ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Wie die Krankenkassen 1999 wirtschafteten: Redliche Herde mit einigen schwarzen Schafen

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Wie die Krankenkassen 1999 wirtschafteten: Redliche Herde mit einigen schwarzen Schafen

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-161 / B-135 / C-131

Rieser, Sabine

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LNSLNS Prüfdienst Kran­ken­ver­siche­rung legte Bericht vor.


Ein Aktionstag gegen Raserei im Straßenverkehr kann sinnvoll sein. 1999 allerdings hatte dazu eine gesetzliche Krankenkasse in ein Motodrom eingeladen, wo sie Schaufahrten ausgesuchter Rennwagen, freies Fahren auf der Rennstrecke oder Boxenstopps mit Reifenwechsel an Formel-1-Boliden anbot. Die Kosten für diesen unvergleichlichen Tag beliefen sich auf 80 000 DM – gebucht zulasten von Konto 7108 (Werbemaßnahme).
Der Prüfdienst Kran­ken­ver­siche­rung beim Bundesversicherungsamt (siehe Textkasten) bezeichnete die Aktion im jüngsten Jahresbericht für 1999 als unzulässig. Sie ist eines von mehreren Beispielen dafür, wie einzelne gesetzliche Krankenkassen Beitragseinnahmen zweckentfremden. Gleichwohl betonte Dr. jur. Rainer Daubenbüchel, Präsident des Bundesversicherungsamtes, die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung verschwende nicht in großem Stil Beitragseinnahmen. „Ganz im Gegenteil arbeiten die geprüften Krankenkassen überwiegend wirtschaftlich und serviceorientiert.“ Ausnahmen gibt es dennoch:
- Eine Kasse finanzierte mehreren Angestellten Reisen nach London und die USA. Sie sollten sich dort Kenntnisse für ein eigenes Managed-Care-Projekt aneignen. Kosten: knapp 100 000 DM.
- Der Vorstand einer Krankenkasse bezahlte drei Jahre lang aus Haushaltsmitteln VIP-Karten für Spiele eines Bundesliga-Fußballvereins.
- Eine Kasse mietet grundsätzlich ihre Dienstfahrzeuge, ohne auszurechnen, ob ein Kauf günstiger käme.
- Etliche Krankenkassen lassen einen Teil ihrer Aufgaben von Dritten erledigen, beispielsweise die Auswertung und Archivierung von Apothekenabrechnungen. Hier monierte der Prüfdienst Kran­ken­ver­siche­rung, dass man zwar Geld einsparen wolle, aber nicht kontrolliere, ob das tatsächlich der Fall sei.
- Eine Betriebskrankenkasse nahm Kredite im Wert von drei Millionen DM auf, und dies nicht nur kurzfristig. 1,8 Millionen DM stellte der Träger zinslos zur Verfügung, mit 1,1 Millionen DM unterstützte die „Westkasse“ die „Ostkasse“; 1999 bestand noch die Trennung in zwei Rechtskreise. Daran bemängelten die Prüfer, dass der Beitragssatz erhöht werden müsse, wenn Einnahmen und Ausgaben derart auseinander klafften.
- Einige Krankenkassen wuchsen so schnell, dass ihre Verwaltungen nicht ausreichend prüften, ob die neuen Mitglieder auch termingerecht zahlen. Eine andere ging ohne ersichtlichen Grund lax mit ausstehenden Sozialversicherungsbeiträgen um. Wären die Außenstände konsequent eingetrieben worden, meinten die Prüfer, hätte sich der Beitragssatz unter Umständen geringfügig senken lassen. Rie



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