ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2001Fallpauschalen: Krankenhäuser unter Zeitdruck

THEMEN DER ZEIT

Fallpauschalen: Krankenhäuser unter Zeitdruck

Dtsch Arztebl 2001; 98(3): A-91 / B-77 / C-77

Grün, Claus Peter Müller von der

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS DRGs werden das Preisniveau senken.

Die Politik übt Druck auf die Selbstverwaltung und die Krankenhausverbände aus. Weil sich die Bundesregierung das Wahljahr 2002 nicht mit einer Diskussion um eine weitere Etappe zur Gesundheitsreform belasten will, sollen die gesetzlichen Vorbereitungen zur Einführung des neuen Entgeltsystems auf der Basis von Diagnosis Related Groups (DRG) bis zum Juni 2001 im Bundeskabinett und bis Ende des Jahres 2001 im Bundestag getroffen sein. Dies hat Ministerialrat Karl Heinz Tuschen, Leiter des Krankenhausreferates im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, vor 300 Krankenhausmanagern bei der „6. f & w-Kompass-Konferenz“ in Kassel Anfang Dezember 2000 verdeutlicht.
Jörg Robbers, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG), warf der Bundesregierung „blinde Zeitwut“ vor. Die DKG wolle keine Budgetierung mit einem floatenden Punktwert. Es werde mit dem DRG-System zu einem „modifizierten Ist-Zustand“ oder zu mehr Wettbewerb kommen.
Der Vorstandsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Eugen Münch, Neustadt/Saale, prognostizierte, wenn der Wettbewerb nicht einsetze, werde es im Gesundheitssicherungssystem zu Rationierungen kommen. Die Privatkliniken würden dann eine Versicherung mit GKV-Leistungen anbieten, was zu einer Flucht aus dem System führen würde. „Wo ein Markt ist, findet sich eine Lösung“, sagte Münch.
Tuschen spekulierte, dass es mit der Einführung des DRG-Systems Gewinner und Verlierer gebe, denn es gelte nicht, durch eine „allgemeine Deckelung das System auf heutiges Niveau runterzufahren“. Ziel sei es, das durchschnittliche Preisniveau zu senken, damit für die Krankenkassen kein „Nullsummenspiel“ herauskomme. Der DRG-Preis werde also nicht „der normale Durchschnittspreis“ sein. Der Ministerialbeamte ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Politik dem Anreiz, die Mengen zu steigern, um mehr Festpreise abzurechnen, entgegenwirken werde.
Schon bevor der Patient im Krankenhaus aufgenommen werde, sei die Menge zu begrenzen. Dies könne durch die Zertifizierung der Krankenhäuser geschehen oder durch das Fallmanagement der Krankenkassen. Auch könne der Festpreis mit einer Mengendegression verknüpft oder der DRG-Preis als Höchstpreis interpretiert werden, den die Krankenhäuser unterbieten könnten. Es gebe keinen „Königsweg“ zur richtigen Vergütung, sondern nur „zweit- oder drittbeste Lösungen“. Tuschen räumte ein, dass die Frage, wie die Krankenhäuser die Behandlungspflicht und den Vergütungsanspruch in Einklang bringen werden, offen sei.
Zuschläge nur in Ausnahmefällen
Zuschläge im DRG-System soll es nur in begründeten Fällen geben, wenn Krankenhäuser zum Beispiel Leistungen für Schwerstbrandverletzte vorhielten. Nur weil „Universität“ am Türschild stehe, gebe es keine Aufbesserung. Tuschen: „Wenn der Nachbar dieselbe Leistung ohne Zuschlag erbringen kann, gibt es keinen Zuschlag.“ Tuschen forderte die Krankenhäuser auf, sich zu spezialisieren und sich zu Anbietern besonderer Leistungskombinationen zusammenzuschließen. Dann hätten auch kleine Krankenhäuser eine Überlebenschance.
Nach einer Umfrage der Fachzeitschrift „f & w führen und wirtschaften im Krankenhaus“ (Bibliomed Verlagsgesellschaft mbH, Melsungen), an der sich 250 Krankenhäuser beteiligten, erwarten 58 Prozent der Kliniken, dass ihre Liquidität kurzfristig sinken wird. 48 Prozent erwarten, dass ihre Belegung mit Patienten konstant bleiben wird; nur 32 Prozent rechneten mit einer Steigerung. Im Jahr 1999 hatten noch 41 Prozent der Krankenhäuser eine bessere Belegung erwartet. Im Jahr 2000 erwarteten 80 Prozent der Krankenhäuser, dass die Verweildauer sinken wird. 61 Prozent der Kliniken rechneten mit einem abgeschwächten Betriebsergebnis; 34 Prozent hingegen mit einem konstanten Ergebnis.
In den mittleren Krankenhäusern mit 301 bis 500 Betten erzielten die Geschäftsführer und Verwaltungsdirektoren die höchsten Gehälter. In dieser Gruppe verdiente die Hälfte der Spitzenverdiener mehr als 200 000 DM jährlich. In Krankenhäusern mit mehr als 500 Betten erhielten nur 44,4 Prozent eine Jahresbruttovergütung von mehr als 200 000 DM. In den Kliniken mit 201 bis 300 Betten betrug der Anteil der höher Verdienenden 24 Prozent und in den Krankenhäusern mit 200 Betten 11,4 Prozent. (In Deutschland gibt es zurzeit rund 2 252 Akutkrankenhäuser mit circa 100 „Spitzenverdienern“.)
Im Vergleich der Jahre 1998/99 haben die Stationen für Lungenheilkunde die Zahl der behandelten Fälle um 14 Prozent erhöht. In der Inneren Medizin stieg die Fallzahl um zwölf und in der Neurologie um neun Prozent. Dagegen gingen die Fallzahlen in der Hämatologie um zehn und in der Rheumatologie um neun Prozent zurück. Hiervon unterschied sich die Umsatzentwicklung. Herzchirurgie und Orthopädie (je + 12,7 Prozent) bauten ihren Umsatz ebenso wie die Geburtshilfe (+ sechs Prozent) aus. Die Gefäßchirurgie musste dagegen eine Einbuße um fünf Prozent und die Innere Medizin – trotz gestiegener Fallzahlen – eine um drei Prozent hinnehmen. Claus Peter Müller von der Grün
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema