VARIA: Schlusspunkt

Allgaier redivivus

Dtsch Arztebl 2001; 98(4): [104]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Als Kinder haben wir uns den sinnigen Spruch „Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt“ zugeworfen. So war’s auch bei Dr. med. Erik Allgaier. Dieser reiste mit äußerst bescheidenen Zielen zum letzten Ärzteturnier nach Bad Homburg: Beim Simultanspiel anfangs wollte er gegen mich gewinnen und beim eigentlichen Turnier dann so halbwegs mithalten. Ersteres kam Gott sei Dank anders und „Zweiteres“ („Was für ein Deutsch“, unterstrich mein Lehrer freudig mit Rot) ebenso.
Zum guten Schluss war er alleiniger Zweiter (nicht Zweiterer) und ließ das Flugzeug ohne ihn nach Berlin zurückfliegen, um bei der Siegerehrung noch dabei sein zu können. Für solche Not- beziehungsweise Freudenfälle gibt es schließlich im Auto nach Berlin zurückfahrende Kollegen.
Nun fragen Sie sich vielleicht: Wie machte der Allgaier das nach dem betrüblichen (freudigen) Auftakt? Stürmte er die Königsfestung seiner Gegner mit dem berühmt-berüchtigten Allgaier-Gambit im wildromantischen Königsgambit (1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Sf3 g5 4. h4 g4 5. Sg5 h6 6. Sxf7?!)? Nicht dass ich wüsste. Er spielte einfach gut. Im übrigen stammt besagtes Gambit nicht von ihm, sondern wurde vor circa 200 Jahren vom Namensvetter Johann Baptist Allgaier „erfunden“.
Dieser muss stellvertretend auch für die heutige Aufgabe herhalten, weil mir leider keine Kombination von Dr. med. Allgaier vorliegt. Doch ist es nicht die schlechteste Stellvertretung, weder sittlich („Hat einen sehr guten moralischen Charakter und beweist aus den gelieferten Rechnungen Eifer und Thätigkeit“, heißt es im Zeugnis bei seiner Pensionierung als Rechnungsführer beim österreichischen Fuhrwerkskorps) noch schachlich, denn er war dazumal der stärkste Schachmeister in Wien, unterrichtete sogar am kaiserlichen Hof von Franz I. die Erzherzöge im Schachspiel.
Und er war es vermutlich, der im „Kempelenschen Türken“ verborgen war. Angeblich ein Schach spielender Automat, in Wirklichkeit ein genialer Schwindel, der selbst E. A. Poe auf die falsche Fährte führte.
In jedem Fall besiegte der „Türke“ alias Allgaier 1809 im Schloss Schönbrunn Napoleon. Unklar ist, ob diese Stellung, in der Weiß mit 1. Sxe8+ die Dame gewann, wirklich vorkam. Wie hätte der Allgaier von ehedem indes schnell matt setzen können?

Lösung:

Statt wertvoller Beute hätte ein Springeropfer des Napoleonschen Königs schnelles Aus bedeutet. Nach 1. Sf5+! hat Schwarz zwei Möglichkeiten: auf 1. . . . gxf5 setzt 2. Dg5+ Kh8 3. Dh6 matt; nimmt indes der König mit 1. . . . Kxf6 den anderen Springer, so erliegt er nach 2. Dh4+ g5 3. Dh6 matt der weißen Dame.
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