ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Krebserkrankung: Taten folgen lassen

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Krebserkrankung: Taten folgen lassen

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-166 / B-137 / C-133

Schildmann, Jan

Zu dem Beitrag „Information und emotionale Unterstützung“ von Dr. phil. Ute Schlömer-Doll und Dr. med. Dietrich Doll in Heft 46/2000:
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LNSLNS Mit Freude stelle ich fest, dass in letzter Zeit auch hierzulande vermehrt über die Art des Aufklärungsgespräches im Falle einer schlechten Nachricht nachgedacht und publiziert wird. Nach sechs Jahren Studium der Humanmedizin in Deutschland und England sowie einem gerade begonnenen PJ-Tertial auf einer Palliativ-Station habe ich den Eindruck, dass die Fähigkeit, auch solch schwierige Gespräche gut zu führen, bislang nicht hoch geschätzt wird. Abgesehen von mehreren Erfahrungen in Visiten oder Patientenvorstellungen, erlebte ich erst vergangene Woche die Situation, dass bei einem Patienten nach Krampfanfall zwar eine ausführliche Diagnostik gelaufen war, die verantwortlichen Ärzte sich aber nicht in der Lage sahen, das Ergebnis, eine Hirnmetastase bei Zustand nach Bronchialkarzinom, dem Patienten mitzuteilen. Im Rahmen eines Konsils wurde schließlich der Arzt unserer Station gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Mit dem Hinweis, dass dies Aufgabe der betreuenden Ärzte sei, wurde dies jedoch abgelehnt. Die auch von den Autoren angesprochene Zeitnot ist in meinen Augen eine unzureichende Erklärung für die derzeitige Situation. Zum einen begründet sie nicht, warum Patienten in solchen Situationen häufig weniger Zeit als die Mitpatienten bekommen. Zum anderen dauern auch vorbildlich durchgeführte Aufklärungsgespräche selten wirklich eine halbe Stunde. Schon eher nachvollziehbar ist allerdings, dass sich einige Ärzte unvorbereitet für solche Aufgaben fühlen . . . Es bleibt zu hoffen, dass Artikel wie diesem bald Taten folgen werden und nicht mehr allzu viele Generationen von angehenden Ärzten sich unvorbereitet in diese für alle Beteiligten schwierige und wichtige Situation begeben müssen.
Jan Schildmann, Akazienstraße 27, 10823 Berlin
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