ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Leishmaniosen – Importierte Krankheiten: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Leishmaniosen – Importierte Krankheiten: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-49 / B-45 / C-45

Harms-Zwingenberger, Gundel

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Gundel Harms-Zwingenberger Prof. Dr. med. Ulrich Bienzle in Heft 31-32/2000
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LNSLNS Wir stimmen dem Beitrag von Herrn Schneider uneingeschränkt zu und möchten einige Aspekte weiter ausführen.
Die meisten der etwa 600 Sandmückenspezies, insbesondere die im Mittelmeerraum vorkommenden Spezies, sind in der Dämmerung und nachts aktiv. Ausnahmen sind südamerikanische Spezies, beispielsweise Lutzomyia wellcomi und Lu. olmeca. Die Mücken können jedoch tagsüber in abgedunkelten Räumen oder auch in Höhlen stechen (3).
Sandmücken sind windempfindlich und halten sich gern in der Nähe des Bodens auf. Aus diesem Grunde sind sie meist am Strand nicht anzutreffen, sondern ziehen sich hinter Häuserreihen zurück. Sandmücken brauchen mehrere Minuten für eine Blutmahlzeit, bevorzugen also einen ruhenden oder schlafenden Wirt. Ihr hüpfender Flug hindert sie daran, potenzielle Wirte zu verfolgen. Höher gelegene Schlafplätze sind daher ebenso mit einem geringeren Infektionsrisiko verbunden wie Bewegung.
Die Flugreichweite der Sandmücken wird in der einschlägigen Literatur meist als gering beschrieben. Tatsächlich können Sandmücken des Genus Phlebotomus eine Fluggeschwindigkeit von 2,4 km/h erreichen (1). Für Ph. ariasi, Vektor von Leishmania infantum in Frankreich, wird die Flugaktivität als eine Ursache für die geographische Verbreitung der Leishmaniosen erachtet (1). Die Flugaktivität ist auch bei Bewölkung, höherer Luftfeuchtigkeit und bei Weibchen erhöht, die nicht voll Blut gesogen sind.
Sandmücken sind sehr klein (1,3–3,5 mm Länge) und können durch die üblichen Moskitonetze von 1 mm Durchmesser Maschenweite hindurch schlüpfen. Es empfiehlt sich, engmaschige
(< 0,5 mm Maschenweite) Netze aus Naturfaser einzusetzen und diese zusätzlich zu imprägnieren.
Unbedeckte Hautstellen sollten bei Außenaktivitäten während der Dämmerung und nachts mit Insektenabwehrmitteln eingerieben werden. Sandmücken stechen gern in dünne Haut wie zum Beispiel Nasenrücken, Handrücken oder Knöchelregion. Wegen ihres kurzen Mundapparats können sie nicht durch Kleidung hindurch stechen.
Auch Hunde, die in endemische Urlaubsregionen mitgenommen werden, sollten vor Sandmücken geschützt werden. Dazu eignen sich spezielle Anti-Phlebotomen-Sprays für Hunde, und/ oder mit Deltamethrin imprägnierte Hundehalsbänder (2).
An dieser Stelle möchten wir auch darauf aufmerksam machen, dass die Durchseuchung von Hunden mit Leishmanien gerade im Mittelmeerraum und in Anrainerstaaten nicht unbeträchtlich ist (6 bis 40 Prozent). Welpen, die in guter Absicht aufgenommen und mitgebracht werden, erkranken dann oft erst in Deutschland.

Literatur
1. Killick-Kendrick R, Wilkes TJ, Bailly M et al.: Preliminary field observations on the flight speed of a phlebotomine sandfly. Trans Roy Soc Trop Med Hyg 1986; 80: 138–142.
2. Killick-Kendrick R, Killick-Kendrick M, Focheux et al.: Protection from dog bites of phlebotomine sandflies by deltamethrin collars for control of canine leishmaniasis. Med Vet Entomol 1997; 1: 105–111.
3. Lewis DJ und Ward RD: Transmission and vectors. In
Peters W, Killick-Kendrick R, eds.: The leishmaniases in biology and medicine. London: Academic Press 1987.

Priv.-Doz. Dr. med. Gundel Harms-Zwingenberger
Institut für Tropenmedizin und Medizinische Fakultät
Charité der Humboldt-Universität zu Berlin
Spandauer Damm 130
14050 Berlin
E-Mail: gundel.harms@charité.de

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