ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2001Palliativmedizin: Selbstausbeutung

BRIEFE

Palliativmedizin: Selbstausbeutung

Dtsch Arztebl 2001; 98(3): A-99 / B-84 / C-84

Dauses, Elfriede

Zu dem Beitrag „Krebskranken ein Sterben zu Hause ermöglichen“ von Dr. med. Thomas Schindler et al. in Heft 41/2000 und dem Leserbrief „,Vorsintflutliche‘ Landarztmedizin“ von Axel-R. Kantner in Heft 50/2000:
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LNSLNS . . . Selbst im jugendlichen Alter von 43 Jahren, in dem man noch vor Idealismus glüht und noch alles machbar erscheint, kann dieses Konzept nur funktionieren, wenn man keine Familie hat. Aber dann braucht man, ebenfalls praktisch rund um die Uhr, bezahlte Kräfte für so völlig unheroische (und unbedankte!) Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen und nicht zuletzt Kloputzen und Müllentfernen. Und hat einer/eine, der/die sich seinen (Schein-)Heiligenschein auf diese Weise verdient, statt bezahlter Kräfte dann gar noch Familie, dann muss er/sie schon verdammt hart gesotten sein, um nicht in Konflikt zu geraten. Oder aber, die Familie „funktioniert“ pausen- und reibungslos, dann muss er aber glatt die himmlische Heerschar selbst statt einer Otto-Normalverbraucher-Familie im Haus haben: beneidenswert, aber Dank und Bewunderung gebühren dann eben nur dieser!
Dass Krebskranke nicht in der Lage und willens sein sollten, nachts und am Wochenende einen Kollegen vom Notdienst in Anspruch zu nehmen, zumal ja wohl selbst bei Suizidalen nicht über Monate hinweg täglich zwei intensive Gespräche erforderlich sind, und sie überwiegend sehr wohl verstehen, dass „ihr“ Arzt auch ein Privatleben hat und deswegen ja keineswegs aus der Welt ist, halte ich aus meiner langjährigen Erfahrung sowohl mit eigenen Patienten als auch aus meiner ganz persönlichen Erfahrung mit meinen eigenen an „Krebs“ erkrankten und verstorbenen Eltern für narzisstische Selbstüberschät-
zung. Deshalb muss klar festgestellt werden: sich selbst und/oder seine Familie auszubeuten ist kein Verdienst, sondern eine Sucht! Und damit bestenfalls krankhaft . . .
Dr. med. Elfriede Dauses, Theatergassen 8, 96047 Bamberg
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