ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Steuerrecht: Verkauf einer Praxis – so sollte er gelingen (I)

VARIA: Wirtschaft

Steuerrecht: Verkauf einer Praxis – so sollte er gelingen (I)

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-187 / B-161 / C-156

Wendland, Holger

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LNSLNS Die Aufgabe einer Arztpraxis muss gut geplant werden.
So ist neben dem richtigen Erwerber der richtige Zeitpunkt aus steuerlicher Sicht von Bedeutung.


Wer eine Arztpraxis aufgeben oder verkaufen will, sollte drei bis fünf Jahre vor dem Stichtag mit der Planung beginnen (Textkasten 1 und 2). Die Form der Abgabe wird hierbei an erster Stelle stehen: Wird die Praxis an einen Einzelnachfolger übergeben – wenn ja, welche Überleitungszeit wird erforderlich sein? Soll für die Übergangszeit eine Gemeinschaftspraxis gegründet werden – wenn ja, wird dies rechtlich möglich sein, und welche wirtschaftlichen beziehungsweise steuerrechtlichen Konsequenzen wird dies haben? Wie soll der Kaufpreis gestaltet sein: Einmalzahlung oder Rentenzahlung beziehungsweise eine Kombination von beidem?
Liquidität und Vermögenswerte
Zunächst muss ein Arzt, der seine Praxis veräußern will, seine wirtschaftliche Situation ermitteln. Hierzu verschafft er sich am besten eine Übersicht über seine Liquiditäts- und Vermögenswerte. Sie hilft, sich darüber klar zu werden, welche Einkünfte vor dem Zeitpunkt der Praxisaufgabe liegen und welche danach. Es geht hier also darum, wie sich die Einkommensstruktur durch die Praxisaufgabe verändern wird.
Dazu sollte man sich eine Tabelle anlegen, die die Situation vor und nach der Praxisabgabe gegenüberstellt. Eine Spalte „Differenz“ dient dazu, sich der Veränderungen und ihrer Auswirkungen bewusst zu werden.
Zur Ermittlung der tatsächlichen Liquidität werden die Einnahmen aufgegliedert, also zum Beispiel aus den Einkunftsarten selbstständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung, sonstige Einkünfte (zum Beispiel Renten mit Ertragsanteil). Dazu kommen die übrigen (nicht steuerpflichtigen) Einnahmen, zum Beispiel nicht zu versteuernder Anteil der Rente, steuerfreie Einnahmen aus Kapitalvermögen, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung ohne tatsächliche Kosten (zum Beispiel Abschreibung), steuerfreie Veräußerungsgeschäfte (zum Beispiel nicht zu versteuernde Aktiengewinne).
Bei den Ausgaben ist an die Verwendung des Einkommens aus folgenden Bereichen zu denken: selbstständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung, sonstige Einkünfte (zum Beispiel Renten). Dazu kommen die übrigen Ausgaben, zum Beispiel Versorgungsaufwendungen, Darlehnstilgungen, Vermögensbildung, Lebensunterhalt, Sonstiges.
Die Vermögenswerte können entsprechend nach folgendem Schema entwickelt werden: Wert der Praxis: Besitzposten ohne Praxiswert, Schuldposten; Kapitalvermögen: zum Beispiel Wertpapiere, Festgelder et cetera; Immobilien: Besitzposten, Schuldposten; Versicherungen (soweit hieraus nicht Rentenansprüche im klassischen Sinn bestehen): Lebensversicherungen, Rentenversicherungen (soweit hieraus nicht Rentenansprüche im klassischen Sinn bestehen); sonstiges Vermögen: Besitzposten, Schuldposten.
Optimaler Zeitpunkt: Einkünfte sind gering
Beachten sollte man, dass unter „Vermögenswerte heute“ die Position Praxiswert nicht weiter ausgewiesen wird. Ein Praxiswert (good will; Praxiskartei oder Ähnliches) liegt erst mit dem Verkauf auch vor. Zuvor ist dieser Wert eine reine Schätzung. Im Handelsrecht ist aber festgelegt, dass nicht realisierte Gewinne auch nicht ausgewiesen werden dürfen – der Kaufmann darf sich nicht reicher machen, als er tatsächlich ist (Textkasten 3).
Aus steuerlicher Sicht ist der optimale Zeitpunkt dann gegeben, wenn zur Zeit der Praxisveräußerung oder -aufgabe möglichst geringe Einkünfte fließen. Das lässt sich durch eine geschickte Steuergestaltung erreichen. So kann zum Beispiel in dem entsprechenden Jahr eine umfassende Renovierung der vermieteten Häuser vorgenommen werden. Oder das Kapitalvermögen wird so angelegt, dass in diesem Jahr keine Zinserträge zufließen und am besten noch Stückzinsen gezahlt werden müssen. Denn Stückzinsen sind im Jahr der Zahlung wie Werbungskosten mindernd bei den Einkünften aus Kapitalvermögen zu berücksichtigen. Außerdem sollten nachträgliche Betriebseinnahmen erst im Folgejahr realisiert werden.
Eine Praxisveräußerung oder -abgabe zum 31. Dezember eines Jahres ist in der Regel also denkbar ungünstig. Im laufenden Jahr werden (hoffentlich) bereits in üblicher Höhe Einkünfte in den einzelnen Einkunftsarten realisiert. Wird nun noch ein zusätzlicher Veräußerungsgewinn erzielt, wird die Steuerbelastung sehr hoch.
Ein weiterer Punkt kommt hinzu. Bei Ärzten wird der Gewinn der Praxis in der Regel durch eine so genannte Einnahme-Überschussrechnung ermittelt. Zum Zeitpunkt der Praxisveräußerung oder -aufgabe ist jedoch eine so genannte Aufgabebilanz zu erstellen. Wird eine Einnahme-Überschuss-Rechnung erstellt, richten sich die Kriterien der Praxis nach dem Zeitpunkt der Vereinnahmung der Betriebseinnahmen und der Verausgabung der Betriebsausgaben. Bei einer Bilanz ist jedoch der wirtschaftliche Aspekt entscheidend. Hier zählt der Zeitpunkt der wirtschaftlichen Leistungserbringung für die Versteuerung.
Übergangsgewinn im Auge behalten
Diese beiden unterschiedlichen Systeme sind durch eine so genannte Übergangsrechnung einander anzupassen. Sie fördert im Regelfall einen so genannten Übergangsgewinn zutage, der zusätzlich die Steuerbelastung in die Höhe treibt. Er kann im Durchschnitt in Höhe der KV-Zahlungen angenommen werden, die nach Praxisschließung noch ausgezahlt werden. Sie stellen also einen einmaligen Gewinn dar, der zum Zeitpunkt der Praxisveräußerung oder -aufgabe anfällt. Dadurch ist es also ratsam, den Zeitpunkt der Praxisveräußerung oder -aufgabe in einem anderen Veranlagungszeitraum anfallen zu lassen (Fortsetzung folgt).
Holger Wendland
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