VARIA: Personalien

Geburtstag

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): A-201 / B-172 / C-161

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Hans Joachim Sewering, Internist/Lungen- und Bronchialheilkunde, Dachau, wird am 30. Januar 85 Jahre alt.
Sewering, Ehrenpräsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer und Ehrenmitglied des Vorstandes der Bundes-ärztekammer, hat mehr als 40 Jahre lang die ärztliche Berufs- und Gesundheitspolitik beeinflusst und geprägt. Die letzten Jahrzehnte waren auch überschattet von Vorwürfen, unter anderem wegen seiner Mitgliedschaft in SS und Partei nach 1933.
Bereits 1951 wurde Sewering in den Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns gewählt, deren Vorstandsvorsitzender er von 1972 bis 1992 war. Von 1955 bis 1991 war Sewering Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer und Mitglied des Vorstandes der Bundes­ärzte­kammer, von 1959 bis 1973 Vizepräsident und von 1973 bis 1978 Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages. Von diesem Amt trat er beim 81. Deutschen Ärztetag in Mannheim zurück, vordergründig, weil dem Ärztetag der erbitterte Streit der Bayerischen Ortskrankenkassen mit Sewering über die Abrechenbarkeit bestimmter Leistungen („Mammomat“) und die daraus erwachsenen Pressekampagnen leid waren. Im Hintergrund standen aber auch – letztlich nie bewiesene und von Sewering stets zurückgewiesene – Vorwürfe über Sewerings Rolle beim Tod eines Mädchens, das er 1943 in die Anstalt Haar bei München überwiesen hatte.
Sewering war unbestreitbar einer der einflussreichsten und bedeutendsten ärztlichen Berufspolitiker der Nachkriegszeit, begabt mit analytischem Verstand, geschickt im Verhandeln, mit Sinn für Macht und Realitäten.
Große Verdienste erwarb sich Sewering um die Gestaltung der ärztlichen Weiterbildung – nicht nur in der (alten) Bundesrepublik, sondern auch auf europäischer Ebene.
Die Harmonisierung des Weiterbildungsrechtes in den EU-Mitgliedsstaaten wurde von ihm über den Ständigen Ausschuss der Ärzte in der EG, dessen Generalsekretär er zeitweise war, wesentlich mitgestaltet.
Von 1959 an war Sewering Mitglied der deutschen Delegation zur Vollversammlung des Weltärztebundes. Im Vorstand dieser Organisation wirkte er seit 1966, als Schatzmeister von 1971 bis Oktober 1992. Eine Kandidatur zum Präsidenten der Organisation scheiterte, nachdem die erwähnten Vorwürfe auch in den USA bekannt geworden waren. Seine erheblichen Verdienste um den Weltärztebund zählten plötzlich nicht mehr. So paarten sich in Sewerings Leben Glanz und Elend, steile Karriere und bittere Niederlage, die er, zumindest äußerlich, mit Gelassenheit, aber auch unbeirrt überstand.
Die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes verdankt dem als konstruktiv geltenden Sewering, der lange Mitherausgeber war, ein ungemein liberales, erst nach Sewerings Zeit eingeschränktes Herausgeber-Statut. Norbert Jachertz
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