ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2001Anschlussqualifizierung für Ärztinnen: Marktlücke - Gentechnik

POLITIK

Anschlussqualifizierung für Ärztinnen: Marktlücke - Gentechnik

Dtsch Arztebl 2001; 98(3): A-84 / B-70 / C-69

Richter, Eva A.

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LNSLNS Arbeitslose Akademikerinnen werden an der Universität Leipzig auf dem Gebiet der Bio- und Gentechnologie ausgebildet.

Viele junge Ärztinnen können ein Lied davon singen: Nach der Mutterschutzzeit haben sie häufig Schwierigkeiten, wieder in das Berufsleben einzusteigen. Oftmals fehlt ihnen nur eine zusätzliche Qualifikation. Um dies zu ändern, startete Anfang Januar an der Universität Leipzig ein bundesweit einmaliges Projekt, bei dem 20 arbeitslose junge Akademikerinnen auf dem Gebiet der Bio- und Gentechnologie ausgebildet werden. In diesem jungen und boomenden Berufszweig werden dringend qualifizierte Arbeitskräfte gesucht. Nach der Ausbildungszeit von einem Jahr haben die Medizinerinnen, Biologinnen, Chemikerinnen und Biochemikerinnen sehr gute Chancen, einen Arbeitsplatz als Laborleiterin in Industrie und Klinischer Forschung zu finden. Das vom European Social Fonds (ESF) genehmigte Projekt „Anpassungsqualifizierung Genexpressionsanalyse“ mit einem Förderungsvolumen von 1,5 Millionen DM ist noch offen für Interessierte.
Biotechnologie – idealer Berufszweig für Frauen
Ins Leben gerufen hat dieses Projekt eine junge Pathologin der Universität Leipzig, Priv.-Doz. Dr. med. Andrea Tannapfel. Als sie feststellte, dass für ein Drittmittelprojekt trotz intensiver Bemühungen keine geeigneten Mitarbeiter zu finden waren, machte sie aus der Not eine Tugend. Sie beantragte beim ESF Weiterbildungsstellen für junge Akademikerinnen, um diesen den Einstieg in die Genforschung zu ermöglichen. „Ähnliche Projekte sollten auch in anderen Städten laufen“, wünscht sich Tannapfel. Der Bedarf an Biotechnologen sei in Deutschland bei weitem noch nicht gedeckt.
„In den biowissenschaftlichen Berufen hat in den letzten Jahren ein Strukturwandel hin zu den molekularen und gentechnischen Methoden stattgefunden, für den Studienabgänger vergangener Jahre nicht gerüstet sind“, beschreibt Prof. Dr. med. Volker Bigl, Rektor der Universität Leipzig, seine Erfahrungen. Das führe zu der absurden Situation, dass es trotz hoher Arbeitslosigkeit in den genannten Berufsgruppen an qualifizierten Arbeitskräften mangele. Diese Situation könnte sich in den nächsten Jahren noch verstärken. „Die medizinisch orientierte Biotechnologie ist auf dem Weg, zu einem wesentlichen Entwicklungsschwerpunkt im Freistaat Sachsen zu werden“, glaubt Bigl. Das sächsische Staatsministerium geht davon aus, dass im Dienstleistungssektor Gentechnik im Jahr 2005 etwa 500 Fachkräfte allein in Leipzig benötigt werden. Gerade für Frauen sind die biotechnologischen Arbeitsplätze ideal: flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeitsstellen ermöglichen es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.
Die methodische Palette hat sich in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Gendiagnostik deutlich erweitert. Bald werden die neuen Methoden zur klinischen Routine gehören. Bereits jetzt ist es möglich, durch eine Blutprobe Hunderte von Mutationen zu screenen beziehungsweise die Aktivität von Genen auf m-RNA- und Proteinebene zu verfolgen. Die Akademikerinnen erhalten deshalb am Institut für Pathologie der Universität Leipzig eine umfangreiche praktische und theoretische Ausbildung in der Genanalytik. „Sie erlernen die modernen biotechnologischen Methoden der DNA-Analytik, der quantitativen PCR (Polymerasekettenreaktion) sowie die computergesteuerten Verfahren der molekularen Genchip-Analytik“, erläutert Prof. Dr. med. Christian Wittekind, Direktor des Institutes. Auf dem Lehrplan stehen ferner Computeranalytik, Statistik, Fachenglisch und Gentechnikrecht sowie Patentrecht und Existenzgründungsrecht. Die Kursteilnehmerinnen üben während ihrer Ausbildung nicht nur, sondern erbringen einen eigenständigen Forschungsanteil, indem sie Genanalysen von Karzinomen durchführen und publizieren. Dr. med. Eva A. Richter


Derzeit erlernen 20 Frauen am pathologischen Institut der Universität Leipzig die neuesten Methoden der Gentechnik.
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