ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2001e-DOCS: Pragmatischer Ansatz

VARIA: Wirtschaft

e-DOCS: Pragmatischer Ansatz

Dtsch Arztebl 2001; 98(3): A-126 / B-106 / C-104

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Patientenakte im Internet ist ein viel diskutiertes Thema. In den USA werden technisch einfache Lösungen bereits genutzt.

Die auf Internet-Technologie basierende, strukturierte elektronische Patientenakte als übergreifende Lösung liegt in Deutschland aufgrund der hohen (sicherheits)technischen und organisatorischen Anforderungen sowie fehlender Standards und Schnittstellen noch in weiter Ferne. Anders in den USA: Hier sind Firmen mit pragmatischen – das heißt weniger umfassenden und technisch unaufwendiger konzipierten – Lösungen bereits auf dem Markt.
Die US-amerikanische Firma e-DOCS beispielsweise bietet seit 1994 internetbasierte B2B-(Business to Business-) Services für den Gesundheitsbereich an. Das Unternehmen ist in vier US-Staaten präsent und übernimmt dort für rund 1 600 Ärzte die Abwicklung diktierter medizinischer Krankenberichte. Mit der Verwaltung von circa 463 000 medizinischen Aufzeichnungen pro Jahr hat das Unternehmen im vergangenen Jahr 2,75 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt. Der US-amerikanische Markt für diese Dienstleistung liegt bei sieben Milliarden US-Dollar mit jährlichen Wachstumsraten von 15 bis 20 Prozent. Rund 1 500 Firmen sind in diesem stark fragmentierten Markt tätig.
Innerhalb von nur drei Jahren will e-DOCS seine Umsätze auf rund 29 Millionen US-Dollar verzehnfachen. Dazu soll der Ausbau eines
weiteren Geschäftsfeldes beitragen: das e-DOCS Physi-
cian Network (EPN, siehe www.e-docs.net). Über dieses Ärzte-Netzwerk und ein internetbasiertes Dokumenten-Managementsystem können Ärzte ihre komplette medizinische Dokumentation organisieren, archivieren und rund um die Uhr abrufen.
Um eine hohe Anwenderakzeptanz zu erreichen und zugleich die Möglichkeiten des Internets zu nutzen, wurde ein System entwickelt, das an die Arbeitsweise der Ärzte angepasst ist: Ausgangspunkt ist der Patientenkontakt und die Dokumentation für die Krankenakte, die häufig noch per Hand erfolgt. Da die EDV-Ausstattung bei den niedergelassenen Ärzten in den USA oftmals auf eher niedrigem Niveau liegt, wird neben
der elektronischen Datenübermittlung per Computer vorrangig das Fax zur Datenübertragung genutzt, um die handschriftlichen Aufzeichnungen des Arztes zu sammeln und für die medizinische Dokumentation aufzubereiten. Die Fax-Dokumente werden eingescannt und können von einem zentralen Server im Internet abgerufen werden. Die elektronische Übertragung von medizinischem Bildmaterial wird dabei allerdings nicht berücksichtigt.
Die Datenhaltung und -übermittlung erfolgt nach den Regeln des Health Information Portability und Accountability Act (HIPAA), der Standards für die Übermittlung von Abrechnungsinformationen sowie einheitliche Identifikatoren für Patienten, Institutionen und Maßnahmen im Gesundheitswesen definiert hat und Regeln für die Vertraulichkeit bei der Datenübertragung entwickelt. Letztere ist im EPN durch eine 128-Bit-Verschlüsselung geschützt. Durch regelmäßige Daten-Backups und Datenspiegelung wird sichergestellt, dass Datenverluste ausgeschlossen sind.
Der Zugriff auf die Daten ist ausschließlich dem Arzt vorbehalten. Für die unbegrenzte Nutzung dieses Dienstes zahlt der Arzt 75 US-Dollar monatlich. Über das EPN stehen darüber hinaus weitere Dienstleistungen zur Verfügung, etwa der Abruf von Arzneimittelinformationen. Bis Ende 2001 sollen über das Netz auch Arzneimittel (für die in den USA in großem Umfang praktizierte Abgabe von Pharmamustern) bestellt werden können, die dem Arzt bereits am darauf folgenden Tag zugestellt werden sollen.
e-DOCS hat seit Ende 2000 die Zulassung für den Handel im Freiverkehr an der deutschen Börse (Informationen: www.wlp-invest.com) und sucht über ein Joint Venture den Zugang zum deutschen Markt. KBr


Die Homepage des e-DOCS-Ärzte-Netzwerkes


Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema