ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Wechseljahre: Beginn einer Krankheit?

POLITIK: Medizinreport

Wechseljahre: Beginn einer Krankheit?

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-152 / B-128 / C-124

Koch, Klaus

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LNSLNS Beim ersten Mal hatte keine der Parteien eine Wahl. Ein vertraulicher Entwurf über Risiken der Hormonersatztherapie (HRT) war ohne Wissen der Autoren der Presse zugespielt worden. Die beunruhigende Abschätzung, dass die von 4,5 Millionen Frauen akzeptierte Therapie im Jahr 1998 in Deutschland für 8 000 Mamma- und Endometriumkarzinome verantwortlich sein könnte, musste zu heftigen Reaktionen der Frauenarzt-Verbände führen. Beim zweiten Anlauf ist aus dem Entwurf eine 150-Seiten-Kritik geworden, die Prof. Eberhard Greiser vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin und Prof. Norbert Schmacke vom AOK-Bundesverband in Berlin präsentiert haben. „Wir wollen keine Konfrontation, sondern Zusammenarbeit“, sagte Schmacke. Obwohl es glaubwürdiger gewesen wäre, nicht zuerst den Weg über die Presse zu wählen, sollten die Gynäkologen die Kritik ernsthaft prüfen. Der Kernvorwurf lautet, sie hätten bislang den Nutzen der HRT überschätzt und die Risiken unterschätzt. Der Streit geht vor allem um die Hoffnungen hinsichtlich der Prophylaxe von Frakturen und Herzinfarkten. Ob diese berechtigt sind, wird sich wohl erst im Jahr 2005 zeigen, wenn in den USA erste Langzeitstudien abgeschlossen sind. Spannend wird sein, welche Haltung die Frauenärzte bis dahin einnehmen. Die aktuelle Stellungnahme der Deutschen Menopausegesellschaft zur HRT ist eine Wende hin zur sachlichen Abwägung des Wissens. Aber es gibt unter „Meinungsbildnern“ noch eine andere Haltung, die Prof. Wolfgang Nocke, ehemaliger Chef der Universitäts-Frauenklinik Bonn in der Münchener Medizinischen Wochenschrift beschrieben hat: „Das postmenopausale Hormondefizit ist (. . .) ebenso substitutionsbedürftig wie beispielsweise Diabetes.“ Jede postmenopausale Frau wäre demnach krank. Von Ärzten mit einem derartig verankerten Frauenbild kann man kaum eine unvoreingenommene Abwägung über Risiken und Nutzen der HRT erwarten. Die Frage lautet also: Wie weit verbreitet ist diese Position unter Gynäkologen? Klaus Koch

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