ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2001Max-Planck-Gesellschaft: Regeln für Forscher

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Max-Planck-Gesellschaft: Regeln für Forscher

Dtsch Arztebl 2001; 98(3): A-89 / B-73 / C-72

Maes, Hans-Joachim

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LNSLNS Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit sind unabdingbare Elemente wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat am 24. November 2000 neue „Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ beschlossen. Mit diesen werden die Empfehlungen der MPG vom Januar 1998 den Forschungsbedingungen der Gesellschaft angepasst; sie sind für alle Mitarbeiter verbindlich.
Die MPG konkretisiert die Umsetzung der „Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit“ in ihren Instituten. Die jeweilige Leitung muss „Aufsicht, Konfliktregelung und Qualitätssicherung“ organisatorisch und inhaltlich sichern, was „Sachkenntnis, Präsenz und Überblick“ voraussetze. Besondere Bedeutung misst die MPG der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuches zu. Durch „zum Beispiel regelmäßige Kolloquien“ soll die Ausbildung der jungen Wissenschaftler zur Selbstständigkeit gefördert werden. Sie sollen lernen, dass der primäre Test eines wissenschaftlichen Ergebnisses dessen Reproduzierbarkeit ist: „Je überraschender, aber auch je erwünschter ein Ergebnis ist, desto wichtiger ist . . . die unabhängige Wiederholung des Weges zum Ergebnis in der Forschungsgruppe, bevor es nach außen weitergegeben wird.“
Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit
Bei der MPG wird es künftig Ombudspersonen geben, die bei Konfliktfällen beratend zur Verfügung stehen. In Kraft bleiben die 1998er-Regeln zur Einleitung eines Untersuchungsverfahrens bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten; diese sehen drastische Maßnahmen bis hin zur Einleitung strafrechtlicher Schritte vor.
Neu ist die Bestimmung, dass Primärdaten mindestens zehn Jahre aufbewahrt werden müssen und „berechtigte Interessenten“ Zugang zu diesen erhalten können.
Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit gelten der MPG als unabdingbare Elemente jeder wissenschaftlichen Veröffentlichung. Doubletten sollen vermieden werden; so wird formuliert, „bereits zuvor veröffentlichte Ergebnisse sollten nur insoweit wiederholt werden, als es für das Verständnis des Zusammenhangs notwendig erscheint“. Die „Ehrenautorenschaft“ bezeichnet die MPG als unzulässig. Als Mitautor darf künftig nur genannt werden, wer tatsächlich „wesentlich beigetragen und seiner Veröffentlichung zugestimmt hat“.
Axiome erkennbar machen
Die MPG spricht schließlich eine Kernfrage der Wissenschaft an: Die Existenz von Axiomen, die in eine Darstellung eingehen können, ohne dass dies erkennbar wird. Die MPG fordert von ihren Mitarbeitern: „Bewusstmachen stillschweigender axiomatischer Annahmen; Kontrolle von aus eigenem Interesse oder selbst moralisch motiviertem Wunschdenken; systematische Aufmerksamkeit für mögliche Fehldeutungen infolge der methodisch beschränkten Erfassbarkeit des Forschungsgegenstandes (Übergeneralisierung).“
Es ist zu hoffen, dass Theorie und Praxis der MPG auch andere anregen, die Grundlagen der eigenen Arbeit und die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung zu reflektieren. Manche mögen sich vom bemerkenswert aufklärerischen Optimismus der MPG inspirieren lassen, die formuliert:
„Auch wenn Unredlichkeit in der Wissenschaft durch Regelwerke nicht vollständig verhindert werden kann, so können entsprechende Vorkehrungen doch gewährleisten, dass allen am Forschungsgeschehen Beteiligten die Normen guter wissenschaftlicher Praxis regelmäßig bewusst gemacht werden.“ Hans-Joachim Maes
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