ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Psychotherapeutische Vergütung: Kritik an der Kalkulation

POLITIK

Psychotherapeutische Vergütung: Kritik an der Kalkulation

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-149 / B-125 / C-121

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Bundesministerium für Gesundheit fordert den
Bewertungsausschuss auf, seinen Beschluss zu korrigieren.

Unerwartete Unterstützung erhielten die Psychologischen Psychotherapeuten und ausschließlich psychotherapeutisch tätigen Ärzte aus dem – bis dahin noch von Andrea Fischer geführten – Bundesministerium für Gesundheit (BMG). In einem Brief an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und an die gesetzlichen Krankenkassen kritisiert das Ministerium den Beschluss des Bewertungsausschusses gemäß § 87 Abs. 1 Satz 1 SGB V vom 16. Februar 2000: Dieser entspreche nicht „der gesetzlichen Vorgabe, eine angemessene Vergütung je Zeiteinheit zu gewährleisten“ und müsse deshalb korrigiert werden.
Der Beschluss legte Kriterien für die Berechnung eines Mindestpunktwerts für zeitgebundene genehmigungspflichtige psychotherapeutische Leistungen fest, der im Bundesdurchschnitt bei 7,5 Pfennig liegt. Die Berechnungen des Bewertungsausschusses wurden von den Psychotherapeutenverbänden wiederholt kritisiert, da der Mindestpunktwert nicht dem im Urteil des Bundessozialgerichts (25. August 1999) geforderten Punktwert von zehn Pfennig entspricht. Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (BVVP), Freiburg, legte dem BMG ein Gutachten einer beauftragten Unternehmensberatung vor. Der Brief des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terums ist eine Reaktion darauf.
Das Ministerium beanstandet unter anderem als „nicht sachgerecht“, dass die Kalkulation der Betriebsausgaben psychotherapeutischer Praxen nicht auf den Sollumsätzen beruhe, sondern auf den regionalen Ist-Erlösen des Jahres 1998. Das führe dazu, dass die durchschnittlichen kalkulatorischen Betriebsausgaben je nach Kassenärztlicher Vereinigung regionale Unterschiede zwischen 22 000 DM und 66 000 DM aufwiesen. Außerdem werden die im Beschluss des Bewertungsausschusses angeführten Vergleichsparameter zwischen Allgemeinmedizinern und Psychotherapeuten angezweifelt. Ein Psychotherapeut könne nur bei optimaler Auslastung seiner Praxis den Ertrag erzielen, den ein Facharzt für Allgemeinmedizin mit durchschnittlicher Auslastung im Jahr 1998 erzielen konnte. Ein Psychotherapeut mit bloß durchschnittlicher Auslastung werde daher hinter den Erträgen eines durchschnittlich ausgelasteten Allgemeinarztes zurückbleiben. Das BMG wirft dem Bewertungsausschuss vor, „selektiv zuungunsten der Psychotherapeuten“ vorgegangen zu sein.
KBV-Honorardezernent Dr. med. Andreas Köhler weist gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt darauf hin, dass der Bewertungsausschuss inzwischen für 2001 für die kalkulatorischen Betriebsausgaben eine Untergrenze in Höhe von 32 000 DM beschlossen habe. Somit pendeln die regionalen Unterschiede nur noch zwischen 32 000 und 66 000 DM. Die übrigen Kritikpunkte könnten erst beurteilt werden, sobald „valides Datenmaterial für das Jahr 2000 vorliegt“, betonte Köhler.
„Ohrfeige für den Bewertungsausschuss“
Nicht einverstanden mit der Beanstandung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums ist der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. Sollte sich der Punktwert von zehn Pfennig für die Psychotherapeuten durchsetzen, würden „die Fachärzte in den Ruin“ getrieben.
Die Psychotherapeuten hingegen empfinden Genugtuung: Der BVVP sieht die Beanstandung „als Ohrfeige für den Bewertungsausschuss“. Auch wenn sich daraus keine unmittelbaren Konsequenzen ergeben, sei von hohem Wert, dass zu dem „Unrechtsbeschluss“ Stellung bezogen wurde. Petra Bühring
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema