ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2001Mitteilungen: Neuer Gehaltstarifvertrag für Arzthelferinnen

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: Neuer Gehaltstarifvertrag für Arzthelferinnen

Dtsch Arztebl 2001; 98(1-2): A-61 / B-47 / C-47

Bristrup, Rosemarie; AAA

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LNSLNS Die Tarifvertragsparteien haben sich am 24. 11. 2000 auf eine 2 %ige Erhöhung der Gehälter im Westen, auf eine Anhebung der Tarifgehälter im Osten von 81,5 Prozent auf 83 Prozent und auf höhere Ausbildungsvergütungen im Westen und im Osten geeinigt. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit vom 1. 1. bis 31. 12. 2001. Eine Nachzahlung für die seit Auslaufen des letzten Gehaltstarifvertrages vergangenen drei Monate (Oktober–Dezember 2000) ist nicht vorgesehen. Die Ausbildungsvergütungen im Westen wurden um gleichmäßig 20 DM je Ausbildungsjahr angehoben (dies entspricht ebenfalls im Durchschnitt einer rund 2 %igen Erhöhung); sie betragen jetzt 930/1 010/1 095 DM. In den neuen Bundesländern betragen die Ausbildungsvergütungen nach Erhöhungen um 40 DM im 1. und je 10 DM im 2. und 3. Ausbildungsjahr nunmehr 740/880/965 DM.
Die Arbeitnehmerorganisationen (Berufsverband der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen, Deutsche Angestellten-Gewerkschaft, Verband weiblicher Arbeitnehmer und Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr) hatten folgende Forderungen aufgestellt:
- Erhöhung der Tarifgehälter im Westen um 4 Prozent.
- Anpassung der Gehälter in den neuen Bundesländern an die Tarifgehälter im Westen.
- Anhebung der Ausbildungsvergütungen zwischen 40 und 50 DM in den alten Bundesländern und zwischen 90 und 110 DM in den neuen Bundesländern.
- Gespräche zu Veränderungen der Tätigkeitsgruppen sowie zur Aufnahme einer Regelung zur betrieblichen Altersversorgung in den nächsten Manteltarifvertrag.
Aus Sicht der Arbeitgebervertreter (Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen – AAA) stellt nach wie vor die Grundlohnsummen-Zuwachsrate gemäß Solidaritätsstärkungs-Gesetz ein zentrales Orientierungsdatum für Tariferhöhungen dar. Gehaltssteigerungen können nur aus dem den niedergelassenen Ärzten zur Verfügung stehenden Honorarvolumen finanziert werden; die Zuwachsrate wurde bekanntlich für das Jahr 2000 auf 1,43 Prozent festgelegt. Auch den Arbeitgebervertretern ist allerdings klar, dass der damit zur Verfügung stehende Spielraum für eine angemessene Vergütung der Arzthelferinnen als einer unverzichtbaren Berufsgruppe für eine qualitativ hoch stehende Patientenversorgung im ambulanten Bereich sehr gering ist. Mittelfristig muss deshalb darauf hingewirkt werden, dass in Analogie zur Regelung im Krankenhausbereich eine für den ambulanten Bereich parallele Regelung zum Tragen kommt, wonach der über die Grundlohnsummensteigerungsrate hinausgehende Teil der Tarifabschlüsse von den Krankenkassen refinanziert wird. – Mit Blick auf Tariferhöhungen in anderen Wirtschafts- und Tarifbereichen, die in diesem Jahr bei rund 2,5 Prozent liegen, und unter Berücksichtigung der drei Nullmonate in 2000 ist somit ein Tarifabschluss in der vereinbarten Größenordnung unter Budgetbedingungen gerade noch vertretbar.
Mit Blick auf die Zukunft und die zurzeit laufende Rentendiskussion greifen Überlegungen zum Aufbau einer langfristigen Altersversorgung zunehmend Raum. Ungeachtet sozialpolitischer Erwägungen hätte dies auch steuerliche Vorteile. Besonders für die Bindung von Arzt-
helferinnen an ihre Arbeitgeber und in Anbetracht der zunehmenden Zahl von Arzthelferinnen, die nach kurzen Unterbrechungsphasen den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben suchen, könnte dies eine für beide Parteien günstige Option darstellen. Die Tarifvertragsparteien haben deshalb die Aufnahme von Gesprächen hierzu im kommenden Frühjahr vereinbart.
Trotz der bekanntermaßen schlechten wirtschaftlichen Situation vieler ostdeutscher Praxen wurde eine gleichzeitige moderate Anhebung der Tarifgehälter im Vergleich zum Westen um 1,5 Prozent vereinbart. Dies war mit Blick auf die Entwicklung im gesamtwirtschaftlichen und tarifpolitischen Raum und in Anbetracht des vergleichsweise niedrigeren Personalkostenanteils an den Praxiskosten im Vergleich zu den alten Bundesländern angemessen.
Durch eine überproportionale Anhebung der Ausbildungsvergütung für das 1. Ausbildungsjahr Ost wurde die immer noch bestehende Schieflage zur Eingangsstufe im Westen etwas korrigiert. Die leicht gestiegenen Zahlen bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zum 30. 9. 2000 geben zur Hoffnung Anlass, dass eine Steigerung in dieser Größenordnung verkraftbar ist.
Insgesamt zeigt sich bei einer unterdurchschnittlichen Arbeitslosensituation bei Arzthelferinnen, bezogen auf den Bundesdurchschnitt, zumindest im Westen eine starke Nachfrage nach qualifiziertem Personal. Offensichtlich hat der Rationalisierungsschub von 1996 bis 1998 zu einer starken Ausdünnung der Personaldecke geführt. Qualifiziertes Personal steht auf dem Arbeitsmarkt zurzeit nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung. Hier bedarf es langfristiger Perspektiven, um motivierte Arzthelferinnen an die Praxen zu binden. Nach Meinung der ärztlichen Arbeitgeber wird mit dem oben dargestellten Weg die richtige Richtung eingeschlagen. Rosemarie Bristrup/AAA
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