ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Schmerz und Fieber bei Kindern: Potenzial von Ibuprofen wird unterschätzt

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Schmerz und Fieber bei Kindern: Potenzial von Ibuprofen wird unterschätzt

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-191 / B-165 / C-159

Porcher-Spark, Annette

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LNSLNS Die Qualität der Schmerztherapie bei Kindern ist in Deutschland unzureichend. Darin waren sich die Experten bei einem Satellitensymposium einig, das während der 96. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Stuttgart stattfand. Kinderärzte sind nach den Erfahrungen von Prof. Gerhard Gaedicke (Charité Campus Virchow Klinikum Berlin) bei der Verordnung von Analgetika bei akuten Schmerzen zurückhaltend. Dies beruhe unter anderem darauf, dass es nicht genügend Studien zum Thema Schmerzbehandlung bei Kindern gebe und die Zahl der für diese Altersgruppe zugelassenen Analgetika gering sei, erklärte Gaedicke.
Gute analgetische und antipyretische Wirksamkeit
Als eine positive Entwicklung wertete der Pädiater, dass mit der Zulassung von Ibuprofen-Saft (Nurofen® für Kinder Fiebersaft) für Kinder ab sechs Monaten in Deutschland ein weiteres Mittel für die Therapie von akuten Schmerzen und Fieber zur Verfügung steht. „Deutschland ist Paracetamol-Land“, charakterisierte Gaedicke die derzeitige Situation der Schmerztherapie in der Pädiatrie. In den angloamerikanischen Ländern sei die Anwendung von Ibuprofen als Analgetikum wesentlich stärker verbreitet – in den USA ist das Mittel seit 1995 rezeptfrei erhältlich.
Bei dem von Boots Healthcare veranstalteten Symposium wurden neue Daten einer Anwendungsbeobachtung von Nurofen für Kinder Fiebersaft in Deutschland vorgestellt: 181 Kinder mit hochfieberhaften Erkrankungen wurden in 13 Krankenhäusern mit der Ibuprofen-Suspension behandelt. 82,3 Prozent der Kinderärzte beurteilten die Wirksamkeit als „sehr schnell“ bis „schnell“. Die mit Ibuprofen behandelten Kinder waren nach durchschnittlich 1,5 Tagen fieberfrei.
Dr. Thomas Danne (Charité Campus Virchow Klinikum Berlin) berichtete, dass die gute analgetische und antipyretische Wirksamkeit von Ibuprofen in zahlreichen internationalen Studien nachgewiesen worden sei. Ein erheblicher Vorteil von Ibuprofen gegenüber Paracetamol, das in Deutschland das Mittel der ersten Wahl bei Fieber und Schmerzen im Kindesalter ist, besteht nach Ansicht der Experten in der größeren therapeutischen Breite von Ibuprofen.
Das Risiko von Überdosierungen sei aufgrund der geringen therapeutischen Breite bei Paracetamol erheblich größer und werde oft unterschätzt, betonten die Pädiater. Fälle von Intoxikationen mit irreversiblen Leberschäden seien in den Kinderkliniken immer wieder zu beobachten. Bereits vier Gramm Paracetamol können nach Angaben von Dr. Boris Zernikow (Universität Witten/Herdecke, Datteln) bei Kindern zu einem tödlichen Leberversagen führen.
Akute Schmerzen bei Otitis media, Pharyngitis, viralen Mundinfektionen wie Gingivistomatitis und Herpangina können, so der Pädiater, durch Ibuprofen-Saft wirksam behandelt werden. Bei einer akuten Otitis media leiden laut Zernikow 42 Prozent der erkrankten Kinder unter starken und 40 Prozent unter mittelstarken Schmerzen. Diese Schmerzen sollten immer rasch und effektiv durch Analgetika gelindert werden, unterstrich der Schmerzexperte.
Auch bei der medikamentösen Akuttherapie von kindlichen Kopfschmerzen und Migräne hat sich Ibuprofen nach den Worten von Dr. Stefan Evers (Universität Münster) bewährt. Der Neurologe bezeichnete Ibuprofen in einer Dosierung von zehn bis 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als ein Medikament der ersten Wahl für diese Indikationen.
Eine Nachdosierung sei aufgrund der geringen Nebenwirkungen bereits nach einer Stunde möglich. Allerdings seien gerade bei der Behandlung von Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen nichtmedikamentöse Therapieverfahren wie Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie und Akupunktur erfolgreicher als bei Erwachsenen, berichtete Evers.
Ibuprofen-Saft ist für die Indikationen Fieber und leichte bis mäßig starke Schmerzen bei Kindern ab sechs Monaten in einer Tagesdosis von 20 bis 30 Milligramm/Kilogramm pro Tag zugelassen. Seit Oktober steht das Analgetikum auch als Brausegranulat (Nurofen® 200 mg Brausegranulat) für Kinder ab sechs Jahren zur Verfügung. In Deutschland sind beide Produkte zurzeit verschreibungspflichtig. Annette Porcher-Spark
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