardsurfen kann nur bei höheren Windgeschwindigkeiten gefahren werden. Deshalb sind die körperlichen Anforderungen und das Verletzungsprofil unterschiedlich. Bei den Verletzungen sind die untere Extremität und der Kopf am häufigsten betroffen. Die Pulsfrequenz ist ein Spiegelbild des Regattakurses. Sie kann auf über 180 Schläge/min ansteigen. Die Laktatwerte steigen beim Verdrängerbrett, ohne Pumpen, nicht über 3 mmol/l an. Beim Funboardsurfen können Laktatwerte von über 10 mmol/l Blut erreicht werden. Das Hängen am Gabelbaum führt zu einer Drosselung der Unterarmdurchblutung und zur Ansammlung von Laktat in der Muskelzelle.

Schlüsselwörter: Windsurfen, Laktatspiegel, Unterarmdurchblutung, Funboard, Verdrängerboard

Summary
Medical Aspects of Windsurfing
Traditional windsurfing on raceboards is an olympic event. All wind zones below storm are suitable. Modern funboardsurfing can only be performed at higher wind speeds. This leads to different specific physical requirements and injury profiles. The lower extremities and the head are the most frequently injured body parts. The pulse rate represents a mirror image of the regatta course. It can rise to more than 180 beats/min. On raceboards lactate values do not go beyond 3 mmol/l without the so-called pumping. Funboardsurfing shows lactate values of more than 10 mmol/l. While hanging in the boom, the circulation of the forearm is restricted and lactate accumulates in the muscle cell.

Key words: windsurfing, lactate level, circulation of the forearm, funboard, raceboard


Als das erste Windsurfbrett vor mehr als 30 Jahren von Hoyle Schweizer erfunden wurde, war noch nicht abzusehen, welch eine rasante und erfolgreiche Entwicklung dieser Sport nehmen würde. Faszination und die Mischung aus Geschwindigkeit und Naturerlebnis, Freiheit und spielerischen Bewegungen hat das Windsurfen weltweit zu einem beliebten Freizeit- und Wettkampfsport für Millionen von Menschen gemacht. Die Möglichkeit, den Wind in den Händen zu halten und vor allem die für ein Wasserfahrzeug hohe Geschwindigkeit, übt auf die junge Generation eine besondere Faszination aus. Darüber hinaus ist das Windsurfen durch die Aufnahme in das olympische Programm „gesellschaftsfähig“ geworden.
Das Sportgerät kann man in zwei große Klassen unterteilen, die in Fahrweise und Fahrtechnik sowie auch von der körperlichen Belastung unterschiedlich sind. Man unterscheidet das herkömmliche Windsurfen mit so genannten Verdrängerboards (olympisches Surfbrett) und das Funboardsurfen. Während bei olympischen Surfbrettern eine Richtungsänderung durch eine Veränderung der Segelstellung vorgenommen wird, erfolgt sie bei den Funboards mehr durch Fußsteuerung. Dadurch wird wesentlich mehr dynamische Arbeit in das Windsurfen eingebracht und es werden Muskelgruppen eingesetzt, die bei den Verdrängerbrettern weniger beansprucht werden. Hier überwog bisher die statische Haltearbeit. Durch eine Regeländerung ist jedoch beim olympischen Surfen das so genannte „Pumpen“ erlaubt, sodass bei geringen Windstärken dieser Wettkampfsport eine hohe physische Beanspruchung durch das Heranziehen des Segels erfordert.
Während im Funboardsurfen Schnell- und Maximalkraft bei Starkwind und in der Brandung wesentlich sind, konzentrieren sich die Surfer der olympischen Disziplin auf die Verbesserung der Ausdauertechnik und Taktik. Zusätzlich wird unter den Olympiakandidaten versucht, einen möglichst idealen Kompromiss aus minimalem Körpergewicht für Schwach- und Mittelwind und relativ hohem Kraftniveau für Starkwind zu erreichen. Die sich hieraus ergebenden Probleme im Training und Ernährungsbereich sind offensichtlich.
Anforderungsprofil
Um als Regattasurfer mit modernen Funboards und Segeln den Windbereich von circa 4 bis 7 Windstärken optimal abzudecken, benötigt man etwa zwei bis drei Boards und mindestens vier Segel. Das olympische Surfbrett des Herstellers Mistral dagegen hat den Anspruch, für fast alle erdenklichen Bedingungen, also auch bei wenig Wind, einsatzfähig zu sein. Im Gegensatz zu den Funboards, die nur im Gleitzustand sinnvoll funktionieren, kann das olympische Surfbrett auch bei Windstärken von 1 bis 3 bei geringer Fahrt eingesetzt werden. Der wichtigste Unterschied zu den Funboardregatten ist neben dem vorgeschriebenen Einheitsmaterial, dass es kein Windlimit bei der Austragung von Regatten gibt
Beim Funboardsurfen ist der Anteil der kontrahierenden Muskulatur größer. Die Laktatwerte korrelieren positiv mit der Windgeschwindigkeit. Bei Funboardfahrern der Weltspitze ergaben sich, bei mittleren Windgeschwindigkeiten bis zu 30 km/h Laktatwerte knapp unter 3 mmol/l, bei 40 km/h Windgeschwindigkeit um 5 mmol/l und bei 50 km/h Windgeschwindigkeit im Mittel von 10 mmol/l. Maximalwerte lagen bei 13,4 mmol/l.
Die Laktatwerte gingen beim herkömmlichen Surfen kaum über 3 mmol/l hinaus. Beim „Pumpen“ in der olympischen Klasse wurden über 5 mmol/l erreicht. Die Laktatwerte stiegen beim Training und Wettkampf in der olympischen Klasse ohne Pumpen bei Windgeschwindigkeiten zwischen 30 und 40 km auf 2,4 plus 0,18 mmol/l an. In spezifischen Trainingseinheiten mit Kreuzen und Wenden sowie auf Halbwindkursen mit Halsen um zwei Tonnen liegen die Werte unter 2 mmol/l.
Die Pulsfrequenz ist ein globales Maß zur Beurteilung der physischen und psychischen Belastung des Surfers. Die Pulsfrequenzkurve ist ein Spiegelbild des Regattakurses. Bei mittleren Windstärken lag in der Vorstartphase der olympischen Surfklasse die Pulsfrequenz ohne Pumpen im Mittel bei 146 Schlägen/min. Beim Start stieg die Pulsfrequenz der Nationalmannschaft auf 182,1 plus 9,2 an. Die Frequenz betrug an der Luvtonne im Mittel 178, an der Raumtonne 163 und an der Leetonne 162 Schläge/min. Bei geringen Windgeschwindigkeiten lagen die Pulsfrequenzen ohne Pumpen niedriger (12).
Für die Beurteilung der Kreislaufsituation älterer Surfer ist neben der Herzfrequenz vor allem der Blutdruck interessant. Bei maximaler Ausbelastung am Hängesimulator erreichten gesunde Studenten Pulsfrequenzwerte im Mittel von 103 plus 16 Schläge. Der systolische Blutdruck stieg im Mittel von 114 auf 177 mm Hg, der diastolische von 70 auf 94 mm Hg an. Bei einem Surfer mit einem Gewicht von 70 kg wird die Unterarmmuskulatur mit circa 30 Prozent der Maximalkraft beim Hängen belastet. Dadurch erhöht sich der periphere Gefäßwiderstand, der als Spiegelbild des diastolischen Blutdrucks in die Messung eingeht (8).
In der ärztlichen Empfehlung für den Seniorensport sollten Aktive über 50 Jahre surfen, wenn dies bereits über Jahre geübt wurde. Es ist weiterhin vorauszusetzen, dass das Trapezsurfen beherrscht wird. Als Anfängersportart ist Windsurfen im Seniorenalter nur wenig geeignet (Textkasten). Aufgrund der geringeren Belastbarkeit im Seniorenalter ist besondere Aufmerksamkeit auf das Material zu richten. Das bedeutet, dass die Segelfläche ab vier Beaufort (BFT) Windstärken verkleinert werden sollte.
Im Kindes- und Jugendalter sollte ein kleines Rigg verwendet werden, sodass die Kräfte beim Hochholen des Segels geringer sind. Hinrichs hat schon 1985 darauf hingewiesen, dass bei einer Segelfläche von 3,5 m2 beim Anwindkurs eine Kraftbelastung von 2 000 Newton auftritt. Dadurch sind die Belastungen für die Lendenwirbelsäule beträchtlich, sodass das Kind erst in der zweiten puberalen Phase oder mit einem entsprechenden muskulären „Korsett“ mit dem Windsurfen beginnen sollte. Das Kind sollte gegebenenfalls zuerst in ein Segelboot für Kinder (Optimisten) gesetzt werden, um besser mit Wind und Wellen vertraut zu werden und erst später parallel mit dem Windsurfen beginnen.
In nördlichen Gebieten ist die Temperaturregulation ein entscheidender Faktor. Beim Anfänger im Neoprenanzug fand sich in den ersten 20 Minuten ein Anstieg der Körperkerntemperatur, danach folgt ein Abfall, der bei Wassertemperaturen um 16 Grad nach 45 Minuten noch über dem Ausgangswert lag. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Hauttemperatur nach dem Sturz ins Wasser länger benötigt, um wieder die Ausgangswerte zu erreichen. Daher sollte beim Anfängersurfen eine Zeitdauer von 40 Minuten nicht überschritten werden.
Bei Regattasurfern und Windstärken zwischen 1 und 4 BFT änderte sich die Kerntemperatur auch nach Stunden nicht. Mit zunehmender Windstärke sank die Körperkerntemperatur nach drei Stunden etwas ab. Neben dem Surfanzug ist ein Nierengurt entscheidend, der für eine Verbesserung der Temperaturregulation sorgt (5, 7).
Ein leistungsbegrenzender Faktor im Regattasurfen ist das Anschwellen der Unterarme. Beim Hängen am Gabelbaum kommt es zu einer Drosselung der Unterarmdurchblutung und zur Ansammlung von Laktat in der Muskelzelle. Laktat ist osmotisch aktiv, sodass Flüssigkeit in die Muskelzelle eindringt und das Unterarmvolumen ansteigt. Innerhalb der dritten und vierten Belastungsminute (am Gabelbaum hängend) beträgt die Volumenänderung des Unterarms bei Untrainierten 1,2 ml/ 100 ml Gewebe und bei Mitgliedern der Nationalmannschaft 0,59 ml/100 ml Gewebe. Der lokale Laktatspiegel ist bei trainierten Leistungssurfern geringer.
Die Volumenzunahme des Unterarms beim Surfen nimmt deshalb auch bei den Mitgliedern der Nationalmannschaft zum Saisonhöhepunkt ab. Sie lag über zwei Minuten mit 0,47 ml/100 ml Gewebe niedriger als im Winter mit 0,77 ml/100 ml Gewebe. Dies zeigt deutlich, dass der Surfer Hängeübungen trainieren muss. Es besteht eine negative Korrelation von Hängeleistung, Volumenänderung und Maximalkraft. Je größer die Maximalkraft, desto stärker ist die Volumenzunahme. Dies bedeutet, dass im winterlichen Krafttraining kein Maximalkrafttraining durchgeführt werden sollte. Es ist besser, Kraftausdauerübungen und spezifisches Hängen zu trainieren (1).
Das olympische Segelsurfen muss in seinem Anforderungsprofil deutlich vom Funboardsurfen differenziert werden. Während beim Funboardsurfen die Schwerpunkte auf Schnell- und Maximalkraft bei Starkwind und in der Brandung liegen, konzentrieren sich die Sportler der olympischen Disziplinen vor allem auf die Verbesserung von Ausdauer, Technik und Taktik. Diese Disziplin ist in vielen Gesichtspunkten dem Segeln sehr ähnlich. Die Anforderungen an die Kraft, Kondition und Flexibilität sind jedoch als wesentlich höher anzusehen. Es gilt einen möglichst idealen Kompromiss aus minimalem Körpergewicht für Schwach- und Mittelwind und relativ hohem Kraftniveau für Starkwindwettfahrten zu erreichen.
Die maximale Zugbelastung beim Aufziehmanöver zeigt in Abhängigkeit von der angewandten Technik, zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen, eine Verminderung der Belastung um 50 Prozent durch technisch richtige Ausführung. Bei den Erwachsenen beträgt die Kraftersparnis rund 33 Prozent.
Die höchste Kraft erfordert das Funboardrigg, gefolgt vom Anfängerrigg und Kinderrigg (Gewicht 4 kg, 2,5 m2 Fläche, 1,6 m Gabelbaum, Vorliek 346 cm ).
Bei viertägigen Anfängersurfkursen lag die Anzahl der Aufholmanöver zwischen 90 und 160, sodass von einer nicht unerheblichen Belastungskomponente gesprochen werden kann. Die Hohlkreuzstellung sollte beim Surfen vermieden werden (4).
Die Rumpfmuskulatur als zweites Glied wird zur Kraftübertragung eingesetzt. Aufgrund der extrem hohen Belastung wird sie durch eine Trapezweste unterstützt.
Verletzungsrisiko
Bereits 1994 konnten Siewers und Zellmann anlässlich der Deutschen Funboardmeisterschaft nachweisen, dass über einen Betrachtungszeitraum von drei Jahren mit 1,3 Verletzungen pro Jahr eine hohe Verletzungshäufigkeit vorlag. Diese Zahl wurde mit 1,56 Verletzungen pro Windsurfer pro Jahr 1999 noch einmal übertroffen (10).
Bei dieser Untersuchung wurden die 58 weltbesten Profis auf Maui, Hawaii, befragt. Hierbei zeigte sich auch, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Windsurftagen (deren Anzahl mit 121 Tagen pro Jahr sehr hoch war) und Verletzungshäufigkeit gab. Ferner ergab sich, dass die aktiven Regattafahrer nicht nur häufiger, sondern auch länger verletzt sind. Die Verletzungsarten und Lokalisationen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen bisheriger Untersuchungen. Sie bestätigen die Ergebnisse der neueren Untersuchungen bei Spitzenwindsurfern und setzen somit den Trend fort. Am häufigsten betroffen waren nach wie vor die unteren Extremitäten (Grafik 1). Besonders Fuß und Fußgelenke waren mit 45 Verletzungen am stärksten vertreten, 23 Verletzungen betrafen das Knie. Am zweithäufigsten war der Kopf mit 25 Verletzungen betroffen. Diese Zunahme der Kopfverletzungen wurde auch schon von Siewers und Zellmann (9) und von Gosheger (2) beobachtet.
Die Hautverletzungen müssen in dieser Untersuchung gesondert betrachtet werden. Viele der Windsurfer konnten keine Auskunft über die Anzahl der Hautverletzungen geben. Sie waren so häufig verletzt, dass sie sich gar nicht mehr an alle Ereignisse erinnern konnten. Die sehr hohe Anzahl der Hautverletzungen hat mehrere Gründe. Durch die klimatischen Bedingungen, die auf Hawaii vorliegen, wird keine „Schutzkleidung“ wie Neoprenanzug, Schuhe und Handschuhe getragen. Hawaii ist ein Gebiet, wo es auch möglich ist, bei 8 BFT in Shorts zu windsurfen. So ist die Verletzungsgefahr natürlich größer, da die Haut nicht geschützt ist und es in diesen Breiten auch Windperioden von neun Wochen und mehr gibt. In unseren Breiten dagegen bringen vornehmlich Tiefdruckgebiete den Wind. Diese Windperioden beschränken sich aber meist auf ein paar Tage. Der Passatwind dagegen kann wochenlang konstant wehen und nach ein paar Tagen auf dem Wasser sind Hautirritationen (zum Beispiel Blasen) an den Händen nicht zu vermeiden.
Der größte Anteil der Verletzungen (9) bestand aus Prellungen, die vornehmlich am Kopf auftraten, sowie Bandverletzungen am Fußgelenk und Knie (Tabelle). Die meisten der Bandverletzungen gehören zu den schwereren Verletzungen. Sie sind für alle Verletzungspausen über 100 Tage und für die meisten Verletzungspausen über 50 Tage verantwortlich.
Die ständig steigende Zahl der Band- und Kopfverletzungen lässt sich auf
das immer höhere Können der Surfer zurückführen. Die Sprünge, besonders die Loopvarianten, aber auch die Manöver, werden immer gewagter und ausgefallener. Die Loopvarianten allein sorgten für 63 Folgeverletzungen, wobei der Frontloop mit 30 Folgeverletzungen den größten Anteil einnahm. Die Loopsprünge sind somit Ursache für 30 Prozent der Gesamtverletzungen.
Die Sprunghalse (Aeril-Jibe), die Halse und das Wellenreiten können als die verletzungsreichsten Manöver angesehen werden. Wobei die Sprunghalse und das Wellenreiten (mit anschließendem Waschgang) mit ein Grund für die hohe Anzahl der Bandverletzungen sind. Bei der Sprunghalse bleibt ein Fuß zur Steuerung in der Fußschlaufe. Missglückt dieser Sprung, kann es sehr leicht zu Bandverletzungen am Fußgelenk kommen.
Die meisten Kopfverletzungen entstanden durch den Aufprall auf das Material (Board/Rigg). Hierbei handelt es sich größtenteils um Prellungen. Des Weiteren wurde eine hohe Anzahl von Schnittverletzungen durch das Riff verursacht. In unseren Breiten (Europa) gibt es keine scharfkantigen Korallenriffe und somit hat der Faktor Riff eine andere Wertigkeit.
Die meisten Windsurfer trainieren vorwiegend bei mäßiger Brandung und Windstärken von 4 bis 6 Beaufort (Grafik 2). Bei diesen Bedingungen entstehen 40 Prozent aller Verletzungen. Hohe Wellen und Windstärken über sechs Beaufort lagen nur bei 18 Prozent der angegebenen Verletzungen vor.
Steinbrück et al. hat bereits 1985 darauf hingewiesen, dass die Verletzungsprophylaxe beim Surfen vernachlässigt wird. Neben einem Aufwärmprogramm von circa 15 Minuten empfiehlt sich als wichtigste Maßnahme das Tragen eines Neoprenanzugs, als Wärmeschutz und zur Verhinderung von Schnittverletzungen und Schürfungen.
Prävention
Für den Breiten- und Spitzensport sind folgende Maßnahmen zur Prävention von Verletzungen sinnvoll:
- Um Schnitt und Schürfwunden zu vermeiden, empfiehlt es sich, beim Windsurfen auch bei guten klimatischen Verhältnissen Surfanzüge mit langen Beinen und Surfschuhe zu tragen.
- Blasen an den Händen können durch Tragen von so genannten Windsurfhandschuhen oder Tapen verhindert werden.
- Das Windsurfmaterial (zum Beispiel Gabelbaum, Fußschlaufen) sollte optimal auf den jeweiligen Benutzer abgestimmt sein. Dies gilt insbesondere für Windsurfanfänger.
- Ein Mastprotektor kann das Einklemmen zwischen Mast und Windsurfboard verhindern. Die Verwendung eines Mastfußprotektors kann zudem Verletzungen der Füße vorbeugen.
- Das Tragen eines Helms schützt den Kopf beim Kontakt mit dem Material. Das schlechte Image, dass mit einem Helm verbunden ist, muss abgebaut und der präventive Vorteil den Windsurfern verdeutlicht werden (6).
- Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten und Reviereinschätzungen können das Verletzungsrisiko verhindern und/oder vermindern.
- Ein windsurfspezifisches Krafttraining und ein allgemeines Ausdauertraining sollten durchgeführt werden. Dabei kann ein kontinuierliches Krafttraining der besonders beanspruchten Rücken- und Schultermuskulatur Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule/ des Rückens vorbeugen. Ein gezieltes Krafttraining der Unterarmbeuger kann das Auftreten eines „Surferarms“ verhindern. Für das windsurfspezifische Krafttraining sind die richtige Anwendung der Parameter, Umfang und Intensität besonders wichtig.
- Ein Warm-up vor dem Windsurfen, sowie ein Cool-down danach gehören zu jedem Windsurftag dazu. Gerade beim Windsurfen unter extremen Bedingungen ist es wichtig, den Körper auf die körperliche Belastung vorzubereiten.
- Koordinationsschulung und mentales Training sollten überall eingesetzt werden, wo dieses möglich ist. Dies gilt insbesondere für den Spitzensportler beim Training neuer Manöver.
- Beim Üben neuer Sprünge oder Manöver sollte das Fußgelenk prophylaktisch mit einem Tapeverband stabilisiert werden.
- Eine Sicherheitsfußschlaufe ähnlich der Skibindung sollte entwickelt werden.
Segeln und Surfen sind Freizeitsportarten, die durch die Naturereignisse geprägt werden. Das Gleiten einer Jolle oder das Springen über die Wellen mit dem Surfbrett kann nur noch mit dem Tiefschneefahren verglichen werden. Wetteränderungen und Zunahme der Windgeschwindigkeit können jedoch erhebliche Gefahren mit sich bringen, sodass eine sorgfältige Ausbildung in Surfschulen zu empfehlen ist.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 2000; 97: A 39–42 [Heft 1–2]

Literatur
 1. Bornhäuser M, Rieckert H: Volume changes in fore-
arm-muscles during static work: a study on training
effects with windsurfers of the German Olympic team. Med Sci Res 1993, 21; 23: 881–883.
 2. Gosherger G: Windsurfen: Kopf und Knöchel schützen. 45. Jahrestagung der Vereinigten Süddeutschen Orthopäden, BadebBadeb 1997.
 3. Hinrichs HU: Kinderwindsurfen. In: Steinbrück K, ed.: Windsurfen. Erlangen: Perimed Fachbuch 1985; 90– 93 .
 4. Nehrer S, Engel A, Fasching W: Belastungen im Surfsport auf den Bewegungsapparat im Erwachsenen- und Kindesalter. Prakt Sporttraum und Sportmed 1988; 3: 32–34.
 5. Rieckert H: Sportmedizinische Aspekte beim Segeln und Surfen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 1993; 44 (7): 301–304 .
 6. Schönle C, Matthias HH: Prävention von Sportschäden beim Segeln und Windsurfen. Orthop Praxis 1990; 1: 57–63 .
 7. Schönle CH, Klaunig B, Rieckert H: Die körperliche Belastung beim Windsurfen. Mat Med Nordm 1981; 33: 117–131 .
 8. Schönle CH, Rieckert H: Cardiovascular reactions during exhausting isometric exercise while windsurfing on a simulator or at sea. Intern Journ of Sports Med 1983; 4 ( 4): 260–264 .
 9. Siewers M, Zellmann J: Verletzungsprofil beim Funboard-Windsurfen. TW Sport + Medizin 1994; 6: 242–247.
10. Siewers M: An injury profile for windsurfing. A sport medical analysis of the world’s best wind surfers. Int J of Sports Med 1999; 20 (1): 110.
11. Steinbrück K, Zewko T, Leonhardt T: Sportverletzungen und Sportschäden bei Windsurfern. In: Steinbrück, K, ed.: Windsurfen. Erlangen: Perimed-Verlag 1985; 28–34 .
12. Zitzmann Ch: Die physische und psychische Belastung im Regattasegelsurfen während Training und Wettkampf am Beispiel des bundesdeutschen Olympiakaders Segelsurfen. Dissertation Dtsch Sporthochschule Köln 1993.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Hans Rieckert
Abteilung Sportmedizin
Institut für Sport und Sportwissenschaften
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Olshausenstraße 40
24098 Kiel



Kontraindizierte Erkrankungen bei
Surfanfängern im Seniorenalter
- Koronare Herzkrankheit
- Unkontrollierter Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen wie zum Beispiel
– absolute Arrhythmie
– totaler a.V.-Block.
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
- Anfallsleiden
- Erkrankungen des Auges
- Nierenerkrankung mit erhöhtem Kreatinwert
- Akute und chronische Erkrankung des
Bewegungsapparats wie zum Beispiel
– Spondylolisthesis
– Status nach Bandscheibenvorfall
– Insertionstendopathien



Abteilung Sportmedizin, Institut für Sport- und Sportwissenschaften (Direktor: Prof. Dr. med. Hans Rieckert), Christian-Albrechts-Universität, Kiel


´Tabelle
Verletzungsarten in Abhängigkeit vom Revier
Muskel- Band- Sehnen- Haut- Prellung/ Verstau- Fraktur Sonstige
verletzung verletzung verletzung verletzung Quetschung chung
(Prozent) (Prozent) (Prozent) (Prozent) (Prozent) (Prozent) (Prozent) (Prozent)
Binnensurfer 6,25 6,25 – 43,7 31,3 6,25 6,25 –
Küstensurfer 3,2 14,5 4,8 37,1 17,7 1,6 6,5 14,5
Brandungssurfer 6,8 23,7 6 16,2 22,2 12 5,1 8,5



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