ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001Berufs- und Studienberatung: Investition in die Zukunft

VARIA: Bildung und Erziehung

Berufs- und Studienberatung: Investition in die Zukunft

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-198 / B-168 / C-142

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Berufswahl findet häufig eher zufällig statt. Ein „Karriereworkshop“ will mehr Systematik in die Entscheidungen bringen.


Mehr als 40 000 Studenten in Deutschland brechen jedes Jahr ihr Studium ab, belegen statistische Erhebungen. Der Grund sind meist unüberlegte Studienfächer. In zahlreichen Studien wird eine zufällige Berufswahl nachgewiesen. Während der Schulzeit werden zwar auch, oft durch das Arbeitsamt, Berufsberatungen durchgeführt – doch diese lassen die Persönlichkeit des Schülers außer Acht.
Die Euro-Internatsberatung Tumulka in München hatte vor zwei Jahren die Idee, junge Menschen bei der Berufsfindung zu unterstützen: Der „Karriereworkshop“ Euro-Career-Center (ECC) wurde gegründet. Die Agentur, die ihren Schwerpunkt in der Internatsberatung hat, erreichten immer wieder Anrufe besorgter Eltern: „Jetzt ist unser Sohn fertig. Was soll er tun? Können Sie uns nicht weiterhelfen?“, erzählt Jacqueline Kröner, Leiterin des ECC.
Zusammen mit Prof. Dr. Bernhard Wilpert, Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie der Technischen Universität Berlin, entwickelten die erfahrenen Berater ein Konzept: Mit psychologischen Tests, Rollenspielen, Kreativitätsübungen und Gruppengesprächen sollen die Schüler ihre Stärken und Schwächen kennen lernen. Jeder der Teilnehmer eines Gruppen-Workshops muss sich zudem in 20 Minuten mithilfe eines Flipcharts vorstellen. Eine Videokamera hält die Präsentation fest und ermöglicht eine Analyse des Schülers. Die Tests werden von einem Psychologen, Pädagogen, Berufsberater und einem Wirtschaftswissenschaftler ausgewertet.
„Sie haben sich sehr viel Mühe gegeben“, berichtet der 21-jährige Benedikt Pröller. Die Karriereberater rieten ihm zu einem Beruf aus den Bereichen Gastronomie, Architektur oder der Schauspielerei. Denn: „Ich hab’ gern mit Menschen zu tun, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und schlüpfe gerne in Rollen“, sagt der ehemalige Internatsschüler. Die Sprachkenntnisse, die er auf einem Internat in England gesammelt hat, kommen ihm in seiner Ausbildung zugute: Benedikt Pröller lernt heute Hotelfachmann in einem renommierten Münchener Hotel.
Für den Gruppen-Workshop, der in verschiedenen deutschen Städten durchgeführt wird, mussten die Jugendlichen anfänglich drei Tage opfern. „Das war zuviel für die meisten“, erkannte Leiterin Jaqueline Kröner und reduzierte die Veranstaltung auf einen „Power-Tag“ von 8.30 Uhr bis 19 Uhr. Dafür müssen die Eltern tief in die Tasche greifen: 1 950 DM kostet die Investition in die Zukunft ihrer Sprößlinge. Die Einzel-Workshops sind etwas preisgünstiger.
Der Workshop verschafft Klarheit
„Es hat sich gelohnt“, findet Oberstudienrätin Regina Steinmeyer, Mutter der ECC-Absolventin Cornelia. „Die Lektüre ihrer Ergebnisdokumention hat uns über die Persönlichkeit unserer Tochter aus einem distanzierten Blickwinkel nachdenken lassen; sie ist uns eine Hilfe bei weiteren Überlegungen bezüglich der Ausbildung unserer Tochter“, schreibt sie in einem Brief an das Euro-Career-Center. Der 17-Jährigen hat der Workshop ein sehr gutes mathematisches Denkvermögen bescheinigt und sie damit „in der Idee, Betriebswirtschaft zu studieren“ bestätigt. „Die Test haben mir Klarheit verschafft“, sagt Cornelia Steinmeyer.
Das ECC-Team empfiehlt den Kandidaten auf Wunsch Universitäten und private Hochschulen – auch in England und den USA –, die in den ausgewählten Fächern besonders gut sind. Die Berater stehen auch bei der weiteren Karriereplanung zur Verfügung. Petra Bühring


Teilnehmer bei der Übung „Task Master“: Die Gruppe muss selbst organisieren, wer welche Aufgabe (z. B. Servietten falten, Geometrieaufgaben, Rätsel) übernimmt, und Lösungsansätze diskutieren.


Informationen bei:
Euro-Career-Center Grillparzerstraße 46 81675 München
Telefon: 0 89/45 55 55 18
Fax: 0 89/45 55 55 44
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