ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Krebserkrankung: Hilfreich

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Krebserkrankung: Hilfreich

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-164 / B-138 / C-134

Walbaum, Hans

Zu dem Beitrag „Information und emotionale Unterstützung“ von Dr. phil. Ute Schlömer-Doll und Dr. med. Dietrich Doll in Heft 46/2000:
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LNSLNS Den Autoren möchte ich danken für diesen hilfreichen und einfühlsamen Aufsatz. Aus Erfahrungen im engen Familienkreis weiß ich, dass die Aufklärung bei Krebskranken oft nicht glücklich verläuft, dass die Kommunikation vom Arzt aus wenig sensibel und sogar ruppig sein kann. Insbesondere ergeben sich diese Probleme im Krankenhaus, wo die Patienten meist mit jüngeren Stationsärzten/-innen zu tun haben, die den Mangel an entsprechender Ausbildung nicht durch eigene Praxiserfahrung zumindest zum Teil ausgleichen können. Dies betraf mich persönlich ebenso in jüngeren Jahren. Ich stimme Ihnen zu, dass eine qualifizierte Aufklärung elementar wichtig ist, nicht nur schmückendes Beiwerk (auf das man notfalls verzichten kann): Wir können doch die Augen nicht verschließen vor den Erkenntnissen, die sich aus den wegweisenden Forschungen von Simonton und Grossarth-Maticek ergeben haben, dass die emotionale Situation des Kranken und sein Umgehen mit der Krankheit wichtige Faktoren für die Prognose sind; dass für den Heilungserfolg nicht nur die „harten“ Therapiemaßnahmen zählen wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie, sondern die „weichen“ Elemente einen ebensolchen Stellenwert haben: das einfühlsame Gespräch, das dem Patienten Unterstützung bietet bei seinem Bemühen, mit der Krankheit fertig zu werden (ich möchte es nicht „Patientenführung“ nennen).
Wenn wir schwer kranke Patienten in ihrer Kompetenz ansprechen und in ihrer Selbstregulation stärken, hat das auch positive Auswirkungen auf das Immunsystem, wie die Psycho-Neuro-Immunologie zeigt.
Als hilfreich wird von Patienten auch oft angenommen, wenn sie auf das „Danach“ angesprochen werden: den Zeitraum nach Beendigung der Therapie im Krankenhaus oder in der onkologischen Schwerpunktpraxis. Für den Betroffenen stellt sich das Angebot der onkologischen Medizin nämlich oft so dar, dass dann außer regelmäßigen Kontrolluntersuchungen nur noch bleibt abzuwarten; viele möchten jedoch noch selbst etwas tun, sodass Hinweise angebracht wären auf psychologische Hilfsangebote, Selbsthilfegruppen, Literatur, und nicht
zuletzt komplementäre Therapiemethoden, wie Misteltherapie, Vitaminsubstitution, Enzymtherapie, klassische Homöopathie; dazu müsste die naturwissenschaftlich-onkologische Medizin wohl ein kleines bisschen über ihren Schatten springen.
Dr. med. Hans Walbaum, Grindelberg 79, 20144 Hamburg
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