ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2001EM.TV und andere: Ende mit Schrecken

VARIA: Schlusspunkt

EM.TV und andere: Ende mit Schrecken

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): [104]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Welch ein Paradox. Tausende von EM.TV-Aktionären starren gebannt gen München und hoffen auf die Schützenhilfe von Leo Kirch. Der in Börsianerkreisen nicht unumstrittene Medienmogul soll dem schwer angeschlagenen Filmehändler mit einer extravaganten Kapitalspritze wieder auf die Beine helfen.
Eigentlich ist vorgesehen, dass Leo Kirch 16,74 Prozent des Kapitals an der krisengeschüttelten EM.TV AG erwirbt und gleichzeitig ein Viertel der Stimmrechte erhält. Zurzeit werden noch die Bücher geprüft, dabei soll es hinter den Kulissen rumoren. Die Verhandlungspartner haben sich neuerdings nicht mehr so lieb, berichten Beobachter des Geschehens.
EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker will den Übernahmedeal nachbessern, während Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn personelle Konsequenzen fordert: Eben dieser Becker soll gehen.
Was aber, wenn Kirch keine Lust mehr auf EM.TV hat und die Übernahme platzen lässt? Dann droht der Konkurs, und die Anleger müssten sich langsam auf den Totalausfall beim einstigen Börsenstar einstellen. Obwohl, 90 Prozent Kursverlust wie bisher oder glatte hundert, das macht den Kohl auch nicht mehr fett. Nach Gigabell, Teamwork, Letsbuyit.com könnte also auch EM.TV zu den Pleitiers des Neuen Marktes zählen.
Die Wut der Anleger ist nur zu verständlich. Im Sog dieser Entwicklung kommen immer mehr Stimmen auf, die den Aktionären zu Schadensersatzklagen raten. Auf die Materie eingeschworene Anwälte geben denn auch kund und zu wissen, das Beschreiten des Rechtsweges hätte durchaus seine Berechtigung.
Speziell bei EM.TV lohne sich eine Klage, ist zu hören. Vorstand Thomas Haffa habe 200 000 EM-TV zu einem Kurs von rund 100 Euro verkauft – zu einer Zeit, als er es niemals gedurft hätte. Auch sein Bruder und Vorstandskollege hatte in dieser Hinsicht gefehlt. Die Haffas hätten im Übrigen die Aktionäre nach Strich und Faden belogen.
Meiner Meinung nach kann der Schuss ziemlich nach hinten losgehen. Die Rechtslage ist so eindeutig nicht, wie manche Anlegerschützer einem weismachen wollen. Die Beweisnot ist im Detail nämlich enorm. Etwaige Verfahren könnten sich zudem über Jahre hinziehen. Da die formale Genugtuung längst nicht gesichert scheint, sollte meines Erachtens das Ende mit Schrecken allem anderen vorgezogen werden.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema