ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Onkologie: Höhere Hb-Werte begünstigen Prognose

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Onkologie: Höhere Hb-Werte begünstigen Prognose

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-52 / B-44 / C-44

Wehr, Alexander

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LNSLNS Hypoxie im Tumorgewebe reduziert Strahlen- und Chemosensitivität.


Die Versorgung von Tumorgewebe mit ausreichend Sauerstoff ist offenbar ein kritischer Parameter in der onkologischen Therapie. Bekannt ist, dass hypoxische Tumorareale resistenter gegenüber einer Therapie sind und auch eine höhere genetische Instabilität aufweisen.
Diese Faktoren können zu einer rascheren Tumorprogression und Metastasierung beitragen. „Die Tumorhypoxie ist ein bedeutender Faktor in der Krebstherapie“, betonte Prof. Jürgen Dunst (Halle) bei einer Veranstaltung der Firma Janssen-Cilag während der Tagung der European Society of Medical Oncology in Hamburg.
Die Hb-Konzentrationen sollten immer auf einem Wert über 12 g/dl gehalten werden, so Dunst. Sinkt die Konzentration unter einen kritischen Wert von 11 g/dl, wird das Tumorgewebe nicht mehr suffizient mit Sauerstoff versorgt. Dunst verwies auf die Ergebnisse einer klinischen Studie, die an der Strahlenklinik Halle bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren durchgeführt wurde. Demnach kann man davon ausgehen, dass bereits eine milde Anämie zu einer klinisch relevanten, starken Hypoxie im Tumorgewebe führt.
Bei Hypoxie dreifache Strahlendosis erforderlich
Bei kritisch niedrigen Hb-Werten gelangt zwar noch ausreichend Sauerstoff in das gesunde Gewebe, das Tumorgewebe reagiert jedoch sehr sensibel auf den Sauerstoffmangel. Dieser äußert sich vor allem in einer reduzierten Strahlen- und Chemosensitivität, so der Experte. Die Erfahrung zeigt, dass ein hypoxischer Tumor in etwa die dreifache Strahlendosis benötigt. Dies aber kann dem Patienten nur schwer zugemutet werden.
Dunst empfiehlt daher eine Therapie mit rekombinantem humanem Erythropoetin (rHuEpo, Erypo®), um so einen kritisch niedrigen Hb-Wert langsam, aber stetig auf Werte über 11 g/dl zu heben. Diese Empfehlung steht in Einklang mit den Ergebnissen einer kanadischen Studie mit strahlentherapierten Krebspatienten. Hier zeigte sich, dass hohe Hb-Konzentrationen die Prognose und auch die Lebensqualität der Patienten deutlich verbesserten, und zwar unabhängig vom Ausgangswert.
Aus klinischer Sicht ist wichtig, dass die hohen Hb-Ausgangswerte auch über einen möglichst langen Zeitraum auf einem hohen Niveau gehalten werden. Interessant ist auch, dass die mediane Überlebenszeit von Patienten, die mit Erythropoetin behandelt wurden, verglichen mit unbehandelten Patienten, deutlich länger ist. Hierauf wies Prof. Matti Aapro (Genolier/Schweiz) hin.
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Wichtig scheint jedoch zu sein, dass die bessere Sauerstoffversorgung des Tumors zu einem besseren Outcome führte. Darüber hinaus, so Aapro, sind mit Erythropoetin behandelte Patienten in einer besseren körperlichen Verfassung und deshalb möglicherweise eher bereit, das verordnete Therapieschema vorschriftsgemäß einzuhalten. Alexander Wehr
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