ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2001Andrea Fischer: Engagiert und glücklos

POLITIK

Andrea Fischer: Engagiert und glücklos

Dtsch Arztebl 2001; 98(3): A-74 / B-62 / C-61

Maus, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Budgetierung überschattete die zweijährige Amtszeit.

Am 27. Oktober 1998 leistete Andrea Fischer den Amtseid. Am 9. Januar 2001 erklärte die erste grüne Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin ihren Rücktritt. Diese beiden Daten markieren Anfang und Ende einer gesundheitspolitisch ambitionierten Ära, deren hoch gesteckte Ziele nicht erreicht wurden.
Die jüngste Ministerin im Kabinett von Gerhard Schröder ist nicht über die eigentliche Gesundheitspolitik gestolpert. Aber auf diesem zentralen Feld ihres Ressorts waren die Fronten schließlich derart verhärtet, dass eine allgemein akzeptierte Weiterentwicklung des Gesundheitswesens kaum mehr zu erwarten war.
Bei ihrem Amtsantritt hatte Andrea Fischer wiederholt Dialogbereitschaft erklärt. Tatsächlich paukte die grüne Ministerin ohne Not bereits in den ersten zwei Monaten das GKV-Solidaritätsstärkungsgesetz durch. Sie behielt damit die Budgetierung, die Horst Seehofer hatte auflockern wollen, nicht nur bei, sondern zog die Zügel noch stärker an. Ärzte und Angehörige weiterer Gesundheitsberufe reagierten mit bundesweiten Protesten, die in der Folgezeit an Schärfe zunahmen.
Die Gesundheitsreform 2000 brachte weder den erhofften großen Wurf noch eine Entspannung im Dauerstreit mit den Leistungserbringern, insbesondere den Kassenärzten. Zwar bot die Reform neue Ansätze – etwa die Einführung eines fallbezogenen Entgeltsystems in den Krankenhäusern oder die Integrationsversorgung. Doch Fischers Credo von der fortgesetzten Budgetierung ließ alles andere in den Hintergrund rücken. Die unausweichliche Folge: die schleichende Rationierung medizinischer Leistungen.
Andrea Fischer hinterlässt das Gesundheitswesen keineswegs als Trümmerfeld. Die GKV-Finanzen sind (noch) relativ gesund. Der Stillstand in der Gesundheitspolitik verlangt jedoch nach neuen Impulsen.
Josef Maus
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema