ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Frauen in der europäischen Geschichte

VARIA: Bücher

Frauen in der europäischen Geschichte

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-50 / B-36 / C-36

Bock, Gisela

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LNSLNS Geschichte
Natur und Würde der Geschlechter
Gisela Bock: Frauen in der europäischen Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag C. H. Beck, München, 2000, 393 Seiten, Leinen, mit Schutzumschlag, 48 DM
Ausgehend vom Geschlechterdiskurs ab dem Spätmittelalter („Ob die Weiber Menschen seyn oder nicht?“), geht die Autorin der Frage nach der Natur und Würde der Geschlechter, ihrem Verhältnis und ihrem Platz in der Gesellschaft nach. Da sich viele Jahrhunderte europäischer (Frauen-)Geschichte nicht in einem Buch erschöpfend darstellen lassen, wählte sie als roten Faden die so genannte querelle des sexes, also die „Debatte über die Frage, was Frauen, Männer, Geschlechter und was Menschen überhaupt sind“. Dabei beschränkt sie sich aber keineswegs auf das Nachzeichnen eines literarischen Diskurses. Vielmehr wird dieser in anschaulicher Weise an die historische Realität angebunden. Ausführlich befasst sie sich mit den Entwicklungen im Zeitalter von Amerikanischer (ab 1776) und Französischer Revolution (ab 1789), denn „mit dem Wandel und der Eskalation der männlichen Bestrebungen veränderten sich auch die weiblichen Hoffnungen, Forderungen, Visionen“.
Im 19. Jahrhundert ist die Geschichte der Frauen untrennbar mit der Geschichte der Frauenbewegung verbunden. Die diese Zeit prägende strikte Trennung von männlicher und weiblicher Sphäre, eine ausgeprägte Polarisierung der Geschlechterrollen, drückte sich eindrucksvoll in dem Spruch „Dem Mann der Staat, der Frau die Familie“ aus. Nun wurde die Frau nicht mehr als „minderwertiger Mann“, sondern als essenziell anderes Wesen betrachtet, eine Auffassung, die nicht zuletzt die expandierenden Wissenschaften (Anatomie, Gynäkologie, Anthropologie) stützten. Dieses Modell war aber nicht allgemein akzeptiert, was sich schon aus der Fülle der Schriften zur „Frauenfrage“ ablesen lässt, welche die Autorin vor dem Hintergrund der sozio-ökonomischen Umwälzungen der Zeit (Pauperismus, Verstädterung, Industrialisierung, Veränderung der Familie und der Sozialbeziehungen) und für die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten interpretiert.
Die Erörterung neuer Debatten um „bürgerliche, politische und soziale Rechte“ nach 1945 in West und Ost (Bildung, Erwerbstätigkeit, Feminismus, Frauengeschichtsforschung) schließt dieses sehr anschaulich geschriebene Buch ab.
Hedwig Herold-Schmidt
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